Die Mairevolntion 1849. 61
Angesichts der sich mehrenden Verluste der Truppen brachte
Graf Waldersee ein Bombardement in Vorschlag; da aber die
Minister vor einer Maßregel zurückbebten, die unermeßliches
Verderben über die Stadt bringen konnte ohne doch bei der
massiven Bauart der Häuser einen sicheren Erfolg zu versprechen,
behielt man das bisherige Verfahren bei. Der Natur
der Sache nach zerfiel der Kampf in eine Menge Einzelgefechte,
bei denen die Truppen durchaus in keiner taktischen Ordnung
bleiben konnten. Auf dem rechten Flügel, wo das Thurmhaus,
die Spiegelfabrik und die Sophienkirche den Aufständischen drei
höchst günstig gelegene Stützpunkte gaben, wurden alle Anstrengungen
der Truppen, dem Umsichgreifen des Brandes Einhalt
zu thun, durch die im Thurmhause postierten Scharfschützen
vereitelt, die, obgleich der obere Theil desselben vom Geschütz
erschüttert dem Einsturz drohte, aus den übrigen Stockwerken
mit großer Kaltblütigkeit ein unausgesetztes Feuer unterhielten,
so daß die Truppen hier keinen namhaften Vortheil zu erringen
vermochten. Dem Schlosse und dem Prinzenpalais suchten die
Insurgenten jetzt durch Brandlegung in der Brüdergasse beizukommen,
doch wurde man dieses Brandes Herr. Leider. erhielt
der Commandant der Artillerie, Generalmajor Homilius,
auf dem Schloßplatze durch ein aus einem Zweipfünder abgefeuertes
Eisenstück eine tödliche Verwundung. Auf dem linken
Flügel begann Major v. Reitzenstein, von einem Haus zum
andern durchbrechend, statt des Straßenkampfes einen Häuserkrieg,
der ein sicheres und mit geringerem Verluste verbundenes
Vorgehen gestattete; gegen 2 Uhr nachmittags fiel durch die
Erstürmung des Hôtel de Saxe und der Stadt Rom ) der
ganze Neumarkt in die Gewalt der Truppen, doch war in den
engen Gassen oft nur die eine Häuserreihe von ihnen, die
andere von den Insurgenten besetzt, so daß sich beide in nächster
Nähe und mit gespanntester Aufmerksamkeit gegenüberstanden;
1) Ein in Stadt Rom wohnender Prinz von Schwarzburg-Rudolstadt
wurde dabei durch eigene Unvorsichtigkeit nebst seinem Kammerdiener von
den eindringenden Soldaten niedergemacht.