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schall von Boyen in der Vorbereitungszeit zur Er-
hebung in die offizielle Spr. eingeführt: der nahmen
kruümper entstand sehr zufällig; in Ostpreuszen ver-
stand man unter dem nahmen krümper eine beliebige
anzahl einer compagnie obligate leute, die aber noch
in keiner liste standen, wahrscheinlich war die be-
nennung zuerst bei der cavallerie aulgenommen und
dem beim futterempfange ublichen krump-maasze nach-
gebildet. da nun die sache durchaus alles aufschen
vermeiden sollte, so wählte ich ohne groszes nachsinnen
jenen provinziell üblichen ausdruck, s. dessen Erinne-
rungen 1, 328 (krump-, krumpfmasz, Untermaß, welches
durch Einschrumpfen, Eintrocknen des Korns sich heraus-
stellt Frischbier 2, 436b).
Krupp, m. häutige Halsbräune, Lehnwort aus franz.
croup. — Kruppe, f. Kreuz der Reittiere, Lehnwort aus
franz. eroupe, das aber seinerseits auf german. Ursprung
weist und mit nord. kroppr und kryppa Höcker, Aus-
wuchs zusammengestellt wird, und somit zu der Wort-
reihe von kropf (s. d.) gehört: mein führer setzte sich
auf die kruppe (des Maulesels) Seume Spaz.
1, 101; nehmt mich auf der kruppe eures pferdes mit
Immermann Münchh. 2, 60; wirc jetzt das ross ver-
kehrt gestellt, und über seine kruppe krästig der
leichnam in den flusz geschnellt Len au 531. —
Krüppel, m. gebrechlicher, verwachsener Mensch; sächsisch-
friesisches Wort, altengl. crypel, eryppel, altfrief. kreppel,
altniederd. crupel, mnd. kropel, kroppel, krepel, kreppel,
zu dem Verbum nd. krapen, altengl. creöpan kriechen
gehörig (gleichsam — Kriechling), im Ablaut zu niederd.
krop Zwerg (vgl. unter grobzeug); ausgenommen ins
Mittel= und Oberdeutsche schon im 12. Ih. als kruppel,
krupel, kropel, und mit Umlaut kruppel, krüpel, md.
kröpel, Formen die lange nebeneinander hergehen: con-
tractus Kruppel, krupel, kropel, Cröpel, krypel, krippel,
vereinzelt auch mit hochdeutscher Lautstufe crofel Dief.;
varicos#es krupel, kropel, kroppil ebd.; noch Luther
schwankt zwischen den Formen kröpel (Spr. Sal. 26, 7.
Matth. 18, 8 u. ö.), krüpel Kue 14, 13. 21) und der
Weiterbildung krupler (Matth. 15, 30. 31), kröpel hat
sich in der Spr. der Gewerke erhalten, z. B. im Berg-
wesen von einem unbergmännischen Bau, bei Bäckern
von misformigem Gebäck u. ä.; Lessing kennt noch
kriepel (durch das Adj. krieplicht: die hälfte einer
krieplichten achte Dram. 4, bezeugt), im Allgemeinen
aber steht für die Schriftspr. seit 17. Ih. die Form
krüppel fest. Gesagt von Menschen: krüppel mancus
Schottel; einem kröpcl das tanzen (andere Lesart:
wie der krüppel seine beine kan aufrichten) Spr. Sal.
26, 7; ich bin Tellheim . der kruppel, der bettler
Lessing Minna 2, 9; ruft sie zum feste kruppel und
lahmen Goethe Epigrammatisch; zum krüppel werden
Adelung; zum kruppel geschossen; sprichwörtlich: bei
kruppeln lernt man hinken Stieler; aufs Innere ge-
wendet: haasen, krüppel, lahme hunde seid ihr alle
Schiller Räub. 1, 2; wenn mit dem körper auch der
geist zum kruppel verdirbt 1, 3; selten von Gewächsen:
nicht allein macht ihr den baum zum brandigen kruppel
Immermann Münchh. 1, 23. — Krüppelei, f. fort-
gesetztes Krüppeln, Zustand gehinderter Beweglichkeit.
— krüppelhaft, nach Art eines Krüppels: in kruppel-
Krupp — krüppeln.
hafter gestalt Goethe Scherz, List u. Rache 1; die
krüppelhaften seelen Klopstock 12, 97; drei geflochtne
stühlc in etwas krüppelhattem stand Wieland Klelia
4, 226. — krüppclicht, jünger krüppelig, krüppelhaft;
kruplicht, madr#s, kruplicht an den füszen, pedibus
capkus Steinbach; kruppelig sein, ein kruppeliger
mensch Adelung ; die seele eines so kruppligen kör-
pers Goethe Götz 3. — krüppeln, zum Krüppel machen:
wWann euer strenger mund die sprache . krupelt
Logau?, 68; wie ein Krüppel sich bewegen: am boden
fortkrüppeln; krüppelhaft zeigen: wie krüppelt alles
Kruste — Küche. 496
hier! Herder z. Litt. 19, 6; refl.: sich hinkruppeln,
fortkrüppeln, mühsam weiterkommen. Vgl. auch ver-
kruppeln.
