Volltext : Zur Vorgeschichte des Weltkrieges.

von  Monako,  der  wegen  seiner  Liebhabereien  für  Tiefseeforschungen
  und  Wassersport  beim  Kaiser  in  Gunst  stand  und  zugleich  man—
cherlei  Beziehungen  mit  den  Größen  in  Paris  unterhielt.  Bei
einer  Einladung  des  Präsidenten  nach  Monako  sprach  der  Fürst
von  der  bevorstehenden  Kaiserfahrt  nach  dem  Süden,  deren  Ende
ungefähr  mit  dem  Aufenthalte  des  Präsidenten  in  Italien  zusammenfallen
  werde,  worauf  der  Präsident  den  Wunsch  aussprach,
den  Kaiser  persönlich  kennenzulernen,  zugleich  aber  auch  Zweifel
äußerte,  ob  die  Nationalisten  und  Klerikalen  in  Frankreich  einen
solchen  Schritt  ruhig  hinnehmen  würden.  Kurz  darauf  brach  der
japanische  Krieg  aus.  Der  französische  Verbündete  Rußlands
wünschte  neutral  zu  bleiben,  konnte  aber  nicht  wünschen,  den  Zweibund
  durch  eine  Extratour  mit  Deutschland  noch  mehr  zu  kompromittieren.
  Gleichwohl  erkundigte  sich  der  Präsident  im  Laufe  des
Februar  wiederholt  in  gelegentlichen  Gesprächen  mit  dem  Botschafter
  Fürsten  Radolin  nach  dem  Reiseprogramm  des  Kaisers.
Außer  der  Ankunft  in  Neapel  (24.  März)  mit  der  Begrüßung
durch  den  König  Viktor  Emanuel  war  über  den  Aufenthalt  im
Mittelmeer,  der  Landbesuche  an  den  Gestaden  Kalabriens,  Siziliens
  und  Apuliens  einschließen  sollte,  kein  bestimmter  Reiseplan
festgesetzt.  Es  bestand  aber  die  Wahrscheinlichkeit,  daß  der  Kaiser
zur  Zeit  der  Reise  des  Präsidenten  nach  Rom  und  Neapel  noch
in  den  italienischen  Gewässern  sein  würde.  Schon  Anfang  April
tauchte  in  italienischen  und  französischen  Blättern  die  Nachricht
auf,  es  stehe  eine  Begegnung  des  Kaisers  und  des  Präsidenten,
an  der  vielleicht  anch  der  König  von  Italien  teilnehmen  würde,
bevor.  In  der  Tat  hatte  der  Minister  des  Auswärtigen,  Tittoni,
die  Möglichkeit  einer  solchen  Zusammenkunft  zu  dreien  freudig
begrüßt,  eine  förmliche  Anregung  Italiens  mußte  aber  von  Sondierungen
  bei  der  Pariser  Regierung  abhängen.  Zu  einem  italienisch-französischen
  Vorschlag,  der  für  die  deutsche  Regierung  die
Voraussetzung  für  ein  weiteres  Eingehen  auf  das  Projekt  bildete,
kam  es  offenbar  deshalb  nicht,  weil  der  Minister  Delcassé  und
der  Botschafter  Barrère  aus  Furcht  vor  heftigem  Widerspruch  der
nationalistischen  und  klerikalen  Kreise  in  Frankeich  dagegen  waren.
Der  Besuch  Loubets  in  Rom  versprach  aufs  glänzendste  zu  verlaufen.
  Was  aber  die  italienischen  Radikalen  zu  besonderem

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