einem ganzen feindlichen Heere, welches ihn aus funfzig Stücken beschoß, fünf
Stunden lang streitig gemacht, und auch Zieten seine glorreiche Laufbahn schon
begonnen. Da dem Könige außerordentlich viel daran lag, eine wichtige Botschaft
an den Markgrafen Karl nach Jägerndorf auszurichten, hatte der kecke
Husarenführer es gewagt, im Vertrauen auf die Unbekanntschaft der Feinde mit
den neuen Uniformen seiner Leute mitten durch das Lager des Herzogs Karl
am hellen Mittage hindurchzureiten. Erst zu spät entdeckten die Oestreicher eine
so grobe Täuschung, und Zieten erreichte wohlbehalten den Ort seiner Bestimmung.
Der Sieg bei Striegau oder Hohenfriedberg hatte Friedrich von
der Besorgniß des Augenblickes befreit, doch immer noch nicht ganz für die
Zukunft gesichert. Seine westlichen Bundesgenossen betrieben den Krieg nicht
nach seinem Wunsche, da sie nicht in Oberdeutschland vordrangen, sondern sich
auf die Niederlande beschränkten. Dieses ließ auch Friedrich am Hofe zu
Versailles merken; seine Meldung der Schlacht an Ludwig XV. mit den Worten:
„Ich habe den Wechsel bezahlt, den Sie auf mich bei Fontenai gezogen haben,“
war durchaus treffend, und eben so begründet die Behauptung, daß er durch
seine Kriegesbewegungen den Bundesgenossen weit mehr Erleichterung geschafft,
als von ihnen erhalten hätte.
Friedrich II. suchte sich deshalb den Weg zum Frieden offen zu erhalten,
und dies konnte er nur durch große Mäßigung. Einerseits hoffte er durch seinen
glücklichen Erfolg Sachsen von Maria Theresia trennen zu können, und dann
bot sich ihm auch eine friedliche Aussicht von England her, wo jetzt nicht mehr
der ihm so feindlich gesinnte Lord Carteret an der Spitze der Verwaltung stand.
Allein weder Sachsen ließ sich von dem Bündniß losreißen, noch fand Englands
jetzt versöhnliche Stimmung bei Maria Theresia Gehör, an deren hartnäckigem
Widerstande alle gütlichen Versuche scheiterten. So sah sich Friedrich zur Fortsetzung
seiner Anstrengungen genöthigt; auch betrieb er diese ganz ernstlich. Der
preußische Gesandte verließ ohne Abschied Dresden, während auf Befehl des
Königs der Fürst von Dessau im August ein Lager bei Halle bezog.
Maria Theresia zeigte in den Kriegsunternehmungen nicht minderen Eifer.
Sie hatte ihrem Gemahl die Kaiserkrone erkämpft (den 25. September 1745),
und wollte diese Erhebung nicht durch feige Nachgiebigkeit beflecken. Alle Vorstellungen
Georg II., welcher gern Friedrich ganz von Frankreich losgerissen hätte.
auf Grundlage des Breslauer Vertrages Frieden zu schließen, waren vergeblich.
„Sie könne, lautete ihre Erwiederung, in diesem Falle höchstens 4 Regimenter
aus Friedrichs Nachbarschaft wegziehen, alle übrige Mannschaft sei im Frieden
wie im Kriege zur unmittelbaren Vertheidigung ihrer Person nöthig. Schlesien
müsse sie durchaus wiederhaben, sonst sei das Kaiserthum ihres Gemahls eine
leere Würde. Selbst wenn die Sachsen nicht Theil nähmen, würde sich der Herzog
Karl von Lothringen noch einmal mit dem Könige von Preußen schlagen können.
Sie wollte lieber suchen Frankreich zu gewinnen, lieber Italien als Schlefien
aufopfern. Müßte sie auch morgen mit Friedrich abschließen, so würde sie ihm