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flammte Thassilo noch einmal, einen Plan zu entwerfen, sich aus
schimpflicher Dienstbarkeit zu befreien. Er schickte Boten zu den
Avaren, um sie zu einem Einfall in's fränkische Reich zu ermuntern.
Mit ihm machte des Herzogs Arichis von Benevent hinterlassene
Wittwe Adalberga gemeinsame Sache, und verband sich mit der grie-
chischen Kaiserin Irene gegen Karl. In Bayern selbst ward vieles
heimlich zum allgemeinen Aufstande bereitet.
5. 21.
Doch alles ward dem Könige Karl verrätherisch binterbrachk.
Thassilo nach Ingelheim zu einer Reichs= Versammlung geladen,
erscheint ohne Verdacht. Fränkische und bajoarische Große treten
als Ankläger Thassilo's auf, und dieser wird von der Versamm-
lung des Todes schuldig erklärt. Karl, scheinbar gnädig, verweist
ihn in ein Kloster. Gleiches geschah seinen Söhnen Theodo und
Theodobert, 788. Sechs Jahre darnach muß der verstossene Thas-
silo auf einer Versammlung zu Frankfurt allen Ansprüchen auf
Bajoarien für sich und seine Nachkommen entsagen. Jedoch em-
pfahl Thassilo seine Söhne und Töchter der Gnade des Königs.
Wir haben Grund zu glauben, daß Karl gegen Letztere auch gnä-
dig war, und ihnen die Familiengüter in den Gauen des Landes
gelassen. Mehrere Grafengeschlechter dürften von ihnen abstam-
men, vor allen die Grafen von Scheyern. UAuch die Welfen
scheinen Agilolfingischen Geschlechts. Wie, und wo Thassilo und
seine Söhne geendet, darüber schweigt die Geschichte. —