Volltext : Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

269  Bader  —  Bahn.  270

wenn  Bienenzüchter  den  Stock  ins  Wasser  tauchen,  um  des  Turnierplatzes:  als  er  in  die  bahn  gezogen  Uhland
die  Bienen  zu  betäuben;  im  sande,  stunbe  baden,  wie  219.  Ubertragen:  bahn  des  lasters,  der  tugend;  einem
Hühner:  in  der  luft,  ein  Lustbad  nehmen;  die  ermatteten  die  babn  vorzeichnen,  die  er  zu  wandeln  hat;  herr
glieder  zu  baden  in  den  erfrischenden  atrömen  der  weise  mir  deinen  weg,  und  leite  mich  auf  richtiger  ban
luste  Schiller  Br.  v.  Mess.  916;  in  deinem  thau  ge-  Pfl.  27,  11;  der  ist  sebon  auf  der  ban  der  gottlosen
sund  mich  baden  Goethe  Faust  1;  bildlich:  in  schweisz  Sir.  21,  7;  an  der  bezeichneten  bahn  des  eigencn  sogebadet,
  wie  schon  mhd.  diu  ors  in  sweize  muosen  baden  wohl  als  des  mitburgerlichen  lebens  Goethe  37,21;
Parz.  262,  30;  dic  kehle  in  wein  baden,  vgl.  ausbaden;  etwas  kommt  auf  die  bahn,  wird  auf  die  hahn  gebracht,
in  blut  baden:  wird  seine  füsze  baden  in  des  gottlosen  vorgebracht:  etwas  nuws  bring  auf  die  ban  Brant
blut  Pf.  58,  11;  in  thränen:  ein  strom  von  thränen  Narr.  91,7;  die  gewonbeit  ist  ab  der  ban  kommen
bricht  aus  ihrem  aug  und  badet  sein  gesicht  Wie=  Maaler:;  einen  aus  seiner  gewohnten  bahn  bringen,
land  Ob.  9,  33;  der  musz  sein  tag  im  unglück  baden  reiszen;  reine  bahn  machen,  Hindernisse  beseitigen;  nun.
B  Waldis  Es.  3,  98;  wie  waten:  weil  man  dabei  stark  wär  freie,  ebene  bahn  Schiller  Räub.  2,  1;  einer
im  moraste  baden  mmsz  Döbel  Jägerpr.  2,  182.  —  vneuen  ansicht  bahn  brechen;  etwas  auf  die  lange  bahn
Bader,  w.  (mhd.  badære)  der  berufsmäßig  das  Bad  be=  setzen,  ziechen  Haltaus  (sonst  lange  bank);  meine

Bahnbeamter  —  bald.

sorgt,  zugleich  auch  Barbier,  Wundarzt.  Sprichwörtlich
bischof  oder  bader.  etwas  Ordentliches  oder  nichts:  gelten
mir  gleich  bischof  und  bader  Fischart  pod.  Tr.  J-;
aintweder  bader  oder  bischof  werden  Aventin  2,  28.
—  Baderei,  k.  Badeanstalt  (veraltet).

Baff,  den  Knall  der  Flinte  nachahmend:  bat!  liegt
der  marder  Schiller  Fiesko  3,  4.  vgl.  pags.  —  Bälfchen,
  s.  Bessehen.  —  Bassen,  Bäffen,  kurz  bellen  wie  ein
Hund;  Tonwort:  gelich  dem  hunt  der  vil  baft  im  mbd.
Malagis;  batlen,  bäflen,  bellen  Henisch;  übertragen:
o  flöchen  d'’mann,  die  wiber  bellen  Murner  Narr.
31,  88.

Baggern,  Schlamm  aus  Wasserläufen  entsernen;
der  Ausdruck  ist  mit  der  Kunst  aus  Holland  (baggeren
von  bagger  Schlamm)  seit  vor.  Ih.  über  Niederdeutschland
  eingedrungen;  vgl.  ausbaggern.  Davon  erst  auf
deutschem  Boden  gebildet  Bagger,  m.  Maschine  zum
Baggern.

