Full text : Hand- und Lehrbuch der Staatswissenschaften. Erste Abteilung VIII. Band. Geld und Banken. I. Teil Das Geld. (1_8)

492  Zweites  Buch.  IV.  Abschnitt.  Greldbedarf,  Geldversorgung  und  Geldwert.

flüssig  gemacht  zu  haben.  Wenn  aber  der  Baumwollhändler  den  Wechsel
seinerseits  an  einen  dritten  in  Zahlung  gibt,  so  fungiert  dabei  der
Wechsel  an  Stelle  baren  Geldes  als  Vermittler  von  Übertragungen  in
der  gleichen  Weise,  wie  in  dem  soeben  betrachteten  Falle  der  Scheck.

Über  Coupons,  Briefmarken  usw.  wären  ähnliche  Bemerkungen
zu  machen.  Alle  diese  Dinge  können  ihre  eigentlichen  Zwecke  vollauf
  erfüllen,  ohne  Gelddienste  zu  tun;  soweit  sie  aber  Gelddienste
verrichten,  bedeuten  sie  eine  Ersparung  von  Bargeld  und  mithin  eine
Verringerung  des  auf  das  wirkliche  Geld  gerichteten  Bedarfs  der  Volkswirtschaft.
  Die  Ersparung  von  Bargeld  ist  hier  eine  unmittelbare  und
absolute  im  Gegensatze  zu  der  mittelbaren  und  relativen,  die  sich  aus
der  Verwendung  des  Kredits  zur  intensiveren  Ausnutzung  vorhandener
Geldbestände  ergibt.

Eine  Zusammenfassung  aller  der  dargelegten  Gesichtspunkte  ergibt:

Gewiß  hat  Menger  Recht,  wenn  er  als  das  Maß  des  Geldbedarfs
der  Volkswirtschaft  die  Summe  der  durch  die  Einzel-  und  Gemeinwirtschaften
  eines  Volkes  beansprucliten  Geldbestände  bezeichnet.  Aber
die  Geldbestände,  welche  diese  Einzel-  und  Gemeinwirtschaften  halten
müssen,  unterliegen  gewissen  gemeinsamen  Bestimmungsgründen,  die
eben  dadurch  zu  den  allgemeinen  Bestimmungsgründen  für  den  Geldbedarf
  der  Volkswirtschaft  werden.  Diese  sind:

1.  Die  Größe  der  tatsächlich  oder  möglicherweise  innerhalb  eines
bestimmten  Zeitraums  zu  leistenden  Zahlungen,  sowie  die  Verteilung
der  Zahlungseingänge  und  Zahlungsleistungen  auf  die  Zeit  und  auf
die  Einzelwirtschaften  innerhalb  der  Volkswirtschaft;

2.  die  Intensität  der  Ausnutzung  des  Geldes,  beruhend  auf  der
Entwicklung  des  Leihverkehrs  in  Geld  und  auf  der  Ausbildung  von
Zahlungsmetlioden  und  Zahlungseinrichtungen,  die  sich  auf  ruhenden
Geldvorräten  aufbauen;

3.  die  Vermittelung  von  Übertragungen  durch  Krediturkunden
und  Forderungsdokumente.

Der  auf  diesen  Faktoren  beruhende  Geldbedarf  wird  in  den  einzelnen
  Ländern  reichlicher  oder  knapper  befriedigt,  je  nachdem  die
Wohlhabenheit  des  Landes  und  die  gleichmäßige  Verteilung  des  Vermögens
  auf  weite  Schichten  der  Bevölkerung  eine  reichlichere  Deckung
zuläßt,  und  je  nachdem  der  kaufmännische  Geist  auf  eine  möglichst
wirtschaftliche  Ausnutzung  der  Umlaufsmittel  hindrängt.

Die  großen  Unterschiede  in  den  Geldbeständen  der  einzelnen  Länder
und  namentlich  auch  in  der  Quote,  die  durchschnittlich  auf  den  Kopf
der  Bevölkerung  der  einzelnen  Länder  entfällt,  lassen  sich  durchweg
auf  diese  Faktoren  zurückführen.  Wenn  z.  B.  Frankreich  sowohl  pro
Kopf  seiner  Bevölkerung  als  auch  im  ganzen  einen  soviel  größeren