thumbs: deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

495 
schall von Boyen in der Vorbereitungszeit zur Er- 
hebung in die offizielle Spr. eingeführt: der nahmen 
kruümper entstand sehr zufällig; in Ostpreuszen ver- 
stand man unter dem nahmen krümper eine beliebige 
anzahl einer compagnie obligate leute, die aber noch 
in keiner liste standen, wahrscheinlich war die be- 
nennung zuerst bei der cavallerie aulgenommen und 
dem beim futterempfange ublichen krump-maasze nach- 
gebildet. da nun die sache durchaus alles aufschen 
vermeiden sollte, so wählte ich ohne groszes nachsinnen 
jenen provinziell üblichen ausdruck, s. dessen Erinne- 
rungen 1, 328 (krump-, krumpfmasz, Untermaß, welches 
durch Einschrumpfen, Eintrocknen des Korns sich heraus- 
stellt Frischbier 2, 436b). 
Krupp, m. häutige Halsbräune, Lehnwort aus franz. 
croup. — Kruppe, f. Kreuz der Reittiere, Lehnwort aus 
franz. eroupe, das aber seinerseits auf german. Ursprung 
weist und mit nord. kroppr und kryppa Höcker, Aus- 
wuchs zusammengestellt wird, und somit zu der Wort- 
reihe von kropf (s. d.) gehört: mein führer setzte sich 
auf die kruppe (des Maulesels) Seume Spaz. 
1, 101; nehmt mich auf der kruppe eures pferdes mit 
Immermann Münchh. 2, 60; wirc jetzt das ross ver- 
kehrt gestellt, und über seine kruppe krästig der 
leichnam in den flusz geschnellt Len au 531. — 
Krüppel, m. gebrechlicher, verwachsener Mensch; sächsisch- 
friesisches Wort, altengl. crypel, eryppel, altfrief. kreppel, 
altniederd. crupel, mnd. kropel, kroppel, krepel, kreppel, 
zu dem Verbum nd. krapen, altengl. creöpan kriechen 
gehörig (gleichsam — Kriechling), im Ablaut zu niederd. 
krop Zwerg (vgl. unter grobzeug); ausgenommen ins 
Mittel= und Oberdeutsche schon im 12. Ih. als kruppel, 
krupel, kropel, und mit Umlaut kruppel, krüpel, md. 
kröpel, Formen die lange nebeneinander hergehen: con- 
tractus Kruppel, krupel, kropel, Cröpel, krypel, krippel, 
vereinzelt auch mit hochdeutscher Lautstufe crofel Dief.; 
varicos#es krupel, kropel, kroppil ebd.; noch Luther 
schwankt zwischen den Formen kröpel (Spr. Sal. 26, 7. 
Matth. 18, 8 u. ö.), krüpel Kue 14, 13. 21) und der 
Weiterbildung krupler (Matth. 15, 30. 31), kröpel hat 
sich in der Spr. der Gewerke erhalten, z. B. im Berg- 
wesen von einem unbergmännischen Bau, bei Bäckern 
von misformigem Gebäck u. ä.; Lessing kennt noch 
kriepel (durch das Adj. krieplicht: die hälfte einer 
krieplichten achte Dram. 4, bezeugt), im Allgemeinen 
aber steht für die Schriftspr. seit 17. Ih. die Form 
krüppel fest. Gesagt von Menschen: krüppel mancus 
Schottel; einem kröpcl das tanzen (andere Lesart: 
wie der krüppel seine beine kan aufrichten) Spr. Sal. 
26, 7; ich bin Tellheim . der kruppel, der bettler 
Lessing Minna 2, 9; ruft sie zum feste kruppel und 
lahmen Goethe Epigrammatisch; zum krüppel werden 
Adelung; zum kruppel geschossen; sprichwörtlich: bei 
kruppeln lernt man hinken Stieler; aufs Innere ge- 
wendet: haasen, krüppel, lahme hunde seid ihr alle 
Schiller Räub. 1, 2; wenn mit dem körper auch der 
geist zum kruppel verdirbt 1, 3; selten von Gewächsen: 
nicht allein macht ihr den baum zum brandigen kruppel 
Immermann Münchh. 1, 23. — Krüppelei, f. fort- 
gesetztes Krüppeln, Zustand gehinderter Beweglichkeit. 
— krüppelhaft, nach Art eines Krüppels: in kruppel- 
Krupp — krüppeln. 
hafter gestalt Goethe Scherz, List u. Rache 1; die 
krüppelhaften seelen Klopstock 12, 97; drei geflochtne 
stühlc in etwas krüppelhattem stand Wieland Klelia 
4, 226. — krüppclicht, jünger krüppelig, krüppelhaft; 
kruplicht, madr#s, kruplicht an den füszen, pedibus 
capkus Steinbach; kruppelig sein, ein kruppeliger 
mensch Adelung ; die seele eines so kruppligen kör- 
pers Goethe Götz 3. — krüppeln, zum Krüppel machen: 
wWann euer strenger mund die sprache . krupelt 
Logau?, 68; wie ein Krüppel sich bewegen: am boden 
fortkrüppeln; krüppelhaft zeigen: wie krüppelt alles 
Kruste — Küche. 496 
hier! Herder z. Litt. 19, 6; refl.: sich hinkruppeln, 
fortkrüppeln, mühsam weiterkommen. Vgl. auch ver- 
kruppeln. 
