Die Reichskriegsflagge
Ihr Beispiel des Kriegsamtes ist sogar noch treffender. Das Kriegsamt
wurd im November 1916 im Zuge des „Vaterländischen
Hilfsdienstgesetzes“ unter General Groener geschaffen und war explizit
eine reichsweite Behörde.
— Aufgabe: Die totale Mobilisierung der gesamten deutschen Kriegswirtschaft
— also aller Betriebe und Arbeiter in ganz Deutschland,
nicht nur in Preußen.
— Unterstellung: Es war zwar organisatorisch dem preußischen
Kriegsministerium angegliedert, aber seine Befugnisse erstreckten
sich reichsweit. Es war damit eine direkte Exekutivbehörde der
Reichskriegsführung.
Für eine solche, im Krieg geschaffene, zentralistische und reichsweite Institution
wäre die Reichskriegsflagge das einzig logische Hoheitssymbol
gewesen. Sie signalisierte: „Hier spricht und handelt nicht Preußen, sondern
das Deutsche Reich im Kriege.“
Die entscheidende Nuance: Kontext Krieg
Ihre Überlegung unterstreicht einen wichtigen Punkt: Die Verwendung
der Reichskriegsflagge an Land war stark kontextabhängig,.
— Im Frieden dominierte der Föderalismus. Vor einem stellvertretenden
Generalkommando in München wehte zu Recht die bayerische Flagge.
— Im Krieg, besonders im Verlauf des Ersten Weltkriegs, verschob sich
die Macht hin zu zentralen Reichsbehörden. Behörden wie das
Kriegsamt, der Große Generalstab und das Große Hauptquartier verkörperten
diese Zentralgewalt. Für sie war die Reichskriegsflagge das
angemessene Symbol.
Fazit
Sie haben vollkommen recht. Während die Reichskriegsflagge für die föderalen
Kommandobehörden der Einzelstaaten ein „No-Go“ war, wurde
sie genau für die zentralen Schaltstellen der Reichskriegsführung ver-19