Full text: Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

539 Dampfer — danach. 
beim Maler farben dämpfen, helle Farben durch Mittel- 
tinten schwächen: das weisze wird durchs braune ge- 
dämpft Jacobsson; vom Ton: geldämpft musica. ein 
gedempfte stimm Henisch; den ton ihrer stimmcn zu 
dämpfen Keller Seldw. 2, 277; (spricht) gedämpft 
Benedix Vetter 1, 4; von feurigen Empfindungen: 
hitze, eifersueht, aufregung dümpfen; der abend dämpft 
bereits des mittags last und hitge Günther 1058; der 
fröhliche gehorsam ist nun von sorg und unmuth 
still gelümpft Goethe Inhig. 1, 3. 3) die ältere Spr. 
aber brauchte dampfen in dem schärferen Sinne des 
Erstickens, Unterdrückens: demütikeit di di höchvart 
dempfin kan Jeroschin 3380; ists aber aus gott, s0 
könnet zrs nicht dempfen Ap. Gesch. 5, 39; den geist 
dempfet nicht 1. Thess. 5, 19; der baum dämpft das 
korn Henisch; die brunst der wollust ddmplen ebd.; 
einem seinen mutwillen dimpfen Stieler; namentlich 
von Fcinden, unterdrücken, zwingen: so wolt ich jre 
leinde bald dempfen Pf. 81, 15; also sein die Saxen ge- 
dempft worden Aventin 2, 119; nachdem er die feinde 
gedämpfet Lessing Laok. 16; von Empörung: den auf- 
ruhr dämpfen Steinbach, und noch jetzt: nachdem er 
dergestalt beide parteien gedmpft batte Ranke Päpste 
1, 49. 4) in der älteren Spr. auch dümpfen für das 
jüngere dampfen 1, Dampf ausgehen lassen: dumpfen,, 
ein dampf auszwersen Maaler; sic dempfen, wie ein 
fewr in dornen Pf. 118, 12; für das trans. dampfen 3: 
er dämpft mit dem tabaeke dic ganze stube voll Stein- 
bach. 5) andere Bedeutungen, an das Subst. dampf 
angeschlossen: Dampf, Engbrüstigkeit verursachen, dam- 
pfendes futter bei Pferden; in Schwelgerei leben (wie 
dämmen): mein sun wird villeicht ein bropst oder abt, 
dann wöllen wir mit im dämpfen Herold Ec 194; 
besonders aber in neuerer Spr. als verbreiteter Küchen-- 
ausdruck, Speisen durch Dampf gar machen, ursprüng= 
lich niederländisch: dempen, smooren, eoquere in olia 
oapertu, Jorere foeulo fervente Kilian; gedempfte 
äpfel Henisch; kartoffeln, obst, fleisch dampfen; vgl. 
auch abcdämpfen 1. Bei Färbern zeuge, kattun dimplen., 
dem Dampf aussetzen, zur besseren Entwickelung der 
Farben. — Dampfer, m. neues Wort für Damps- 
schiff; vgl. dümpfer. — Dämpfer, m. dämpfende Person; 
dämpfendes Gerät, bei Musikern zur Dämpfung des 
Tones; bildlich: bestrebungen, wunschen einen dämpfer 
aufsetzen; = Dampfer, Dampsschiff: ein dämpfer kam 
von Biberich Freiligrath 3, 124. — dämpfig, mit 
Dampf behaftct: dämpfig, voll rauch Maaler; in diesem 
Sinne jetzt dampfig; von der Krankheit, auch dämpficht: 
ein dämpficht pferd, ein dimpfiger auf der brust 
Stieler; es werden aber die pferde dümpfg occ. Lex. 
491. — Dämpfung, f. Handlung des Dämpfens, nach 
den verschiedenen Bedeutungen des Verbums: s##½- 
catio dempunge Dief.; dümpfung des feuers, lichtes, 
sehreiender farben, der töne, u. s. w.; zur dömpfung 
des aufstandes Treitschke 1, 136. 
Danach, Zusammenrückung von ahd. där näh und 
dara nah, mhd. da nüch und dar näch, noch heute ist 
die Form darnach nicht ungebräuchlich und neben da- 
nach berechtigt; wegen der Betonung vgl. dabei. da- 
durch; räumlich und zuständlich, Folge nach einem Ziel 
angebend: Pharao sandte darnach 2. Mos. 9, 7; darnach 
fragen (Marc. 4, 38), leben (Jer. 9, 13), ringen (Sir. 
51, 25), rolen (Spr. Sal. 2, 5), tbun (Psf. 103, 18), 
traehten (Luc. 19, 47), verlangen (Pfs. 119, 151) u. a.; 
Gemäßheit bezeichnend: die sache, der mann ist auch 
danach; ihr scht nicht darnach aus Goethe Wahlverw. 
I, 2; er sicht darnach aus als könne er las Benedix 
rel. Stud. 3, 3; = wonach: darnach der man ist, ist 
aueh seine kraft Richt. 8, 21; dannch dic arbeit, danach 
der lolin; darnach wir giengen und theten Sacharja 
1, 6; zeitliche Folge: darnach begrub Abraham Sara 
540 
läuft Schiller Fiesko 2, 9; Reihenfolge: Adam ist am 
ersten gemacht. darnach Ileva 1. Tim. 2, 9. 
