Metadata : Kumbuke. Erlebnisse eines Arztes in Deutsch-Ostafrika.

138  Das  schwere  Geschütz

macht;z  nur  ganz  rechts  erklangen  noch  vereinzelte  Schüsse,  wie
nach  starkem  Regen  infolge  des  Windes  noch  einzelne  Tropfen  an
das  Fenster  klatschen.

Die  auffallend  schweren  Derwundungen,  besonders  bei  Knochenschüssen,
  rührten  von  Spitzgeschossen  her,  welche  der  Feind  damals
  benutzte.

Ein  mißglückter  Nachtangriff  forderte  von  uns  allein  drei  gute
Gffiziere,  fruchtlose  Opfer  von  unersetzlichem  Werte.

Ein  überaus  energischer  Oflanzer  und  Rorvettenkapitän  a.  D.
hatte  es  fertig  gebracht,  die  z0,5  cm--Geschütze  des  gesunkenen
Kreuzers  „Rönigsberg“  aus  der  Rufidjimündung  herauszuholen
und  tausend  Rilometer  weit  über  Land  zu  schaffen.  Und  eines
Morgens  beherrschten  sie  von  Söhe  827  aus  den  Gefechtslärm.
Auf  diese  Ueberraschung  für  die  Engländer  hatten  wir  uns  schon
seit  acht  Tagen  gefreut  wie  die  Kinder  und  zählten  nun  entzückt
38  Sekunden  zwischen  Abschuß  und  Einschlag.

Kurz  vor  Kinbruch  der  Dunkelheit  marschierten  wir  noch  am
gleichen  Tage  über  eine  schnellgezimmerte  Hanganibrücke,  wo
viele  Fische  bei  unserer  Annäherung  platschend  wegschwammen,
der  altbekannten  Burenstraße  zu.  Das  Jo,#  cm-Geschütz  schleuderte
seine  letzten  Granaten  in  ein  englisches  Lager.  Dann  —  der  große
blaue  Lichtschein  zog  aller  Augen  hin  —  wurde  es  gesprengt.

Jach  dem  heutigen  „Großkampftag“  war  das  nun  die  dritte
schlaflose  Jacht.  Wir  marschierten,  marschierten,  dösten  und
schliefen  im  Gehen.  Sin  Trägerheer,  vereinzelte  Bops,  Weiber
mit  Rind  und  Begel,  überholten  wir,  Hatrouillen  unserer  berittenen
  Abteilung,  Askari  und  Weiße,  kamen  uns  entgegen;  auf  den
wuchtigen  Burenpferden  erschienen  sie  merkwürdig  klein.  Gerade
als  die  Nacht  wich,  langten  wir  nach  einem  Marsch  von  42  Rilometern
  gleichzeitig  mit  einem  herandampfenden  Zuge  in  Lembeni
an.  Der  erste,  den  ich  hier  zu  Gesicht  bekam,  war  ein  mit  verschmitzten
  Backen  lachender  Offizier,  dessen  gestern  abend  gemeldeter
  Tod  mich  sehr  beschäftigt  hatte.  Sein  Gesicht  war  glatt  und
rosig  wie  das  eines  Backfisches.  Doch  bereits  nach  einem  Jahr
sollte  es  mit  hundert  Falten  geritzt  sein,  der  Beigabe  einer  chronischen
  Amöbendpsenterie,  und  ein  weiteres  Jahr  später  fällte
dann  auch  ihn  das  Schwarzwasserfieber.

Rompagnie  lag  an  KSompagnie,  Mann  an  Mann  in  der  glattgeleckten
  Talmulde.  Man  wusch  sich  endlich  und  schlief.  Die