Full text : Rede des Reichskanzlers Fürsten Bismarck über das Bündniß zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn vom 7. Oktober 1879.

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offizieren  besetzen  sollen,  so  werden  sie  unter  Umständen  genöthigt
  sein,  Offiziere  zu  ernennen,  denen  es  nicht  gelingen  wird,
eine  Kompagnie  durch  ein  enges  Thor  herauszuführen  (Heiterkeit),
und  noch  viel  weniger,  die  schweren  Obliegenheiten  zu  erfüllen,
die  ein  Offizier  seinen  Mannschaften  gegenüber  hat,  um  sich
deren  Achtung  und  deren  Liebe  zu  bewahren;  das  Maß  von
Bildung,  welches  dazu  erforderlich  ist,  und  das  Maß  von
Leistung,  welches  überhaupt  bei  uns  an  Kameradschaft  und
Ehrgefühl  aus  dem  Offizier  herausgedrückt  wird,  das  kann
ja  kein  Reglement  und  keine  Anordnung  der  Welt  im  Auslande
  aus  dem  Offizierstande  herausdrücken.  Darin  sind  wir
jedermann  überlegen,  und  deshalb  können  sie  es  uns  nicht
nachmachen.  (Bravol)  Ich  bin  also  darüber  ohne  Sorge.

Außerdem  aber  ist  noch  ein  Vortheil  der  Annahme  dieses
Gesetzes:  gerade  die  Stärke,  die  wir  erstreben,  stimmt  uns
selbst  nothwendig  friedfertig.  Das  klingt  paradox,  es  ist
aber  doch  so.

Mit  der  gewaltigen  Maschine,  zu  der  wir  das  deutsche
Heerwesen  ausbilden,  unternimmt  man  keinen  Angriff.  Wenn
ich  heute  hier  vor  Sie  treten  wollte  und  Ihnen  sagen  —  wenn
die  Verhältnisse  eben  anders  lägen,  als  sie  meiner  Ueberzeugung
  nach  liegen  —:  wir  sind  erheblich  bedroht  von
Frankreich  und  Rußland;:  es  ist  vorauszusehen,  daß
wir  angegriffen  werden;  meiner  Ueberzeugung  nach
glaube  ich  es  als  Diplomat  nach  militärischen  Nachrichten
hierüber,  es  ist  nützlicher  für  uns,  daß  wir  als  Defensive
den  Vorstoß  des  Angriffes  benutzen,  daß  wir  jetzt  gleich
schlagen;  der  Angriffskrieg  ist  für  uns  vortheilhafter
zu  führen,  und  ich  bitte  also  den  Reichstag  um  einen  Kredit
von  einer  Milliarde  oder  einer  halben  Milliarde,  um  den
Krieg  gegen  unsere  beiden  Nachbarn  heute  zu  unternehmen,  —
ja,  meine  Herren,  ich  weiß  nicht,  ob  Sie  das  Vertrauen
zu  mir  haben  würden,  mir  das  zu  bewilligen.  Ich  hoffe  nicht.
(Heiterkeit.)

Aber  wenn  Sie  es  thäten,  würde  es  mir  nicht  genügen.
Wenn  wir  in  Deutschland  einen  Krieg  mit  der  vollen  Wirkung
unserer  Nationalkraft  führen  wollen,  so  muß  es  ein  Krieg
sein,  mit  dem  alle,  die  ihn  mitmachen,  alle,  die  ihm  Opfer
bringen,  kurz  und  gut,  mit  dem  die  ganze  Nation  einverstanden
  ist;  es  muß  ein  Volkskrieg  sein;  es  muß  ein  Krieg
sein,  der  mit  dem  Enthusiasmus  geführt  wird  wie  der  von
1870,  wo  wir  ruchlos  angegriffen  wurden.  Es  ist  mir  noch
erinnerlich  der  ohrengellende,  freudige  Zuruf  am  Kölner  Bahnhofe,
  und  so  war  es  von  Berlin  bis  Köln,  so  war  es  hier
in  Berlin.  Die  Wogen  der  Volkszustimmung  trugen  uns  in
den  Krieg  hinein,  wir  hätten  wollen  mögen  oder  nicht.  So
muß  es  auch  sein,  wenn  eine  Volkskraft  wie  die  unsere  zur  vollen