Schlacht bei Legnano. 413
Die Befürchtungen, die Friedrich, die Hoffnungen, die der Herzog im betreff
der nächsten Ereignisse hegen mußten, gingen vollkommen in Erfüllung-Nach
der Rückkehr des Kaisers in die Lombardei war er gezwungen, ängstlich
in Pavia eingeschlossen dem Treiben seiner Feinde zuzuschauen und der Hilfe
aus Deutschland zu harren. Der Versuch des Erzbischofs Christian von Mainz,
König Wilhelm von Sizilien zur kaiserlichen Partei herüberzuziehen, mißlangs).
Endlich setzte sich eine Anzahl niederrheinischer und niedersächsischer
Fürsten unter dem kriegerischen und schlauen Erzbischof Philipp von Cöln in
Bewegung, aber nur zweitausend Reiter brachten sie an den Comer See, an
den der Kaiser ihnen entgegenrückte""). So konnte dieser nur dreitausend
Deutsche und die wenig zahlreichen Comer'“")gegen das ungeheure Bundesheer
der Lombardensf), das ihm jetzt den Weg nach dem befreundeten Pavia
verlegte, führen. Bei Legnano am oberen Mincio kam es zur entscheidenden
Schlacht, in der zuerst die deutschen Ritter die italienischen in blinde Flucht
trieben##s), dann aber an dem mailändischen und brescianischen Fußvolk
starken Widerstand fanden und zuletzt von dessen ungeheurer libermacht erdrückt
wurden. Auf beiden Seiten war der Verlust sehr groß, am stärksten
natürlich für die Deutschen, deren überwiegender Teil getötet, ertrunken oder
gefangen war. Auch den Kaiser, der mit höchstem Heldenmut gestritten,
glaubte man unter den Leichen, so daß seine Gemahlin in Como schon Trauerkleider
um ihn anlegte. Plötzlich erschien er jedoch in Pavia, wohin er sich den
Weg mit dem Schwerte gebahnt, und flößte seinen sich von neuem sammelnden
Anhängern wieder einige Zuversicht ein t##).
Aber das konnte Friedrich sich nicht verhehlen, seine Pläne auf die unumschränkte
Herrschaft in der Lombardei, schon seit 1164 mannigfach erschüttert,
waren durch die Schlacht bei Legnano für immer gescheitert. All das deutsche
Blut in vier italienischen Zügen war vergebens geflossen. Und da er die Lombarden
nicht zu bezwingen vermochte, konnte er einen Sieg über AlexanderlII.
noch viel weniger erhoffen. Der Papst befand sich jetzt so sicher wie nur möglich,
da er vor sich die Lombarden, im Rücken die Sizilier hatte, während das
ganze Abendland ihn anerkannte, mit Ausnahme von Deutschland; und selbst
hier zählte er viele heimliche Anhänger. So mußte Friedrich wohl sich der
bitteren Notwendigkeit fügen und den beiden Feinden, die er während seiner
ganzen Regierung bekämpft, der städtischen und der klerikalen Partei, den
) Romuald. Salern., p. 441.
ve) 1n A t P. 194. — An. Pegav., p. 261. — Annales Weingartenses Welkfici
M. G. Ss. XVII, E 309. — An. Mediol., p. 377. — Vgl. Keussen De Philippo
Heinsbergensi,
r#½%% ) Ottobon. *W* p. 98. — An. Mediol. 1. c. Card. Arag., p. 467.
4) Chron. Regia Colon., p. 129, Recensiv II. — Otto Sanbles., p. 316, gibt die Zahl
der Lombarden — wahrscheinlich übertrieben — auf 100 000’ Mann an.
)An. Magdeb. I. C. — An. Pegav., p. 261. — Ar. Mediol., p. 377. — U. a. m.
1 Daß auch die Lombarden starken Verlust erlittten, bheusen Chron. Regia Colon.,
.129 und die S. 414½ )zitierten Quellen. — Theod. Mon. P . 94. Mediol.
Fe. — Notae S. Mariae Mediol., p. 385. — Card. Arag., p. 467. Tori# Sanblas. L.
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