Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 2. (2)

Die vereinigten Ausschüsse beschliehen Druck des Berichts. 383 
daß für mukünftige Schritte des Bundes in dem Salle eines ungünstigen Ergebnisses der 
nächsten Verbandlungen eine bessere Grundlage gewonnen werde, wenn der gegenwärtige 
Bericht zu einem amtlichen Aktenstücke würde, und daß es den gemäßigteren Staatsmännern 
in Kopenhagen selbst erwünscht sein müsse, ihren Gegnern urkundlich nachweisen zu können, 
welche Entwicklung die Angelegenbeit genommen haben würde, wenn sie nicht eingelenkt 
bätten. Endlich machte ich geltend, daß die Bundesregierungen ein Recht bätten, den 
Inbalt der Ausschußverhandlungen und namentlich die vertraulichen Mitteilungen des 
dänischen Gesandten an die Ausschüsse kennen zu lernen. 
Die Gesandten von Sachsen, Hannover, Baden und Württemberg traten meiner Aus- 
führung ohne Diskussion bei, und die von Bayern und Kurhessen') ließen ihren anfänglichen 
Widerspruch demnächst fallen. 
Die Ausschüsse waren sonach darüber einig, daß mit dem Druck und der Verteilung 
des Berichtes unter allen Umständen, und mit der unveränderten Erstattung desselben in 
nächster Sitzung jedenfalls dann vorgegangen werden sollte, wenn Herr von Bülow nicht 
noch vor derselben amtliche Mitteilungen über die dänischen Verordnungen vom 6. c. 
machen würde. Sollte der letztere Fall aber eintreten, so werden die Ausschüsse über 
ihr formelles Verhalten in einer Zusammenkunft unmittelbar vor der nächsten Donners- 
taglsitzung sich noch besprechen. 
Herr von Bülow wird, wie er mir vertraulich sagte, eine offizielle Mitteilung nur 
dann machen, wenn er den ausdrücklichen Befehl dazu erbält. Danach scheint es seine per- 
sönliche Ansicht zu sein, daß die amtliche Kundmachung des vorliegenden Ausschußberichts 
in Kopenbagen von Autzen sein werde. 
40. Schreiben vom 2. Movember 1858 an Minitter v. Schlei- 
nitz anläßlich der Ernennung desfselben um Minister der auswärtigen Ange- 
legenheiten. — Bgl. Bismarcks Briefwechsel mit Schleinitz Nr. 2. 
440. Drivatschreiben an Minister v. Schleinitz. 
9. November 1858.) 
E. E. wollen mir gen. gestatten, dem anliegenden Schreiben') einige Seilen als 
Privatbrief beizufügen, und damit die Erlaubnis zu fortgesetzten Mitteilungen in dieser 
Form für golche Gegenstände zu erbitten, welche mir von nteresse zu sein scheinen, ohne 
sich zu einer aktenmäßigen Behandlung zu eignen. 
Gunächst erlaube ich mir nur den Eindruck zu beschreiben, welchen unsere Ministerial- 
Veränderung) prima facie auf meine Kollegen gemacht hat. Derselbe gewährt immerbin 
Materialien zur Beurteilung des Standpunktes dieser Herren und teilweis ihrer Re— 
gierungen. Durchgebend ist die für das preußische NMationalgefühl befriedigende Wahr-- 
nebmung, wie der politische Boden Deutschlands jede Bewegung empfindet, die Preuhßen 
macht, um sich zu einer positiven und felbständigen Aktion zu erbeben. In einem Memoire, 
. 1) Seit 15. Juli 1858 Conrad Abee. 
6 Die im weiteren Verlaufe der Dublikatlon mitgeteilten Prioatbriefe an Schleinitz sind win in neu- 
neitiichor echlschre wiedergegeben. BVgl. die dies erläuternde Bemerkung der Vorrede in nd 1. 
2) Bgl. Ar. 437, Anm. 1.