110 Erstes Buch. Die neue Staatsgründung des Großen Kurfürsten.
Gewirr des Marktes und zog es in Berlin durch die Errichtung
von Buden auf der Renn- oder Stechbahn und dem Mühlen—
damm in die Nähe des Schlosses. Gern bewegte er sich unter
der geschäftigen Menge, um einzukanfen, namentlich Singvögel,
die er besondero liebte. Aber auch die Hauptstadt bedurfte anfangs
eines gewissen Zwanges, ehe sie anfing, sich ans der
Verkommenheit emporzuarbeiten. Als Friedrich Wilhelm 1643
dorthin kam, glich sie einem großen, halbverfallenen, von Unrat
starrenden Dorfe; vor den Häusern lagen Haufen von
Schmutz, und Wagen konnten kaum passieren. „Solch säuisch
Wesen dulde ich nicht,“ hieß es in einem Erlaß; „wer den
Schmutz dort hinauswirft, dem soll er von Polizei wegen wieder
ins Haus zurückgeworfen werden.“ Brunnen wurden angelegt
und Feuerlöschgeräte aufgestellt, anch die Bürger für den Fall
eines Brandes mit Anweisung versehen. Die Spree, die von
der Langen Brücke her allen möglichen Unrat an dem Schlosse
vorbeiführte, wurde gereinigt und zwischen ihr und dem Schloß,
dessen beabsichtigten Ausbau der leidige Geldmangel hinderte,
ein Gärtchen angelegt. An Umfang wuchs die Stadt: 1658
begann die Trockenlegung des dem Schlosse benachbarten buschbestandenen
Friedrichswerder, den auch die das Jahr zuvor begonnene
neue Befestigung einbegriff: aber nur sehr allmählich
wurden die abgesteckten Straßen mit Häusern besetzt, da für
diese erst durch Rammwerke ein fester Stand gewonnen werden
mußte. Schneller wuchsen die Friedrichs= und die Dorotheenstadt
empor.
Auch für die Verschönerung Berlins geschah manches. Der
Lustgarten beim Schloß wurde ein vielbewundertes Prachtstück,
ausgezeichnet durch die Schönheit und Stattlichkeit der mit
Skulpturen und Lusthäusern versehenen Anlagen und durch den
Reichtum seiner Beete und Gewächshäuser an seltenen Pflanzen.
Denn der Kurfürst war ein besonderer Freund des Gartenbaues
und der Blumenzucht, und seine oranische Gemahlin
teilte zum Segen des Landes diese Vorliebe. Wie sie das
Dorf Bötzow als Oranienburg zu einer Musterwirtschaft machte,
so ließ er im Lustgarten mit dem Anbau von neuen Nutzpflanzen
Versuche anstellen. Dort wurden die ersten Kartoffeln