Bah,  Ausruf  der  Abweisung  (vgl.  ba):  bah!  es  thut
nichts  Freytag  Soll  2,  158;  als  pah:  pah!  was  ihr

bahn  ist  aus  Schiller  Fiesko  5,  4.  —  Zusammensetzungen:
  Bahnbeamter,  m.  Beamter  au  einer  Eisenbahn.
  —  Bahnbrecher,  m.  der  Bahn  bricht,  im  eigentlichen
  und  übertragenen  Sinne.  —  Bahndienst,  m.  Dienst
an  der  Eisenbahn.  —  bahnenlos,  ohne  Bahnen:  durch
bahnenlose  wusten  Schiller  5,91.—  Bahnhof,  m.  Platz
und  Gebäude  einer  Eisenbahnstation.  —  Bahnwart,
Bahnwärter,  m.  Wärter  an  einer  Eisenbahn.  —  Bahnzug,
  m.  Eisenbahnzug.

Bahnen,  Bahn,  geebneten  Weg  schaffen,  mhd.  banen,
bei  Luther  und  gnal  im  17.  3.  bei  Schlesiern  und
Obersachsen  auch  bähnen:  der  weg  der  frommen  ist
wol  gebenet  Spr.  Sal.  15,  19;  meine  plat  sollen  gebehnet
  sein  Jes.  19,  11;  sichre  strasze  bähnen  Günther
485;  sonst,  wie  jetzt  durchaus  bahnen:  straszen,  wege
durch  schnec,  wildnis;  eine  sträze  diu  was  wol  gebant.
Wigal.  161,  27;  die  strasz  ist  zu  eim  theil  gebanet.
Garg.  27;  den  gebahntesten  weg  zum  verstand  und  zum
bherzen  Schiller  3,  522;  und  hat  mir  nicht  gebabnet
das  lied  den  weg  zu  dir?  Rückert  Liebesfr.  1,  43.  vgl.

schwatzi  Platen  Liga  1.  —  Bäh,  das  Blöken  der  anbahnen.  In  der  Jägerspr.  bahnen  von  wilden  Tieren,
Schafe  nachahmend  (vogl.  ba);  als  Subst.:  dasz  sie  ihre  sich  lösen,  Notdurst  verrichten  Jacobsson.

sPrache  verloren  und  blosz  das  kindlich  frommc  bäb
behielten  HHeine  13,  69.

Bähen,  1)  in  seuchte  Wärme  bringen,  abd.  bajan,
bäan,  mhd.  bejen,  ben,  mittelengl.  bæwen;  kranke
glieder,  eine  geschwulst,  durch  feuchtwarme  Umsschläge
erweichen;  in  der  Küche  mbd.  sniten  bæn  Parz.  120,  29,
mit  heißem  Fett  durchtränken,  später  nur  wie  rösten:
bäyen,  halb  bachen  Maaler;  gebähet  brod  Frisch;
auch  bolz  (ebd.),  am  Feuer  biegsam  machen;  jetzt  wenig
mehr  gebraucht.  2)  Tonwort,  vom  Geschrei  der  Schafe:
das  schaf  habt.  vgl.  blähen  1.

Bahn,  kf.  getretener,  geebneter  Weg;  erst  im  mhd.  als

Baßhre,  s.  Werkzeug  zum  Tragen,  ahd.  bära,  mhd.
bäre,  altengl.  bær,  zum  Verbum  ahd.  beran  tragen  gehörig;

  im  allgemeinen  Sinne:  legren  sie  (die  Kranken)

auf  betten  und  baren  Ap.  Gesch.  5,  15;  als  Haus=  und
landwirtschaftliches  Gerät  tragbahre,  mistbahre;  am
häufigsten  Gestell  zum  Tragen  eines  Toten  oder  Sarges,
totenbahre:  ouch  tragent  si..  als  si  in  begraben  wellen.
minen  hérren,  uf  der  büre  Iwein  1249;  tragen  jhn  auf
der  bar  daher,  als  ob  er  gestern  gestorben  wer  Garg.
91;  tragen  die  bahre,  darauf  der  bedeckte  sarg  steht
Goethe  Clav.  5;  ungewöhnlich  wie  Sarg:  ieh  kratzte
an  dem  deckel  der  bahre  Schiller  Räub.  4,  5;  sormelbane

