Full text : Geschichte der Deutschen Frauenwelt. Zweiter Band. (2)

278  Buch  III.  Kap.  7.

nichts,  nichts  von  meinen  Gedanken?  Rauscht  unser
Engel  nicht  um  Sie,  der  Ihnen  sagt,  ich  sei  bei  Ihnen?
O,  Sympathie,  Sympathie  184)!“

Ja,  es  war  eine  Zeit,  wo  vielen,  sehr  vielen  die
ganze  Welt  wie  eine  thränenthauschimmernde  Mondscheinlandschaft
  vorkam;  eine  Zeit,  wo  der  empfindselige
Schwarbelkopf  Leuchsenring  in  Deutschland  umherfuhr,
um  überall  seine  Mappen  voll  exaltirter  Freundschaftelei-Episteln
  auszukramen;  eine  Zeit,  wo  die  Fühlsamkeit
sogar  der  Hofleute  so  sehr  sich  bemächtigte,  daß  ein  Fräulein
  von  Ziegler,  Hofdame  der  Landgräfin  von  Hessen-Homburg,
  zu  Bergzabern  als  verkörperte  Sentimentalität

194)  Wie  bekannt  hat  diese  „Sympathie“  während  Herders
und  Karoline's  Eheleben  mitunter  sehr  derbe  Stöße  bekommen.
Schiller  schrieb  am  29.  August  1787  aus  Weimar  an  Körner:
„Herder  und  seine  Frau  leben  in  einer  egoistischen  Einsamkeit  und
bilden  zusammen  eine  Art  heiliger  Zweieinigkeit,  von  der  sie  jeden
Erdensohn  ausschließen.  Aber  weil  beide  stolz,  beide  heftig  sind,
so  stößt  diese  Gottheit  zuweilen  unter  sich  selbst  an  einander.  Wenn
sie  also  in  Unfrieden  gerathen  sind,  so  wohnen  beide  abgesondert  in
ihren  Etagen  und  Briefe  laufen  Treppe  auf  Treppe  nieder,  bis  sich
endlich  die  Frau  entschließt,  in  eigener  Person  in  ihres  Ehegemahls
Zimmer  zu  treten,  wo  sie  eine  Stelle  aus  seinen  Schriften  recitirt,
mit  den  Worten:  „„Wer  das  gemacht  hat,  muß  ein  Gott  sein  und
auf  den  kann  niemand  zürnen.  Dann  fällt  ihr  der  besiegte  Herder
  um  den  Hals  und  die  Fehde  hat  ein  Ende““.  ...  Karoline  war
leider  wenig  geeignet,  der  grämlichen  Verbitterung,  welche  Herders
Leben  und  Schreiben  in  seiner  späteren  Zeit  so  unersprießlich  und
unerquicklich  machte,  entgegenzuwirken.  Auch  trifft  sie  der  Vorwurf,
  die  Verhetzung  ihres  Gatten  gegen  Göthe  und  Schiller  eher
gefördert  als  gehindert  zu  haben.