II. Die Zeit des Schwankens und die Rückkehr zum Reich. 191
über den Rhein zurück und dann, als sich Straßburg versprochenermaßen
erklärt hatte, Ende des Monats bei Kehl
wieder anf das linke Ufer. Man war also glücklich im Elsaß:
nur geschah nichts. Die Kaiserlichen wollten Straßburg samt
seinem Gebiete möglichst schonen, weil es sich in „Verstattung
des Passes und anderer Assistenzen“ so „devot“ erwies. Nicht
einmal der die Ebene beherrschenden Höhen versicherte sich
Bournonville, und als Turenne herbeieilte und trotz seiner
Minderzahl ihm bei Enzheim die Schlacht anbot, ging er sosort
auf Straßburg zurück, um nicht vom Rheinübergang abgeschnitten
zu werden.
Inzwischen hatte der Kurfürst seine Armee von Magdeburg
durch das Mansfeldsche und in drei Kolonnen über den DThüringer
Wald an den Main geführt und Mitte September Schweinfurt
erreicht. Als Bournonville ihn benachrichtigte, daß auf
dem linken Rheinufer aufwärts zu gehen beschlossen sei, richtete
er den Marsch auf Heilbronn, um oberhalb Philippoburg den
Fluß zu überschreiten. Da wurde ihm am 18. September in
Gerolzhofen die Rückkehr der Kaiserlichen auf das rechte Rhein—
ufer gemeldet und daß er zur Belagerung von Philippsburg
bestimmt sei. In dieser eigenmächtigen Aenderung des vereinbarten
Planes sah er nicht bloß eine versönliche Kränkung,
sondern einen schweren Nachteil für das gemeine Wesen und
lehnte jede Verantwortung für die Folgen ab. Der Armee
voraus eilte er nach Heilbronn, um mit dem Pfälzer Kurfürsten
und Bournonville Rücksprache zu nehmen. Letzterer aber
erschien nicht: er meinte die während seiner Krantheit verwilderte
Armee nicht verlassen zu können. Der Pfälzer wollte
natürlich vor allem Philippsburg bewältigt sehen; andere empfahlen
einen Zug auf Trier; der spanische Gesandte in Wien
hielt die Vertreibung der Franzosen aus der Franuche Comte für
das nötigste. Da nun aber die Kaiserlichen einmal glücklich
über den Rhein gekommen und Herren Straßburgs waren,
einigte man sich schließlich dahin, daß Markgraf Friedrich von
Baden mit den schwäbischen Kreistruppen Philippêburg blockieren,
der Kurfürst aber mit Bournonville gegen Turenne ziehen sollte.
Gern ging dieser darauf ein: denn auch etwaige Absichten der