Metadata : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

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und  Kinder.  Besonders  hatten  Frankfurt,  Lebus,  Müncheberg  und
Strausberg  damals  Schreckliches  zu  leiden.  Schon  waren  die  Feinde
bis  Bernau,  drei  Meilen  von  Berlin,  gekommen  und  belagerten  das
Städtchen;  aber  die  Mauem  waren  fest  und  die  Bernauer  so  tapfer,
daß  sie  alle  Stürme  der  wilden  Feinde  abschlugen.  Und  wurden
etliche  der  Feinde  zu  dreist  und  wollten  auf  Leitern  die  Mauern
ersteigen,  so  gossen  die  Bernauer  kochenden  Mehlbrei  auf  die  Köpfe
der  Andringenden.  Aber  die  Noth  wuchs  in  der  Stadt.  Da  kam
Friedrich,  des  Kurfürsten  zweiter  Sohn  und  brachte  den  Belagerten
Hülfe.  Die  Hussiten  wurden  geschlagen  und  aus  der  Mark  getrieben.
Die  Waffen  der  wilden  Feinde,  welche  auf  dem  Schlachtfelde,  das
noch  heute  das  rothe  Feld  heißt,  aufgelesen  wurden,  bewahren
die  Seauer  für  Jeden,  der  sie  sehen  will,  zum  Andenken  an  jene
age  auf.

20.  Der  starke  Mann.

In  den  traurigen  Zeiten  der  Wittelbach'schen  und  Lützelburgischen
Herrschaft  hatten  die  benachbarten  Fürsten  bedeutende  Theile  der
Markgrafschaft  Brandenburg  an  sich  gerissen,  und  so  war  auch  die
Uckermark  in  die  Hände  der  pommerschen  Herzöge  gefallen.  Friedrich  J.
strebte  natürlich  darnach,  diese  verloren  gegangenen  Stücke  wieder  zu
erobern.  Er  unternahm  deshalb  einen  Krieg  gegen  Pommern  und
suchte  vor  Allem  Prenzlau,  die  Hauptstadt  der  Uckermark,  in  seine  Gewalt
  zu  bringen.  Die  Stadt  war  von  Sümpfen  umgeben.  Er
setzte  sich  auf  die  Schultern  eines  starken  Mannes,  der  sich  dazu  darbot,
um  sich  hindurch  tragen  zu  lassen.  Als  der  Mann,  von  der  schweren
Last  niedergedrückt,  zu  wanken  begann,  rief  ihm  der  Kurfürst  zu:
„Verwundere  dich  nicht,  daß  du  einsinkst;  auf  deinen  Schultern  liegt
eine  ungeheure  Last,  die  ganze  Mark.“  Prenzlau  und  die  ganze  Uckermark
  wurden  eingenommen,  und  der  Herzog  von  Pommern  mußte
die  Oberlehnsherrschaft  des  Kurfürsten  anerkennen.

Vor  Prenzlau's  hohen  Mauern  steht  eine  Kriegerschaar,
Markgraf  Friedrich  der  Kühne  es  mit  den  Märkern  war;
Sie  wollten  sich  erobern  die  jüngst  verlorne  Stadt  —
Kein  Wächter  sie,  kein  Pommer  zur  Nacht  bemerket  hat.