Fürst Bismarck und das Haus Hohenzollern. 147
Königs auch in vielem Persönlichen an Bismarck in seinen späteren
Kanzlerjahren? In der Macht der Persönlichkeit, die ein Volk überragt
und leitet, aber auch auf denen, die ihr näher stehen, mit immer
schwererem Drucke lastet, ja die schwachen Naturen um sich her zerdrückt,
während sie geneigt ist, die selbständigeren ungeduldig beifeite zu schieben?!
In der stähleren Härte des Wesens, die mit der langen Dauer der eigenen
Vorherrschaft zur schneidenden Menschenverachtung wird? In der ganzen
Zusammensetzung ihres Genius, der Mischung aus scharfen Gegensätzen,
aus Leidenschaft und kaltem Realismus, aus Willensstärke und sorgenvoller
Vorsicht, aus Zornesmut und sarkastischem Witze? Vielleicht wird
ein jüngeres Geschlecht, das die Erscheinung des Kanzlers aus etwas
weiterer Ferne und mit jenem Gefühle teilweisen Gegensatzes, wie es die
nachfolgende Generation zu erfüllen pflegt, betrachten wird, diese und
andere Ahnlichkeiten der zwei großen konservativen Staatsmänner stärker
empfinden als wir. Das freilich scheint gewiß, daß auf dem zuletzt
berührten Gebiete, dem des Persönlichen, die innere Verschiedenheit der
beiden doch stärker ist als alle Verwandtschaft, und daß hier der Abstand
um so deutlicher hervortritt, je näher man auf den eigentlichen Kern
der Naturen eindringt. Das, was für Bismarck das persönlich Wertvollste
war und was ihn am sichersten bezeichnet, fehlt seinem königlichen
Vorläufer: das Verhältnis des Gemütes zur Erde und zum Hause, zur
Nation und zur Gottheit. Da trennt den Menschen des 19. Jahrhunderts
von dem des 18. eine breite Klust des Empfindungslebens und
des Bewußtseins; ich weiß nicht, ob ich aus einigen Außerungen Bismarcks
über den großen König mit Recht etwas wie eine leise Abneigung
herausgehört habe, begreiflich wäre sie wohl. Und von der Abweichung
der Zeit, der Weltanschauung, des „Glaubens“ im weitesten Sinne,
abgesehen: die Natur Bismarcks, trotz ihrer innerlichen Gegensätze, ist
doch unvergleichlich einfacher, klarer, mächtiger als die Friedrichs. Er
ist ja auch nie, wie jener in seiner Jugend, aus allen natürlichen Empfindungen
schmerzlich herausgerissen worden; gerade daß er überall mit
starken Wurzeln im Boden des Natürlichen und Allgemeinen haftet, daß
seine Genialität, wie sie das Höchste kühn und frei umspannt, so sicher
im Schlichten und Menschlichen ruht, das giebt ihr die volle menschliche
Größe und den unvergänglich deutschen Zug, den sie in dieser elementaren
Großartigkeit unter all unseren Größten, man hat es oft gesagt, einzig
und allein mit Martin Luther teilt. In der Vergleichung des ganz
Perfönlichen überwiegt so die Besonderheit — gewiß nicht nur zwischen
Bismarck und Friedrich. Hier wird die Betrachtung aus nächster Nähe,
die innigste Vertrautheit dem Auge des Vergleichenden wohl immer das
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