Full text : Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz vom 22. Juli 1913.

II.  Die  Zeit  des  Schwankens  und  die  Rückkehr  zum  Reich.  191

über  den  Rhein  zurück  und  dann,  als  sich  Straßburg  versprochenermaßen
  erklärt  hatte,  Ende  des  Monats  bei  Kehl
wieder  anf  das  linke  Ufer.  Man  war  also  glücklich  im  Elsaß:
nur  geschah  nichts.  Die  Kaiserlichen  wollten  Straßburg  samt
seinem  Gebiete  möglichst  schonen,  weil  es  sich  in  „Verstattung
des  Passes  und  anderer  Assistenzen“  so  „devot“  erwies.  Nicht
einmal  der  die  Ebene  beherrschenden  Höhen  versicherte  sich
Bournonville,  und  als  Turenne  herbeieilte  und  trotz  seiner
Minderzahl  ihm  bei  Enzheim  die  Schlacht  anbot,  ging  er  sosort
  auf  Straßburg  zurück,  um  nicht  vom  Rheinübergang  abgeschnitten
  zu  werden.

Inzwischen  hatte  der  Kurfürst  seine  Armee  von  Magdeburg
durch  das  Mansfeldsche  und  in  drei  Kolonnen  über  den  DThüringer
Wald  an  den  Main  geführt  und  Mitte  September  Schweinfurt
  erreicht.  Als  Bournonville  ihn  benachrichtigte,  daß  auf
dem  linken  Rheinufer  aufwärts  zu  gehen  beschlossen  sei,  richtete
er  den  Marsch  auf  Heilbronn,  um  oberhalb  Philippoburg  den
Fluß  zu  überschreiten.  Da  wurde  ihm  am  18.  September  in
Gerolzhofen  die  Rückkehr  der  Kaiserlichen  auf  das  rechte  Rhein—
ufer  gemeldet  und  daß  er  zur  Belagerung  von  Philippsburg
bestimmt  sei.  In  dieser  eigenmächtigen  Aenderung  des  vereinbarten
  Planes  sah  er  nicht  bloß  eine  versönliche  Kränkung,
sondern  einen  schweren  Nachteil  für  das  gemeine  Wesen  und
lehnte  jede  Verantwortung  für  die  Folgen  ab.  Der  Armee
voraus  eilte  er  nach  Heilbronn,  um  mit  dem  Pfälzer  Kurfürsten
  und  Bournonville  Rücksprache  zu  nehmen.  Letzterer  aber
erschien  nicht:  er  meinte  die  während  seiner  Krantheit  verwilderte
  Armee  nicht  verlassen  zu  können.  Der  Pfälzer  wollte
natürlich  vor  allem  Philippsburg  bewältigt  sehen;  andere  empfahlen
  einen  Zug  auf  Trier;  der  spanische  Gesandte  in  Wien
hielt  die  Vertreibung  der  Franzosen  aus  der  Franuche  Comte  für
das  nötigste.  Da  nun  aber  die  Kaiserlichen  einmal  glücklich
über  den  Rhein  gekommen  und  Herren  Straßburgs  waren,
einigte  man  sich  schließlich  dahin,  daß  Markgraf  Friedrich  von
Baden  mit  den  schwäbischen  Kreistruppen  Philippêburg  blockieren,
der  Kurfürst  aber  mit  Bournonville  gegen  Turenne  ziehen  sollte.
Gern  ging  dieser  darauf  ein:  denn  auch  etwaige  Absichten  der