Full text: Tagebuchblätter. Erster Band. (1)

5. November Elftes Kapitel 353 
mit Kutusow etwas wichtiges zu besprechen. „Ich konnte — sagte 
er — wirklich nicht ordentlich mit ihm reden. Die Allerhöchsten 
umflatterten mich wie die Krähen den Uhu und zogen mich immer 
von ihm ab, und jeder schien über jede zwei, drei Minuten froh, 
die er mehr von mir hatte als der andre. — Ich sagte es endlich 
dem Prinzen Karl: Ob er nicht dahin wirken könne, daß sein Herr 
Schwager wartete, bis ich mit Gesprächen fertig wäre, die im 
Interesse des Staates und des Königs wären. Aber obwohl ich 
ihm ähnliches schon oft bemerkt hatte, schien er mich nicht zu be— 
greifen, und das Ende vom Liede war, daß er es übel nahm. — 
Zuletzt war irgendwo im Nebenzimmer ein gerettetes Bein oder 
ein Rücken von einem alten Krönungsstuhl zu sehen. Alle gingen 
hin, um das Wunder zu betrachten, und diesen Moment nahm ich 
wahr, um mich zu drücken.“ 
In diesem Augenblicke wurde ihm eine Depesche hereingebracht, 
die meldete, daß sich Favre und die andern Regenten in Paris 
wieder einmal aufs hohe Pferd gesetzt und proklamiert hätten, von 
einer Gebietsabtretung könne auch jetzt nicht die Rede sein, einzige 
Aufgabe sei die Verteidigung des Vaterlandes. Der Chef bemerkte: 
„Nun, da wäre man ja von weitern Verhandlungen mit Thiers 
dispensiert.“!1 
„Ja — erwiderte Delbrück —, bei solch einem hartnäckigen 
Blödsinn kann davon eigentlich nicht mehr die Rede sein." 
Nach einer Weile äußerte der Minister zu Abeken, daß Prinz 
Adalbert an den Kaiser (von Rußland?) zu schreiben vorhabe und 
ihn mit mon cousin anzureden gedächte, daß dies aber wohl nicht 
ginge. Taglioni wollte wissen, der Kaiser habe den Prinzen brieflich 
so genannt. — „Dann darf er ihn, glaube ich, nicht wieder so 
nennen — entgegnete der Chef —, sondern etwa mon oncle. Viele 
deutsche Fürsten, auch solche, die nicht mit ihm verwandt sind, reden 
den König mit: „Mein Oheims an.“ Zuletzt befahl er, wegen der 
üblichen Form in Berlin telegraphisch nachzufragen. 
Jemand erzählte, daß im Schlosse Beauregard vortrefflicher 
Wein entdeckt und für die Truppen konfisziert worden sei. Bucher 
bemerkte dazu, daß diese reizende Besitzung vom Kaiser Napoleon 
  
1 Uber diese Verhandlungen ziemlich ausführlich Wilmowski 680 f. 
Busch, Tagebuchblätter 1 23
	        
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