— 195 —
Diplomaten vordem gefehlt haben mögen, zur Stunde
einen gerechten Kriegder Notwehr. Es
führt denselben im Vollgefühl der Notwehr mit gutem
Gewissen vor Gott und Menschen. Und mit gutem
Gewissen knien die Deutschen und ihr Kaiser vor Gott
und flehen um Rettung und Sieg über die fürchter—
lichste Koalition, die seit dem Anfang der Tage zur
Vernichtung eines tüchtigen Volks geschlossen worden
ist. Eine christliche Gemeinde darf in Deutschland
des Volkes Sache vor Gott bringen und um Sieg
beten. Kann und darf es eine wohlberatene Gemeinde
auch in England? Großbritannien hat ja
doch seit Fahrhunderten die Bölker der Erde vergewaltigt,
es hat die Nationen Europas gegeneinander
gehetzt und für die eigenen Interessen bluten lassen,
hat die Herrschaft über die Meere für sich allein begehrt
und die andern Nationen vom Mitgenuß der
Erdengüter nach Kräften ausgeschlossen. Also bittet
eine „christliche Gemeinde“ in England, wenn sie
um Englands Sieg und um die Demütigung Deutschlands
fleht, daß der gegenwärtige Zustand des Unrechts
weiter bestehe und durch Bernichtung Deutschlands
noch größer werde. Solches Gebet kann nicht
aus Glauben gehen. Es ist gewiß ein Gottesgebot,
daß sich die Menschheit die Erde untertan mache.
Aber daß ein Bolk fast alles an sich reiße, ist kein
Gottesgebot. Die englische Devise „Ich allein“
ist vom Bösen; die deutsche Devise „Ich auch“
ist gut.
Trotz dieser Sachlage wird's vielen unter uns
Der geneigte Leser wird zuweilen selbst fühlen, wo er statt Deutschland
das größere Deutschland-Osterreich--ungarn
bören und lesen muß.