Kruste, f. harte Rinde, ahd. crusta, mhd. kruste, 
altes Lehnwort aus lat. crusta: crusta krust, krost, 
umgesetzt auch korst, niederd. corste Dief.; am Brote; 
ahd. bildlich: flu geistlichaz bröt untar themo ge- 
kruste Otfrid 3, 7, 78; nhd. kruste, die rinde am 
brode Frisch; oberkruste, unterkruste, obere, untere 
Rinde Adelung; von einem nur noch aus Kruste be- 
stehenden Brotrest: krustlein brod, partieula dura pa- 
nis Frisch; an anderen Dingen: eine kruste gewinnen, 
bittere, dicke, rauhe kruste, baumkrusten (arborum 
cortices) Stieler; des flachen bodens alte kruste 
Goethe Faust II 2; der länder flache kruste 4; suppe, 
milch, die lange steht, bekommt eine kruste; natur- 
wissenschaftlich: erustacea animalia, thiere, die mit 
einer schale oder kruste uberzogen sind Nemnich, 
neuer heißen solche krustentiere; bildlich: trotz der 
harten kruste, die ihr jungfräulich herz beschützt. 
Wieland verkl. Amor 4, 246; eine eiskruste ums herz 
haben, kein warmes Gefühl, u. ä. — krustig, älter 
krusticht, Kruste habend; hartkrustiges brot. 
Kübel, m. größeres rundes Holzgefäß, frühes hochd. 
Lehnwort aus dem mittellat. cubellus Zuber, Wanne, 
kabrum (DuCange), Verkleinerungsform zu dem mittel- 
lat. euba, cubba, der Nebenform zu cupa (vgl. kufe); 
ahd. nur vorhanden im Dim. milich-chnbili Melkkübel, 
was auf Entlehnung zunächst in der Milchwirtschaft 
bindeutet, mhd. allgemeiner als kubel, kübel, kübbel; 
selten als Neutr. das kubel Voß Idyll. 5, 15; cupa 
kubel Dief.; für Wasser, Milch, Butter u. ä., auch für 
Abfälle, menschlichen Auswurf: hielt jum das haupt. 
bisz dz er macht ein kubel voll Garg. 92; bei Ge- 
werken: kalkkubel der Maurer, lobkubel der Gerber, 
förderkübel im Bergbau, pflanzenkübel bei Gärtnern 
u. ö.; pflanzen, die ich sonst nur in kubeln und töpfen 
.. zu sehen gewohnt war Goethe ital. Reise II; in 
Vergleichen, Bildern: der arme mann, dem diese zu- 
muthung auf den hals kam wie ein kübel wassers auf 
den kopf Wieland Abd. 3, 8; war mirs nicht, als 
wenn mir ein kübel eiskalt wasser übern nacken 
spritzte Schiller Räub. 4, 3; was als ihr heiligstes 
die menschheit kennt, er wirfts in seinen kübel als 
serment Lenau 325; bei starkem Regen gieszt es wie 
mit kubeln; vgl. mhd. von bluote daz man vergo in 
kubels wis Kv Würzburg Part. 16178. — Kübler, m. 
Verfertiger von Kübeln, Böttcher. Z 
Kubik= in Zusammensetzungen für Maße von gleicher 
Länge, Breite und Höhe, zunächst nach dem Vorbilde 
des franz. cubique aus griech. kybik s würfelförmig, 
seit Ende des 18. Ih. eingeführt, vgl. kubikmasz, meter, 
-usz, -zoll u. ä.; jeden kubikzoll raum Seume mein 
Sommer 152; rechnerisch auch kubikzahl, -wurzel u. a. 
Küche, k. Kochraum eines Hauses; frühes Lehnwort, 
durch Vermittelung der Klöster (vgl. auch kochen) aus 
lat. coquing. ahd. chüchina mit deutscher Betonung auf 
der ersten Silbe und Wandlung des o zu u, mhd. 
kuchin, kuchen, kuche, küchen, küche, mud. kokene, 
koke, auch altengl. eyeene; im eigentlichen Sinne als 
Ort, oft allitterierend zu kammer, keller: (ich) pauet 
stublin, kammer und kuchin D. Städtechr. 5, 133; 
wenn einc kuch’ der ort ist wo man kocht Grill- 
parzer 7, 4; kuche und keller sind nicht vorhanden 
Freytag Ahnen 4, 264; (Gott verleihe) in die kuche 
masz und reinlichkeit Uhland 62; mit besonderem 
Hinblick auf das dort Zubereitete: die cappaun sint zuo 
nihtiu nutz dan in die kuchein Megenberg 196, 28; 
ein wagen mit allerlei zu der kuchen D. Städtechr. 
2, 61; vil mer het er (Wenzel) sorg umb den keler 
und kuchin dann umb das reich 3, 170; etwas in 
die kuche liefern, schenken, zur Verwendung in den