Die augsburgische Confession. 171
Augsburg müde; der ungeduldige Landgraf Philipp war
schon abgereist und hatte sich in einem hinterlassenen Briefe
an den Churfürsten von Sachsen, mit dem Erkranken seiner
Gemahlin entschuldigt, auch Johann machte bereits Miene,
abzureisen, und der Kaiser hielt ihn nur durch die Versicherung
zurück, daß die Angelegenheiten innerhalb einiger Tage
zu einem entscheidenden Schlusse kommen sollten. Am 22.
September erfolgte endlich der freilich nicht erbaulich klingende
Reichsabschied, in welchem es hieß: daß der Kaiser
ihrem Glaubensbekenntnisse zwar ein williges Ohr geliehen,
sie aber auch genügend damit habe widerlegen lassen (durch
die, vor ihrer eignen Abschrift sich fürchtende Confutation).
Da es aber, ohngeachtet dieser gegenseitigen Erdrterungen,
zu keiner Einigung über alle Artikel gekommen sey, so wolle
der Kaiser den Protestirenden bis zum 15. April des folgenden
Jahres Bedenkzeit lassen, inwiefern sie sich, üb#e die
abweichenden Artikel, mit der katholischen Kirche wieder vereinigen
konnten. Bis dahin sollte jeder Reichsstand Ruhe
halten, der Churfürst von Sachsen aber, wie auch die ihm
gleichdenkenden Fürsten, nichts Neues in Religionssachen
drucken oder verkaufen lassen, besonders aber den katholischen
Unterthanen ihrer Lande in Ausübung ihres Glaubens nicht
hinderlich seyn. Rücksichtlich der kirchlichen Mißbräuche aber
werde man den Pabst und alle christliche Mächte zu bestimmen
suchen, daß spätestens binnen Jahresfrist ein allgemeines
Kirchenconcilium zu Stande käme. Gegen dieses theils
nachtheilige und willkührliche, theils ausweichende Erkenntniß
ließ sich der Kanzler Pontanus, im Namen des Churfürsten
und der protestirenden Stände, nachdrücklich vernehmen,
besonders aber that er dar: daß von einer geschehenen
Widerlegung ihrer dargelegten Grundsätze durchaus nicht
die Rede seyn konne, zumal man ihnen jene seyn sollende
Confatation nicht einmal abschriftlich mitgetheilt und ihnen
also die Gelegenheit benommen habe, dieselbe Punkt für
Punkt zu würdigen. Der Kaiser antwortete hierauf mit der
sehr runden, aber uͤbcl begründeten Erklärung: daß ihre Lehre,
als längst für ketzerisch erklärt und verdammt, auch jedes