Full text : Die Lügen unserer Sozialdemokratie.

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nächst  mal  ihre  „Arbeiterfreundlichkeit“  von  dieser  hohen  Warte  aus
leuchten  zu  lassen,  indem  sie  ein  „Arbeiterschutzgesetz“  im  Reichstag
einbrachte.  Sie  erfüllte  damit  einen  Beschluß  des  Gothaer  Kongresses
von  1876  und  den  geringsten  Theil  ihrer  verdammten  Pflicht  und
Schuldigkeit  gegen  die  Arbeitermassen,  welchen  sie  seit  1867  im
Reichstag  und  draußen  vorgespiegelt  hatte,  daß  nur  die  rothe  Partei
ein  Herz  für  die  Arbeiter  habe.  Einige  der  starrsten  Kommunisten
freilich  hatten  auf  dem  Kongresse  zu  Gotha  1876  selbst  den  Entwurf
  eines  solchen  Gesetzes  widerrathen,  da  man  dadurch  „dem
heutigen  Staat  Konzessionen  mache.“  Ihnen  wurde  dort  nachdrücklich
entgegnet,  daß  man  ja  nicht  an  solche  Konzessionen  denke,  daß  dieser
Entwurf  vielmehr  nur  eine  schneidige  Waffe  der  Parteiagitation
bilden  solle  in  Gegenden,  in  welchen  auch  andere  Parteien  starken
Anhang  hätten.  Mit  dieser  feierlichen  Verwahrung,  und  Wahrung
seines  kommunistischen  Allerheiligsten,  führte  Herr  Bebel  am  18.  April
1877  den  Arbeiterschutzentwurf  seiner  rothen  Freunde  beim  Reichstag
  ein.')  Der  von  Herrn  Liebknecht  geführte  „Führer“,  welcher
damals  noch  keine  Ahnung  hatte  von  dem  vernichtenden  Urtheil,
welches  Karl  Marx  über  die  ganze  unklare  Brühe  der  Arbeiterschutzforderungen
  des  Gothaer  Programms  ausgesprochen,  verlas  zunächst
  dem  ungeduldigen  Reichstag  mit  kindlicher  Einfalt  und  Begeisterung
  den  zweiten  Theil  des  sozialistischen  AB  C  von  Gotha,
und  schwang  sich  dann  plötzlich  vom  ABC-Schützen  zum  Gründer
und  Offenbarer  des  letzten  Zukunftsgeheimnisses  auf  in  den  großen
Worten:

„Wir  unterscheiden  uns  von  den  andern  Parteien  dadurch,  daß  wir  den
kleinen  Gewerbetreibenden  sagen,  daß  es  eine  Illusion  ist,  für  ihre  Interessen
  in  der  Art  einzutreten,  daß  wir  ihre  selbstständige  Existenz  in  dem
allgemeinen  Entwickelungsgange  des  großen  Kapital  aufrecht  zu  erhalten  im
Stande  wären.  Wir  gehen  sogar  weiter  und  sagen,  daß  vom  allgemeinen
menschlichen  Kulturstandpunkt  aus,  vom  Standpunkte  des  menschlichen  Fortschrittes
  eine  derartige  künftige  Aufrechterhaltung  von  Zuständen,  die  mit
den  ganzen  bestehenden  Verhältnissen  in  Widerspruch  sich  befinden(?!),  eine
Unklugheit  und  ein  Widersinn  wärell).  Mir  sagen  vielmehr:  es  ist  ein
Gebot  der  Notwendigkeit  Einrichtungen  zu  schaffen  und  gesellschaftliche  Institutionen
  zu  begründen,  welche  nicht  blos  unter  Beibehaltung  aller  dieser
Kulturerrungenschaften  und  Fortschritte,  sondern  unter  immer  weiterer  Ausdehnung
  derselben,  die  Vorteile  allen  gesellschaftlichen  Mitgliedern  in  gleicher
und  gerechter  Weise  zugänglich  machen,  das  heißt  daß  die  Arbeitsmittel  im
weitesten  Sinne  des  Worts,  also  auch  Grund  und  Boden,  zum  Gesellschaftseigenthum
  gemacht  werden  müssen.  Zurückgehen  wollen  wir  auf  keinen
Fall,  das  betone  ich  schon  von  vorn  herein,  unser  Ziel  liegt  in  der  Zukunft."
Dann  fuhr  er,  auf  eine  Anzapfung  von  konservativer  Seite  fort:  „Herr

 

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*)  Sten.  Ber.  1877,  S.  567—576.