  und  ban,  Fem.  u.  Masc.  erscheinend,  mul.  bane,  hast  zeitbestimmend:  von  der  wiege  bis  zur  bahre;  auf
Fem.,  betretener,  gangbarer  Weg,  auch  Schlachtfeld;  die  der  bahre  liegen  (Goethe  W.  Meister  6),  gestorben  sein.
Vorgeschichte  des  Wortes  ist  ganz  dunkel;  Masc.  im  —  bahren,  auf  die  Bahre  legen  (mhd.  bären),  einen
nhd.  verschollen.  Im  eigentlichen  Sinne:  han,  getribner  toten;  jetzt  gewöhnlicher  aufbahren  (s.  d.).  —  Bahrwäg
  Maaler;  bahn  durch  den  schnee,  wald;  sich  bahn  luch,  n.  Tuch  über  eine  Totenbahre.

hauen,  brechen,  machen,  schaffen;  einer  von  unsern]  Bai,  s.  Meeresbucht;  altroman.,  schon  von  Isidor
führern  muszte  voran  und  brach,  indem  er  herzhaft  (baia)  ausgeführtes  Wort,  ital.  baja,  franz.  baie,  über
durchschritt,  die  bahn  Goethe  16,  287;  sie  hieben  mit  Holland  (baeye  sinus  maris,  statio  navium  Kilian)
dem  degen  sich  bahn  zum  schlosse  bin  Uhland  107;  und  Niederdeutschland  (santbaye  durch  Sandgrund  zum
im  befondern  von  dem  Weg  der  Gestirne:  weltsysteme  Ankern  geeignete  Bucht  Seebuch  v.  Kopmann  S.  110)
vollenden  ihre  bahnen  Schiller  Kab.  5,  3;  geebnete  zu  uns  gekommen,  bei  Stein  bach  baye,  Frisch  baie.

Fläche  für  Schlitten,  Schlittschuhsahrer,  schlittenbahn,
eisbahn;  für  Kegel,  kegelbahn;  für  den  Dampfwagen,
eischbahn;  die  Anstalt  selbst  nach  ihrem  Betrieb,  Ort
des  Ausenthalts  (Station):  mit  der  bahn  ankommen,
wegreisen;  die  guter  werden  durch  die  bahn  befürdert.
von  der  bahn  abgeholt;  für  das  Wild,  wildbahn;  glatte
Fläche  an  Werkzeugen,  bahn  des  ambosses,  bammers
u.  u.;  gewebtes  Zeug  nach  seiner  Breite:  für  den  rock
werden  sechs  bahnen  gebraucht;  bane  für  bane,  breiter
und  schmäler  .  neben  einander  nageln  (bemalte  Leinwand)
  Goethe  Du  W.  3;  Fläche  überhaupt  in  Bezug
auf  ihre  Erstreckung:  speit  ein  ban  Garg.  167;  Schranken

Adelung  da#.  ç„

Bake,  k.  Merkzeichen  für  Schiffer  zum  Finden  des
Fahrwassers,  im  Wasser  oder  auf  dem  Lande  errichter,
aus  dem  Niederd.  dake,  das  auch  den  allgemeineren  Sinn
Zeichen  hat;  vgl.  engl.  bencon,  Zeichen,  Leuchtfeuer,
Schiffsbake;  eutsprechend  ahd.  bonhhap  Zeichen.

Bald,  schnell,  sogleich,  in  älterer  Form  balde  (noch
bei  Goethe  in  Wandrers  Nachtlied:  walde),  Adv.  zu
dem  untergegangenen  Adj.  ahd.  pald.  bald,  mhd.  bald,
eigentlich  sehnenstark,  daher  kühn  zum  Angriff,  anstürmend;
  nur  in  zeitlicher  Bed.,  in  älterer  Spr.  wie  sogleich
  (jetzt  noch  in  alsbald,  alsobald  und  sohald,  s.  d.):