Volltext : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dritter Jahrgang. 1887. (28)

122  Dãunemark.  (August  Anf.  —Septbr.  3.)

zu  Dänemark,  sodaß  zwischen  beiden  Ländern  nur  eine  Personalunion  bestehen
  bliebe;  ferner  Abschaffung  des  Einspruchsrechts  des  Königs  gegen  die
Althingsbeschlüsse  und  des  besondern  Ministers  für  Island.

Die  politische  Spannung  mit  der  Regierung  hat  die  Auswanderung
in  diesem  Jahre  ungemein  gesteigert.  Die  Zahl  der  Ausgewanderten  in  der
7n  Hälfte  des  Jahres  beträgt  gegen  1500  bei  im  ganzen  70,000  Einwohnern.


Der  „efri  deild“,  das  Oberhaus  des  Althings,  verwirft  in
erster  Lefung  am  5.  August  die  Verfassungsrevision,  da  2  der  gewählten
  mit  den  vom  Könige  ernannten  Abgeordneten  stimmen.

Am  26.  August  wird  das  Althing  bis  1889  geschlossen.

Anf.  August.  (Aeußere  Politik.)  Auf  einer  großen  Versammlung
  der  Linken  zu  Kjöge  in  Östseeland,  welche  von  gegen
25,000  Männern  besucht  wird,  protestiert  Graf  Holstein-Ledreborg
gegen  die  mit  der  Befestigung  Kopenhagens  verbundenen  Ziele  der
dänischen  Politik,  die  Dänemark  ins  Unglück  zu  ziehen  drohten  und
der  Abg.  Lauritzen  legt  namens  der  dänischen  Demokratie  feierlich
Verwahrung  ein  gegen  die  Militär-Allianz  mit  Rußland  und  jede
feindliche  Haltung  gegen  Deutschland.

11.  August.  (Friedliche  Haltung.)  Die  „Berlingske  Tidende"“
  sagt  den  Aeußerungen  auswärtiger  Blätter  gegenüber:

Die  Befestigungen  Kopenhagens  beschränken  sich  auf  solche,  die  seit
15  Jahren  allen  ausländischen  Regierungen  bekannt  seien,  und  involvieren
folglich  nichts  aggressives.  Augenblicklich  werden  nur  wenige  Millionen
kostende  Feldbefestigungen  angelegt.  Eine  Rede  des  Kriegsministers  Bahnson
in  Sazkjobing  sei  von  der  Oppositionspresse  unrichtig  wiedergegeben  und
kommentiert  worden.  Die  Aeußerungen  des  Kriegsministers  stimmen  volltändig
  mit  den  Erklärungen  überein,  die  der  Marineminister  im  Folkething
im  Laufe  des  März  gethan,  nämlich  daß  die  Bestrebungen  Dänemarks  bei

eventuellen  Konflikten  nur  darauf  gerichtet  seien,  allen  Mächten  gegenüber
eine  gleich  freundliche  und  unparteiische  Neutralität  zu  behaupten.

26.  August.  Ankunft  des  russischen  aiserpaares  in
Kopenhagen.  Dasselbe  bezieht  das  Schloß  Fredensborg.

Der  Aufenthalt  des  Zaren  wird  bis  zum  16.  November  verzögert,
da  die  jüngsten  Kinder  desselben  an  den  Masern  erkranken.  Auch  die  Kinder
des  dänischen  Kronprinzenpaares,  der  Großfürst-Thronfolger,  mehrere  Töchter
des  Prinzen  von  Wales  und  der  Prinz  Georg  von  Griechenland  erkranken
daran  und  zuletzt  noch  der  Bruder  des  dänischen  Königs  Prinz  Johann
und  die  Prinzessin  Waldemar  von  Dänemark.

Außer  dem  Prinzen  von  Wales  hält  sich  auch  der  König  von  Griechenland
  längere  Zeit  in  Kopenhagen  auf.

3.  September.  Neben  weiteren  Kundgebungen  gegen  die  chauvinistischen
  Gelüste  des  Kriegsministers  und  eines  Teils  der  Rechten,
welche  von  verschiedenen  Versammlungen  der  Linken  gegeben  werden,
faßt  eine  Versammlung  des  dänischen  Friedensvereins  in  Stokkemarke

  auf  Laland  einstimmig  eine  Resolution,  in  der  es  u.  a.  heißt: