IV. Die Teilung Polens. 163
der gegen ihn Konföderierten daselbst ein Ende zu machen.
Kaum erhielt Friedrich Kunde davon, als er seinerseits das
Gebiet von Elbing besetzen ließ. Und als in Geltendmachung
vergessener Rechte Oesterreich im Sommer 1770 sein Gebiet
auf Kosten Polens noch weiter ausdehnte, indem es die Staro—
steien Novistarz und Czorsztyn und einen Teil von Sandeez
als ehemals ungarisch besetzte, rückten die preußischen Truppen
alsbald bis Marienwerder vor. Das wiederholte sich, als Ende
des Jahres die Oesterreicher den Rest der Starostei Sandecz
occupierten, trotz Kaunitz' Widerspruch, der sah, daß man durch
dieses Vorgehen der Absicht Friedrichs, sich auf Kosten Polens
zu vergrößern, nur Vorschub leiste, da er sich nun auf dieses
Beispiel berufen und es in Petersburg zur Nachahmung empfehlen
könne, zumal allein auf diesem Wege der allgemeine Krieg
abgewandt werden könne. Den Gedanken an eine Teilung Polens,
der, schon anderwärts erwogen, doch zuerst von Friedrich unter der
Hülle des Lynarschen Projekts formuliert worden, hatte Oesterreich
also gerade in dem Punkte bereits realisiert, an dem Panin
Anstoß genommen hatte (S. 160). Daß es aus den besetzten
Gebieten, die es ausdrücklich wieder mit Ungarn vereinigte,
gutwillig weichen würde, war völlig ausgeschlossen. Der Versuch,
es dazu zu zwingen, bedeutete den europäischen Krieg.
War es da, um diesen zu vermeiden und das bedrohte Gleichgewicht
zu erhalten, nicht das Einfachste, wenn auch Preußen
und Rußland entsprechende Stücke von Polen an sich brachten?
Diesem Gedanken gab Katharina II. Ausdruck, als sie auf die
Meldung von dem letzten Vorgehen der Oesterreicher Prinz
Heinrich wie scherzend fragte, warum denn da nicht jeder zugreifen
solle! Das war, wie sich bald zeigte, ganz ernst gemeint.
Rußland nahm das früher abgewiesene „Lynarsche“
Projekt seinerseits auf. Die von Friedrich vorgeschlagene Teilung
Polens ergab sich als der einfachste, ja als der einzige
Weg zur Lösung der europäischen Krisis.
Doch blieben auch jetzt noch Schwierigkeiten genug zu
überwinden. Zwar erwies sich die anfängliche Sorge Friedrichs
bald als grundlos, Oesterreich könne die Oecupation rückgängig
machen und so die glücklich in Fluß gekommene Sache wieder