Kruste, f. harte Rinde, ahd. crusta, mhd. kruste,
altes Lehnwort aus lat. crusta: crusta krust, krost,
umgesetzt auch korst, niederd. corste Dief.; am Brote;
ahd. bildlich: flu geistlichaz bröt untar themo ge-
kruste Otfrid 3, 7, 78; nhd. kruste, die rinde am
brode Frisch; oberkruste, unterkruste, obere, untere
Rinde Adelung; von einem nur noch aus Kruste be-
stehenden Brotrest: krustlein brod, partieula dura pa-
nis Frisch; an anderen Dingen: eine kruste gewinnen,
bittere, dicke, rauhe kruste, baumkrusten (arborum
cortices) Stieler; des flachen bodens alte kruste
Goethe Faust II 2; der länder flache kruste 4; suppe,
milch, die lange steht, bekommt eine kruste; natur-
wissenschaftlich: erustacea animalia, thiere, die mit
einer schale oder kruste uberzogen sind Nemnich,
neuer heißen solche krustentiere; bildlich: trotz der
harten kruste, die ihr jungfräulich herz beschützt.
Wieland verkl. Amor 4, 246; eine eiskruste ums herz
haben, kein warmes Gefühl, u. ä. — krustig, älter
krusticht, Kruste habend; hartkrustiges brot.
Kübel, m. größeres rundes Holzgefäß, frühes hochd.
Lehnwort aus dem mittellat. cubellus Zuber, Wanne,
kabrum (DuCange), Verkleinerungsform zu dem mittel-
lat. euba, cubba, der Nebenform zu cupa (vgl. kufe);
ahd. nur vorhanden im Dim. milich-chnbili Melkkübel,
was auf Entlehnung zunächst in der Milchwirtschaft
bindeutet, mhd. allgemeiner als kubel, kübel, kübbel;
selten als Neutr. das kubel Voß Idyll. 5, 15; cupa
kubel Dief.; für Wasser, Milch, Butter u. ä., auch für
Abfälle, menschlichen Auswurf: hielt jum das haupt.
bisz dz er macht ein kubel voll Garg. 92; bei Ge-
werken: kalkkubel der Maurer, lobkubel der Gerber,
förderkübel im Bergbau, pflanzenkübel bei Gärtnern
u. ö.; pflanzen, die ich sonst nur in kubeln und töpfen
.. zu sehen gewohnt war Goethe ital. Reise II; in
Vergleichen, Bildern: der arme mann, dem diese zu-
muthung auf den hals kam wie ein kübel wassers auf
den kopf Wieland Abd. 3, 8; war mirs nicht, als
wenn mir ein kübel eiskalt wasser übern nacken
spritzte Schiller Räub. 4, 3; was als ihr heiligstes
die menschheit kennt, er wirfts in seinen kübel als
serment Lenau 325; bei starkem Regen gieszt es wie
mit kubeln; vgl. mhd. von bluote daz man vergo in
kubels wis Kv Würzburg Part. 16178. — Kübler, m.
Verfertiger von Kübeln, Böttcher. Z
Kubik= in Zusammensetzungen für Maße von gleicher
Länge, Breite und Höhe, zunächst nach dem Vorbilde
des franz. cubique aus griech. kybik s würfelförmig,
seit Ende des 18. Ih. eingeführt, vgl. kubikmasz, meter,
-usz, -zoll u. ä.; jeden kubikzoll raum Seume mein
Sommer 152; rechnerisch auch kubikzahl, -wurzel u. a.
Küche, k. Kochraum eines Hauses; frühes Lehnwort,
durch Vermittelung der Klöster (vgl. auch kochen) aus
lat. coquing. ahd. chüchina mit deutscher Betonung auf
der ersten Silbe und Wandlung des o zu u, mhd.
kuchin, kuchen, kuche, küchen, küche, mud. kokene,
koke, auch altengl. eyeene; im eigentlichen Sinne als
Ort, oft allitterierend zu kammer, keller: (ich) pauet
stublin, kammer und kuchin D. Städtechr. 5, 133;
wenn einc kuch’ der ort ist wo man kocht Grill-
parzer 7, 4; kuche und keller sind nicht vorhanden
Freytag Ahnen 4, 264; (Gott verleihe) in die kuche
masz und reinlichkeit Uhland 62; mit besonderem
Hinblick auf das dort Zubereitete: die cappaun sint zuo
nihtiu nutz dan in die kuchein Megenberg 196, 28;
ein wagen mit allerlei zu der kuchen D. Städtechr.
2, 61; vil mer het er (Wenzel) sorg umb den keler
und kuchin dann umb das reich 3, 170; etwas in
die kuche liefern, schenken, zur Verwendung in den