382 XVII. Der Sonderfriedensversuch des Hauses Parma-Bourbon
Monat U8Bootkrieg vernichtet mehr, als die Werften Englands im
ganzen letzten Jahre erzeugt haben. Selbst die tausend laut angekündigten
amerikanischen Holzschiffe würden nicht die Verluste von vier Monaten
decken können, wenn sie schon da wären. Sie werden aber zu spät kom-
men. In England haben Sachkenner schon öffentlich ausgesprochen, daß es
nur zwei Möglichkeiten gäbe, der vernichtenden Wirkung des U-Bootkrieges
zu entgehen: entweder schneller Schiffe bauen, als die Deutschen sie ver-
nichten, oder schneller U-Boote vernichten, als die Deutschen solche bauen.
Ersteres hat sich bereits als unmöglich erwiesen. Die U-Bootverluste aber
bleiben weit hinter dem Neubau zurück.
England muß demnach auf progressio steigende Verluste an Schiffs-
raum rechnen.
In zunehmendem Maße werden sich in England die Wirkungen des
U--Bootkrieges auch auf die Volksernährung, auf alle individuellen und
staatlichen Energien bemerkbar machen.
Ich sehe daher dem Endergebnis des U-Bootkrieges mit voller Zuver-
sicht entgegen.
Geheimen, aber sicheren Nachrichten zufolge hat Ministerpräsident
Ribot kürzlich zum italienischen Botschafter in Paris geäußert, Frankreich
ginge der Erschöpfung entgegen"). Diese Worte sind vor Beginn der jüng-
sten französisch-englischen Offensive gefallen. Seit jener Zeit hat Frank-
reich Blutopfer gebracht, die sich bei Beibehaltung der jetzigen Kampfinten-
sität bis zur Einstellung der Offensive ins Ungeheuerliche steigern werden.
Die französische Nation weist gewiß in diesem Kriege außerordentliche
Leistungen auf, der Staatskörper vermag indes die enorme Belastung nicht
ins Ungemessene zu tragen. Ein Rückschlag auf die mit allen anreizenden
Mitteln künstlich hochgehaltene Stimmung in Frankreich scheint unaus-
bleiblich.
Was unsere eigene innere Lage anlangt, so verkenne ich nicht die
Schwierigkeiten, welche die unausbleibliche Folge des schweren Kampfes
und der Abgeschlossenheit vom Weltmeer bilden. Ich habe aber das feste
Vertrauen, daß es uns gelingen wird, diese Schwierigkeiten ohne dauernde
Gefährdung der Volkskraft und des allgemeinen Wohls, ohne größere
Krise und ohne Bedrohung des staatlichen Gefüges zu überwinden.
Obwohl wir hiernach das Recht haben, die Gesamtlage als günstig zu
beurteilen, befinde ich mich doch in voller Übereinstimmung mit dem Grafen
Czernin bei Verfolgung des Zieles, einen ehrenvollen, den Interessen des
Reiches und unserer Bundesgenossen gerecht werdenden Frieden sobald
wie möglich herbeizuführen. Ich teile auch die Ansicht des Herrn Ministers,
daß das wichtige Moment der Schwächung Rußlands ausgenutzt und daß
eine erneute Friedensaktion zu einem Zeitpunkt eingeleitet werden muß,
°) S. Seite 353. Der Verfasser.