gebohrt hatten. Sie hielt uns im übrigen einen richtigen Vortrag
über den denkwürdigen Tag vor vierundvierzig Jahren und entsann
sich jeder Kleinigkeit. Der Kaiser war freundlich und herablassend,
Bismarck lustig und scherzhaft zu ihr gewesen. Und als
die Unterhaltung zu Ende war und die beiden Herren ihrer Wege
gingen, hatte der Kaiser ihr vier Zwanzigfrankstücke geschenkt, die
sie noch unter Glas und Rahmen und mit folgender Unterschrift
aufbewahrt: „Donnés par sa Majesté IEmpereur Napoléon II
A Madame Fournaise le 2 Septembre 1870.“ Zur Erinnerung
an umsern Besuch sollten wir den Stempel bewahren, den fie in
unsere Notizbücher drückte: „Maison de la 1 entrevue Donchéry.“
Das Haus selbst ist bekannt unter dem Namen Maison du Tisserand
oder das Weberhaus.
Wir fuhren auf einer andern Straße nach Sedan zurück, um
einen flüchtigen Blick auf die Festungswerke zu werfen, die seit
1870 geschleift sind, und von den Höhen der Umgebung die schöne
Aussicht auf die unglückliche Stadt zu genießen. In Sedan kann
man nicht fröhlich sein. Es liegt einem bleischwer auf der Brust.
Do ist ein Volk, das gelitten hat und leidet, ein edles, fleißiges
und sparsames Volk, das am Gängelband der republikanischen
Demokratie an einen Abgrund von Unglück geführt wurde, ein Volk,
das eines besseren Schicksals würdig wäre als für eigennützige Freunde
zu verbluten, dessen Kinder vergebens die anscheinend stolzen, in
Wirklichkeit aber leeren und hohlen Worte stammeln: „Liberté,
Egealité, Fraternité!“ Was ist das für eine Brüderlichkeit, die nie
an etwas anderes denkt als an Rache! Was ist das für eine Gleichheit,
die politischen Zwecken die Ersparnisse des Volks aufopfert!
Und was ist das für eine Freiheit, die dieses selbe Volk der am
bespotischsten regierten Macht der Erde in die Arme treibt!
23. Bei der vierten Armee.
m Hotel Croix d'Or in Sedan wohnte Exzellenz General
Freiherr von Seckendorff, der Etappeninspektor der vierten
Armee. Der Chef seines Stabs ist Oberst von Kemnitz; er hat
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