Daneben, durch hinweisendes da verstärktes neben 
(betont danchen); oft darneben; räumlich: das haus, 
daneben der baum;: die teiche und lachen daneben Hes. 
47, 11; da das blut Stephani vergossen ward, stand 
ich auch daneben Ap. Gesch. 22, 20; eine heilge eiche 
steht darneben Schiller Jungfr. 1, 10; bildlich: er ist 
daneben gekommen, leer ausgegangen; uneigentlich und 
in zeitliche Bed. überspielend, nebenbei, gleichzeitig: da- 
neben seid jr diebe Jer. 7, 9; er hoflct aber daneben, 
das jm . solte geld gegeben werden Ap. Gesch. 24, 26. 
Danieden, durch zeigendes da verstärktes nieden (be- 
tont danteden); nur räumlich: Petrus wur danidden im 
palast Marc. 14, 66; jetzt noch in geistlicher Rede neben 
hienieden, im Gegensatz zu oben im Himmel. — da- 
nieder, Zusammenrückung aus ahd. thär nidare, urdd. 
dã nidere und dar nidere, weswegen auch uhd. bis jetzt 
darnieder häufig und bercchtigte mit Verben der Be- 
wegung, räumlich und davon bildlich: sank sic abermal 
in eine onmacht, und fiel Garnider Stücke in Esther 4,13; 
darnider legen Indith 9, 12, schlagen Ps. 78, 13; dich 
und mich darnieder singen Gleim 3, 241; bastionen. 
schmettert sic mit eincm severblicke darnieder Eichen- 
dorfs Taugen. 139; danieder strecken, stoszen, werfen 
n. a.; auch danieder liegen, zu Boden, besiegt oder krank, 
in Schwäche: ich werde nimer mehr darnider ligen 
Pf. 10, 6; weil alle jr volk darnider ligt, unter dem 
teinde Klagel. Jer. 1, 7; handel und gewerbe liegen da- 
nieder. 
Dank, m. Handlung des Denkens (vgal. schank zu 
schenken), Berechnens, Wollens; altes gemeingerma- 
nisches, im Begrifse erweitertes Wort, goth. hagks, alt- 
engl. bane, ahd. thank, danch, mhd. dane; ein Plur., 
ahd. dancha, mhd. dagegen denke (sine denke Gedanken 
Elil. 4458, vgl. auch unten 2), ist neuer nicht mehr vor- 
handen, auch nicht mehr die schwache Nebenform danke, 
Plur. danken (viel böser danken BWaldis Esop 1, 
60, 118), die aber in gedanke (s. d.) weiter lebt. 1) ur- 
sprüngliche Bed. des wollenden, berechnenden, verlangen- 
den Denkens noch im älteren Nhd.: solt gott umb gnad 
pitten, das er im sölchen dank vergäb Aventin 1, 778; 
in der alten Spr. dankes, mines, dines dankes nach 
eigenem Verlangen oder Ermessen, sreiwillig, undankes 
daneben — Dank. 
gegen die Absicht, ungern, was noch in Formeln bis 
in neuere Zeit nachlebt: mit deinem dank te volente 
Henisch; ich fär dahin mein straszen, ist wider mei- 
non dank Uhland Volksl. 131; ungern on sein dank 
B Waldis Es. 2, 18; mit gewalt und wider allen dank 
Gellert das Band 7; ward ich wider des teufels dank 
nuch Philipsburg geführet Simpl. 1, 388; so auch: 
das wort sie sollen lassen stan und kein dank dazu 
haben (ohne daß sie es gern thun, wollen) Luther 
8, 364b; ohne dank, Anerkennung, Erwiderung aus- 
schließend, daher an die solgende Bed. rührend: lieb- 
baben obn dank Henisch; Gegensatz ru dunke, zu An- 
erkennung, nach Verlangen: thut mir zu danke Jes. 
36, 16; zu dank annemen Wickram Rollw. 149; einem 
etwas zu danke thun, machen, einem zu danke leben 
u. a.; zu dank erbalten quittierende Formel. 2) dank 
der zugebilligte Lohn, Vergeltung: keinen dank haben 
Sir. 29, 32; was danbs habt jr davon? Luc. 6, 34; will 
man zum dank uns aus dem lande wersen Schiller 
Picc. 1, 2; ist das der dank dafur?; spöttisch, des teufels. 
henkers dank für etwas haben, empfangen; Kampflohn, 
Siegespreis, namentlich in älterer Spr. beim Turnier: 
dlie den dank alda (beim Stechen zu Straubing) ver- 
dient haben Aventin 2, 567 (Plur. dus man 4 denk 
hin gab D. Städtechr. 2,25); von Wieland wieder auf- 
gefrischt: trug .. bei einem offnen rennen mit bhinter- 
list den dank davon Ob. 1, 35, vgl. das Glossar dazu; 
1. Mos. 23, 19; ritze .. den arm auf, bis blut darnach und so bei Schiller: den dank, dame, begehr ieh nicht