Volltext : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

12.  1611  27

nehmen,  die  Pässe  in  mein  Land  wurden  mehrmals  erforscht,  ja  Januarll.
E.  L.  selbst  haben  meinen  Kommissarien  zu  S.'  Nikola  vor  Dero  Aufbruch

  nicht  versprechen  wollen,  dass  der  Durchzug,  um  den  wir  nie

ersucht  worden  sind,  nicht  durch  unser  Land  gehen  solle.

Nun  ist  geschehen,  was  man  damals  besorgte:  das  Volk  ist  E.  L.
Schreiben  nach  wider  Dero  Wissen  und  Willen  und  gegen  des  Kaisers
Befehle  aufgebrochen  und  unversehens  und  wider  den  Vertrag  in  das
Land  o/E,.  eingerückt,  um  durch  Steiermark  und  Kärnthen  nach  Tirol
zu  ziehen;  auch  Trautmannsdorf  soll,  wie  ihm  die  kaiserlichen  Kommissarıeon
  zu  Passau,  Lasotto  und  Kleinsträtl  vorwerfen,  wider  selbst
angezogenen  Befehl  sein  Regiment  und  die  Artillerie  mitmarschieren
lassen,  da  es  doch  vordem  nur  hiess,  dass  os  nach  Böhmen  gehe  und  ich
in  Sorgen  gestanden  habe,  dass  das  Volk  aus  Böhmen  ia  mein  Land
zurückgetrieben  würde.

Bei  den  Beschwerden,  in  die  ich  und  mein  Land  gesetzt  wurden,
weil  das  Volk  nicht  gehörig  unterhalten  und  bezahlt  wurde  (denn
sonst  hätte  ich  mich  keiner  Ungelegenheit  von  ihm  besorgt),  lasse
ich  E.  L.  und  jedermann  urteilen,  ob  ich  hätte  still  sitzen,  den  Ausgang
  erwarten  und  mich  der  Barmherzigkeit  dieser  Leute  unterwerfen
sollen  oder  vielmehr,  ob  ich  nicht  ebenso  wie  Kurpfalz  und  andere
mich  notwendig  in  Defension  stellen  musste,  wie  ich  dies  gleich
anfangs  vorausgesehen  und  dem  Kaiser  zu  erkennen  gegeben  habe.
Auf  diese  Defension  sind  mir  abgesehen  von  dem  Verlust  von  Einkünften
und  Regalien  schon  einige  100  000  Taler  gegangen.  —  Habe  ich  da
Unrecht  getan,  dass  ich  wegen  der  zu  besorgenden  Vergewaltigung  zu
besserer  Versicherung  meiner  Lande  und  Leute,  da  ich  beim  Kaiser
kein  Gehör  finden  konnte,  bei  meinen  nächsten  Nachbarn,  die  schon  in
Bereitschaft  standen,  für  dem  äussersten  Notfall  Beistand  gesucht  habe,
da  doch  jedem  erlaubt  ist,  in  Notfällen  jedermann  anzulangen?  E,  L.
konnten  mich  ja  nicht  gegen  eine  Meuterei  versichern,  welche  Gefahr
sehr  nabe  war,  zu  geschweigen,  dass  das  Volk,  nachdem  ihm  der
Weg  nach  Steiermark  verlegt  ist,  sich  nunmehr  nicht  gegen  Böhmen
sondern  unmittelbar  gegen  mein  Land  und  Salzburg  gewendet  hat.
Wenn  nun  Erzherzog  Maximilian,  Dero  Vetter  und  des  Kaisers  Bruder,
gestattst  war,  mit  seiner  Landschaft  dem  kaiserlichen  Volk  Pass
und  Quartier  in  einem  Land,  das  dem  Kaiser  und  Haus  Oesterreich
zugehört,  zu  verwehren,  ja  die  äussersten  Gegenmittel  zu  gebrauchen,
sich  dazu  ebenso  wie  das  Land  ob  der  Enns  um  die  Hilfe  des  Königs
von  Ungarn,  des  Erzherzogs  Ferdinands  u.  s.  w.  zu  bewerben,  wenn  die
steirische  Landschaft  rüsten  und  den  Pass  verweigern  durfte,  so  sehe
ieh  nicht,  warum  mir  das  verboten  sein  oder  warum  es  am  kaiserlichen
Hof  so  grosses  Nachsinnen  geben  soll,  dass  ich  zu  meiner  Versicherung
nach  erlaubten  Mitteln  bei  meinen  Verwandten  gemäss  den  Verträgen
getrachtet  habe,  damit,  wenn  das  Volk  von  Tirol  abgetrieben  würde,
nicht  die  ganze  Kriegslast  auf  mein  Land  kommt.  Das  ist  mir  um  so
weniger  zu  verdenken,  als  Althan  offen  äusserte,  er  könne  gegen  eine