542 Bruch.
Bei mageren oder schlaffen Personen, oder nach einer übermäßigen Muskelanstrengung,
z. B. beim Heben sehr großer Lasten, wobei die Bauchdecken
übermäßig angestrengt werden, tritt auch bei kräftigen Personen unter heftigem
Schmerz eine kleine Geschwulst in der Schenkelbauchfalte auf. Bei Husten und
jeder Anstrengung der Bauchdecken wird sie größer. Das ist ein Bruch.
Man unterscheidet Leistenbruch, Schenkelbruch, der tiefer sitzt
und eine andere Austritssstell hat, Nabelbruch, bei Kindern sehr häufig,
wenn die Narbe der abgefallenen
Nabelschnur nicht
fest genug war, und Bauchbruch,
entweder in der
Mittellinie oder ausnahmsweise
auch an anderen Stellen
des Bauches. Leider ist die
Anlage zu Brichen nicht
selten angeboren.
Was man sonst noch
mit „Brüchen“ bezeichnet,
sind so seltene Erscheinungen,
daß sie hier füglich unerwähnt
bleiben können.
Auch sei erwähnt, daß
man an einer Bauchgeschwulst
die sehr wichtige
Bruchpforte unterscheidet,
den Bruchhals und Bruchkörper
der ausgetretenen
Massen. Zuweilen treten
— — krampfartige Verengungen
Fig. 317. Rumpfbeugeu, erste Stellung. der Pforte ein, welche den
Hals so fest umschnüren,
daß die abgeklemmten Darmteile ohne Zirkulation bleiben, absterben, wenn
nicht bald Hilfe kommt, und dadurch zum Tode führen. Das ist dann
der bekannte und so sehr gefürchtete „eingeklemmte Bruch“. Auch Entzündungen
stellen sich an der Bruchpforte ein, die mitunter zur Verwachsung
der vorgetretenen Massen führen und viele Beschwerden verursachen
können. Die Selbsthilfe der Natur bei eingeklemmtem Bruch besteht
darin, daß die abgestorbenen Teile abfallen, das gesunde Darmende mit
der Pforte verwächst und der nun eröffnete Darmschlauch seinen Inhalt
durch eine widernatürliche Offnung am Bauche entleert. Wir haben
dann einen „bkünstlichen After", der aber die Lebensrettung des Menschen
bedeutet.