Full text : Blätter für Rechtsanwendung. LXVI. Band. (66)

Bayr.  Oberstes  Landesgericht  in  München.  111

diesem  Sinne  „Alleinerbe“,  die  gemeinschaftlichen  Abkömmlinge  aber  haben
weder  ein  Miteigenthumsrecht,  noch  ein  Mitverwaltungsrecht.  Auch  steht
ihnen  ein  Anfechtungsrecht  (Reklamation)  nicht  zu.  Sie  haben  nur  ein
Recht  auf  Herausgabe  von  zwei  Drittheilen  des  gesammten  gemeinschaftlichen
  Vermögens,  wenn  die  Grundtheilung  von  beiden  Eltern  oder  von
dem  überlebenden  Ehegatten  ihnen  angeboten  oder  nach  dem  Gesetze  verwirkt
  ist  (Kaiserl.  Landgerichtsordnung  für  das  Herzogthum  Franken  Thl.  III
Tit.  39  §  25,  Tit.  90  §  5,  Tit.  96  §  5,  Tit.  97  §  3;  Verordnung  vom
28.  März  1700;  Erk.  des  Obersten  Gerichtshofes  vom  13.  Januar  1862,
Bl.  f.  RA.  Bd  27  S.  171—176;  Urtheil  des  Obersten  Landesgerichts  vom
30.  Dezember  1879,  Samml.  von  Entsch.  Bd.  8  Nr.  65  S.  157—159).
Diese  sämmtlichen  Vorschriften  der  Fränkischen  Landgerichtsordnung,  auf
die  allein  der  Antrag  auf  Einschreibung  der  Sicherungshypothek  und  die
eingelegten  Beschwerden  gestützt  werden  konnten,  sind  jedoch  vom  Inkrafttreten
  des  Bürgerlichen  Gesetzbuchs  an  durch  die  Bestimmungen  der  Art.  62
Abs.  1,  Art.  65,  97  Abs.  1  des  Gesetzes  vom  9.  Juni  1899,  Uebergangsgangsvorschriften
  zum  Bürgerlichen  Gesetzbuche  betreffend,  aufgehoben  und
ersetzt.  An  ihre  Stelle  sind  die  Vorschriften  des  BGB.  über  die  allgemeine
Gütergemeinschaft  getreten,  diese  sind  nach  den  erwähnten  Ueberleitungsvorschriften
  nun  anzuwenden.  Es  tritt  also  nach  dem  Tode  eines  Ehegatten
  nicht  mehr  Konsolidation  der  Vermögensrechte  in  der  Person  des
überlebenden  Ehegatten  ein,  dieser  wird  nicht  mehr  „Alleinerbe“,  sondern
er  setzt  die  Gütergemeinschaft  mit  den  vorhandenen  gemeinschaftlichen  Abkömmlingen
  fort,  wenn  er  nicht  die  Fortsetzung  der  Gemeinschaft  in  der
gesetzlich  vorgeschriebenen  Weise  ausdrücklich  ablehnt  (BGB.  §§  1483,
1484,  1943,  1944,  1945).  Es  ist  festgestellt  und  unbestritten,  daß  die
Ablehnung  der  Fortsetzung  der  Gütergemeinschaft  von  dem  Beschwerdeführer
  nicht  erklärt  worden  ist.  Auch  eine  Aufhebung  oder  Abänderung
des  Güterstandes  des  Beschwerdeführers  durch  Vertrag  hat  unbestrittenermaßen
  in  der  Zeit  zwischen  dem  Inkrafttreten  des  Bürgerlichen  Gesetzbuchs
und  dem  Tode  der  Ehefrau  nicht  stattgefunden.  Es  greift  daher  die  Vorschrift
  des  §  1487  in  Verbindung  mit  dem  §  1445  BG#B.  Platz,  wonach
der  Beschwerdeführer  bei  der  Verpfändung  von  Grundstücken,  die  früher
Bestandtheile  der  Gütergemeinschaft  waren  und  unnmehr  Gesammtgut  geworden
  sind,  der  Zustimmung  seiner  Kinder,  der  gemeinschaftlichen  Abkömmlinge,
  bedurfte.  Schon  hieraus  ergiebt  sich  der  Ungrund  der  weiteren
Beschwerde,  da  hienach  von  einer  Verletzung  des  Art.  62  Abs.  1  des  Gesetzes,
  Uebergangsvorschriften  zum  BGB.  betreffend,  keine  Rede  sein  kann.
Es  liegen  aber  auch  im  Uebrigen  die  gerügten  Gesetzesverletzungen  nicht
vor.  Der  Beschwerdeführer  ist  der  Meinung,  daß  der  Art.  200  Abs.  1
EG.  zum  BGB.  rechtsirthümlicher  Weise  unbeachtet  geblieben  sei.  In