— 329 —
hat, war durch nichts anderes zu ersetzen. Wir hatten keinen Mann
von seiner Bedeutung. Ich habe meinerseits mich damals in eine
Beurteilung wirtschaftlicher Fragen nicht eingelassen, sondern ich habe
die bedeutendsten Leute und Staatsmänner, die mir ihre Hülfe gewähren
wollten, zu werben gesucht, um dieses Werk, was ich unternommen
hatte, mit mir in Gemeinschaft durchzuführen. Es ist ja ganz
zweifellos, daß ich mitunter in wirtschaftlichen Fragen nicht der Ansicht
des damaligen Herrn Präsidenten gewesen bin, und ich weiß nicht, wie
die Fälle sich erledigt haben, wenn mir die Verständigung darüber nicht
gelungen ist; ich vermute, daß ich in den meisten Fällen nachgegeben
habe, weil ich politisch und an meiner Meinung gern Opfer brachte,
um diese so ungewöhnlich bedeutende Mitwirkung der Sache, der ich
diente, zu erhalten. Ich bin ein Mann, der an Autoritäten glaubt,
und sich ihnen da, wo ich nicht notwendig auf mein eigenes Urteil
verwiesen bin, gern untcrordnet. Ich bin auch vielleicht nicht mit allen
Einrichtungen der Post persönlich einverstanden; nichtsdestoweniger,
da ich die Ueberzeugung habe, daß der Generalpostmeister im großen
und ganzen vollständig seiner Sache mächtig ist und sie jedenfalls
besser versteht als ich, folge ich seinen Wünschen und Anträgen, und
würde es ziemlich verwunderlich finden, wenn ich dermaleinst an meiner
sormalen Verantwortlichkeit dafür angefaßt werden sollte, daß diese
ober jene Posteinrichtung nicht nach meiner eigenen Ueberzeugung sich
bewährt hat, und ich sie anders wünschte, als ich damals zugestimmt
hätte, daß sie sein sollte.“" Am 1. Dezember 1881 bemerkte endlich
Bismarck im Reichstag, er habe sich in das wirtschaftliche Ressort, so
lange es in der Hand Delbrücks war, nicht gemischt. „Ueber seine
Geschäftsführung bestand zwischen uns kein Meinungsstreit, und meine
Anerkennung seiner Autorität war so groß, daß die wesentlichen Zweifel,
die bei mir zu keimen begannen, ob wir auf dem richtigen Wege wären,
von mir unterdrückt wurden, gegenüber der Bedeutung und technischen
Ueberlegenheit dieses Mitarbeiters, auf den ich nicht verzichten wollte.
Ich habe damals solchen Wirtschaftspolitikern gegenüber, die sich darüber
beschwerten, daß nicht alles gut ginge — ich glaube, ich kann Zeugen
dafür aufrufen — gesagt: es ist möglich, daß wir stellenweise auf einem
irrtümlichen Wege sind, und daß nicht alles richtig ist, was Minister
Delbrück unternimmt; aber ich weiß nicht, wie ich die Lücke decken sollte,
die entstehen würde, wenn er ausscheidet. Ich kann seinen Anteil neben
allem, was ich sonst zu thun habe, nicht übernehmen und weiß keinen
Ersatz; ich muß mir, wie es so häufig im Leben ist, eine tüchtige Kraft
mit ihrem Können und Leisten und mit ihren Irrtümern, wenn welche