232 Erstes Buch. Die Elemente des vreißischen Staates (bio 1598).
Die Anwartschaften durchzusetzen, bedurfte Joachim immer
der Gunst und Gnade des Kaisero. Und wie menig konnte er
trotz aller dienstwilligen Fügsamkeit auf sie rechnen! Schon
1537 hatte er mit Herzog Friedrich von Liegnitz und Brieg
die künftige Vermählung des damals zwölfjährigen Kurprinzen
Johann Georg (geb. 11. September 1525) mit senes Tochter
Sophie vereinbart, während seine Tochter Barbara den Sohn
des Herzoge heiraten sollte, unter Abschluß eines Erbvertrages,
nach dem beim Aussterben der Brandenburger Hohenzollern
deren Besitzungen in Schlesien und der Lausitz an die Liegniter,
im Falle von deren Crlöschen aber Liegnitz und Brieg
an Brandenburg fallen sollten. Von seiten der Krone Böhmen
war damals Widersoruch nicht erhoben; auch hatte sie die Berechtigung
der Liegnitzer Herzöge zu solchen Abmachungen
früher wiederholt anerkannt. So fand 1515 die Doppelhochzeit
statt. Aber schon im Februar 1516 starb die junge Kurprinzessin
nach der Geburt eines Sohnes, Joachim Friedrich. Und
nun focht König Ferdinand den Erbvertrag vlötzlich an auf
Grund der 1510 allein den böhmischen Ständen gegebenen
Zusage, es sollten die zur Erledigung kommenden schlesischen
Fürstientümer wieder mit Böhmen vereinigt werden. Demgemäß
erkannte auch ein Gerichtotag zu Breslau im Mai 1516, trotz
der Proteste des Kurfürsten und des Herzoge. Dennoch gab
Joachim die Sache nicht verloren. Wesentlich um sich Kaiser
und König hierin geneigt zu machen, trat er für die kaiserliche
Nirchenpolitik ein und beschickte sogar das Tridentiner Konzil.
Dann gaben die Wandlungen in den baltischen Landen der
Anwartschaft größere Bedeutung, die Joachim J. auf Schleswig
und Holstein erworben und Karl . bestätigt hatte. Nur hätte
es einer rücksichtolos zugreifenden Hand bedurft, um inmitten
des dänisch-schwedischen Streites, der die Machtverhältnisse im
Norden gründlich umzugestalten drohte, mit den Elbherzogtümern
die ausschlaggebende Stellung an Brandenburg zu bringen.
Schon hatten die fränkischen Hohenzollern mit Herzog Albrecht
in Preußen und mit dessen 1530 zum Erzbiichof von Niga erhobenen
Bruder Wilhelm in Livland festen Fuß gefaßt, wo der
Ordenostaat seinem Ende entgegenging. Aber Joachim II. hatte