Full text : Europäischer Geschichtskalender. Elfter Jahrgang. 1870. (11)

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Preußen  und  der  norddeutsche  Bund.

Berathungen  dauerten,  haben  die  Bischöfe,  wie  es  ihre  Ueberzeugung  forderte
und  ihrer  Amtspflicht  entsprach,  ihre  Ansichten  mit  unumwundener  Offenheit
und  mit  der  nothwendigen  Freiheit  ausgesprochen,  und  es  sind  hierbei,  wie
dies  bei  einer  Versammlung  von  nahezu  800  Vätern  kaum  anders  zu  erwarten
  war,  auch  manche  Meinungsverschiedenheiten  hervorgetreten.
Wegen  dieser  Meinungsverschiedenheiten  kann  aber  die  Giltigkeit
  der  Concilsbeschlüsse  in  keiner  Weise  bestritten  werden,
selbst  abgesehen  von  dem  Umstande,  daß  fast  sämmtliche  Bischöfe,  welche  zur
Zeit  der  öffentlichen  Sitzung  noch  abweichender  Ansicht  waren,  sich  der  Abstimmung
  in  derselben  enthalten  haben.  Deßungeachtet  behaupten,  daß  die
eine  oder  die  andere,  vom  allgemeinen  Concil  entschiedene  Lehre  in  der  heil.
Schrift  und  in  der  kirchlichen  Ueberlieferung,  den  beiden  Quellen  des  katholischen
  Glaubens,  nicht  enthalten  sei  oder  mit  denselben  sogar  im  Widerspruch
stehe,  ist  ein  mit  den  Grundsätzen  der  katholischen  Religion  unvereinbares  Beginnen,
  welches  zur  Trennung  von  der  Gemeinschaft  der  Kirche  führt.  Diesem
nach  erklären  wir  hierdurch,  daß  das  gegenwärtige  vaticanische
Concil  ein  rechtmäßiges,  allgemeines  Concil  ist;  daß  ferner  dies
Concil  eben  so  wenig,  wie  irgend  eine  andere  allgemeine  Kirchenversammlung,
eine  neue,  von  der  alten  abweichende  Lehre  aufgestellt  oder  geschaffen,  sondern
lediglich  die  alte,  in  der  Hinterlage  des  Glaubens  enthaltene  und  treu  gehütete
Wahrheit  entwickelt,  erklärt  und  den  Irrthümern  der  Zeit  gegenüber  ausdrücklich
zu  glauben  vorgestellt  hat;  daß  endlich  dessen  Beschlüsse  ihre  für  alle  Gläubigen
  verbindende  Kraft  durch  die  in  der  öffentlichen  Sitzung  vom  Oberhaupte
  der  Kirche  in  der  feierlichsten  Weise  vollzogene  Publication  erhalten
haben.  Indem  wir  mit  vollem  undrückhaltlosem  Glauben  den
Beschlüssen  des  Concils  beistimmen,  ermahnen  wir,  als  Euere  von
Gott  gesetzten  Hirten  und  Lehrer,  und  bitten  Euch  in  der  Liebe  zu  Eueren
Seelen,  daß  Ihr  allen  widerstrebenden  Behauptungen,  von  welcher  Seite  sie
auch  kommen  mögen,  kein  Gehör  schenket.  Haltet  vielmehr  unerschütterlich  fest
in  Vereinigung  mit  Eueren  Bischöfen  an  der  Lehre  und  dem  Glauben  der
katholischen  Kirche.“  Unterzeichnet  sind  die  Erzbischöfe  von  München  und  Köln,
die  Bischöfe  von  Limburg,  Fulda,  Mainz,  Hildesheim,  Paderborn,  Culm,
Regensburg,  Augsburg,  Eichstädt,  Trier,  Ermland,  Münster,  Speyer,  der
Erzbisthumsverweser  von  Freiburg  und  der  Feldbischof  der  preußischen  Armee.
Von  den  Unterzeichnern  der  Fuldaer  Beschlüsse  hatten  sich  der  Erklärung
der  Concils-Minorität  vom  17.  Juli  angeschlossen:  der  Erzbischof  von  München
(G.  Scherr),  der  Bischof  von  Ermland  (Krementz),  die  am  31.  Aug.  zu  Fulda
waren;  ebenso  der  Bischof  von  Trier  (Eberhard),  der  preuß.  Armeebischof  (Namczanowski),
  welche  die  Ansprache  nachträglich  unterzeichnet  haben;  mit  non  placet
stimmte  am  13.  und  machte  den  historischen  Kniefall  vor  Sr.  Heiligkeit  der
Bischof  von  Mainz  (Frhr.  v.  Ketteler);  der  Kölner  (Melchers)  hatte  juxta
modum  gestimmt.  Die  Fuldaer  Ansprache  haben  nicht  unterzeichnet:  Breslau
(Förster),  Osnabrück  (Beckmann),  Bamberg  (Deinlein),  apost.  Vicar  von
Sachsen  (Forwerk),  Rottenburg  (Hefele),  sämmtlich  Anti-Infallibilisten.

1.  Sept.  (Der  Krieg).  Dritter  Schlachttag  um  Sedan:  die  Fran-1



zosen,  die  um  Sedan  durchzubrechen  versuchen,  werden  vollständig
eingeschlossen  und  in  die  Festung  hineingedrängt.  Der  Kaiser  läßt
die  weiße  Fahne  aufstecken.

Bazaine  erneuert  den  Versuch  vom  vorhergehenden  Tage,  aus  Metz
durchzubrechen,  wird  aber  wiederum  in  die  Festung  zurückgeworfen.

„  (Nordd.  Bund).  Ein  Memorandum  des  nordd.  Botschafters
Graf  Bernstorff  an  Lord  Granville  stellt  die  lauten  Beschwerden