116 Geschichte der Societät von 1700-1711.
über die Vocabula Marchiea — cin deutsch -lateinisches \Wörterbuch
(1741) heraus, dessen Stärke in dem deutschen Theil liegt und das in
der Geschichte der deutschen Lexikographie eine der vornehinsten
Stellen behauptet — Grmm hat es das erste gelelhrte deutsche Wörterbuch
genannt und cs als nicht veraltet bezeichnet. Er allein erfüllte
die Aufgabe der »teutsch-gesinnten Societät«, die der Kurfürst gestellt
hatte; denn die beiden Jagroxskı’s, die sich auch an der deutschen
Sprache versucht haben, vermoclhten als Ausländer nicht, in
sie einzudringen, und gaben Proben ihrer Studien, die besser unterblieben
wären. Endlich — auch im Chemisch-Teclinischen versuchte
sich Frisch, und es gelang ihm, die Fabrication des eben
von Divpen entdeckten Berliner Blaus so erheblich zu verbessern,
dass er bedeutenden Nutzen aus dieser Erfindung ziehen konnte.
Neben Friscen sind unter den Deutschen noch der gelehrte Antiquar
und Bibliothekar an der Spannem’schen Bibliothek J. C. ScuoTT
(F 1718), der sich namentlich mit Münzkunde beschäftigte, und der
Junge SpEneEr (der Sohn Puınep’s), der als Zoologe geschätzt war
und eine bedeutende Sammlung besass (er starb schon 1714), zu
nennen. Eine gewisse Rolle muss auch am Anfang der Ober-Ingenieur
BEER und der erste Leibarzt des Königs, Kruc von Nıppa,
gespielt haben; doch ist Näheres nicht bekannt”. Die übrigen
Mitglieder — Hofprediger, Leibärzte, Architekten — dürfen übergangen
werden, nach Lrisnizens Regel, man solle Mitglieder, die
nichts für die Societät thun, unbeachtet lassen. Indessen sei angemerkt,
dass unter den Mitgliedern auch der Ober-Schloss-Bau-!
Den Briefwechsel von Leisxız und FriıscHn (Haunov. Bihl.) hat L. H. Fıscher
(1896) in der »Brandenburgia« herausgegeben (2. Band) und ein anziehendes Lebensbild
von Frisch dabei entworfen, s. auch Eckstreix in der Allg. Deutschen Biographie
8. Band S. 93 ff. und Grierr, Berlin 1688-1840 ı. Band 1892 S.140 ff. Über das
»Berliner Blau« s. Fischer, a.a.0. S.54f. Frisch kam darum ein, seine Farbe
mit Approbation der Societät der Wissenschaften und der Akademie der Künste verkaufen
lassen zu dürfen, um sie gegen wertllose Nachahmungen zu schützen, s.
seine Briefe an Leipsız vom 25. August (Fischer, S.20) und vom 28. September
1709 (S.21f.) u. fl.
?2 Der in dem ersten Entwurf der Berliner an den Kurfürsten (s. oben S.73)
und in den Vorschlag an Leisxız vom 15. März 1701 als Mitglied in’s Auge gefasste
Leibarzt BEernHnarp Aucınus findet sich im Album der Societät nicht; denn. wie
der Hofprediger am 18. Juni 1701 an Leissız schreibt (Hannov. Bibl.): » Herr ALsınvs
hat wenige Neigung zur Societät verspüren lassen. Man wird ilım kein Diploma
zuschicken, bis zuerst mit ihm geredet worden. und man versichert sei, dass er's
annehmen wolle«. Dieser namhafte Anatom folgte schon 1702 einem Rufe nach
Leiden und wurde der Stainmvater eines berühmten Anatomengeschlechts an den
niederländischen Universitäten.