rische Wanderung zerstörten — Ansiedelungen wieder feststellen konnte.
Die Namen der alten Ortschaften scheinen von den entwurzelten
Einwohnern häufig auf ihre neuen Siedlungen übertragen worden
zu sein. Das erschwert die Feststellung der Lage der alten Orte.
Gleichwohl hatte Dörpfeld eine Reihe von ihnen, mit dem Homer
als „Bädeker“ in der Hand auf Grund der genauen geographischen
Beschreibungen Homers die Gegend erkennend, wiedergefunden. Das
fesselte mich dergestalt, daß ich gemeinsam mit der Kaiserin in
Dörpfelds Begleitung eine Fahrt zu Wasser unternahm, um selbst
die Probe aufs Exempel zu machen. Wir fuhren nach Leukas
(Ithaka) und besuchten dort nacheinander die aus der Odyssee be-
kannten Orte, wobei Dörpfeld den betreffenden beschreibenden Text
aus dem Homer vorlas. Überrascht mußte ich zugeben, daß Gegend
und Beschreibung einander vollkommen entsprachen.
Die von mir unter Dörpfelds Leitung begonnenen Ausgrabungen
auf Korfu haben wichtige Ergebnisse für die Archäologie gezeitigt, da
sie ein sehr hohes Alter frühester dorischer Kunst nachwiesen. Das
Gorgorelief hat bereits zu vielen Kombinationen — wahrscheinlichen
und unwahrscheinlichen, leider auch mit überflüssiger Polemik ver-
bundenen — Veranlassung gegeben. Es scheint sich hier ein Pfeiler
zu der von mir gesuchten Brücke zwischen Asien und Europa heraus-
zukristallisieren. Ich habe regelmäßig Berichte an die Archäologische
Gesellschaft gesandt, auch den bewährten Professor Caro aus Athen
mit herangezogen und war mit der Vorbereitung von Vorträgen für
den Winter 1914/15 beschäftigt, die vor der Gesellschaft gehalten
werden sollten. An sie wollte man weitgehende Diskussionen über
die vielen strittigen Fragen anschließen, die ich einer Lösung sine ira
et studio zuführen zu können hoffte. Ich hatte die Freude, fast regel-
mäßig in Korfu von englischen und amerikanischen Archäologen be-
sucht zu werden, die, frühere Schüler Dörpfelds, sich eifrig an der
Beleuchtung der oft auftauchenden schwierigen Probleme beteiligten.
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