fullscreen: Geschichte des brandenburgisch-preußischen Staates.

206 XI. B. Die Kurfürsten nach der Reformation. 
Städte bildeten. Die Preußen jedoch sannen darauf, sich gewaltsam 
der fremden Herrschaft zu entziehen. Die Hand dazu bot der Herzog 
Swantepolk von Hinter-Pommern, der seinen Sitz in Danzig hatte 
und mit Unwillen die deutsche Herrschaft in den preußischen Land- 
schaften sich ausbreiten sah. Sein Angriff 1241 auf den Orden 
brachte ganz Preußen unter Waffen; mit furchtbarer Wuth erhob sich 
ein Kampf, in welchem die Deutschherren unterliegen zu müssen 
schienen. Diese Kämpfe zogen sich, wenn auch mit Unterbrechungen, 
Jahre lang fort. Erst durch die Hülfe neuer Kreuzheere gelang es, 
1249 Swantepolk zum Frieden und die abgefallenen Landschaften zur 
Unterwerfung zu zwingen. 
Bei einem neuen Kreuzzuge 1253 wurde das Barterland aufs 
neue unterworfen und ohne besonderen Kampf auch Galindien. 
Unterdeß rüstete man sich, auch Samland zu erobern, und legte 
1252, um etwanigen Zuzug der Lithauer über die kurische Nehrung 
zu verhindern, der Nordspitze derselben gegenüber die Memelburg 
an. Die Eroberung des Landes wurde durch das neue Heer ermög- 
licht, das König Ottocar von Böhmen in Begleitung seines Schwa- 
gers, des Markgrafen Otto von Brandenburg, 1255 in einer Stärke 
von 60,000 Mann nach Preußen führte. Das Hauptheiligthum des 
Volkes, das uralte Romowe, wurde für immer vernichtet, die heilige 
Eiche mit ihren alten Götterbildern verbrannt, die Samländer aufs 
Haupt geschlagen, das Land bis Tapian in Besitz genommen, und 
zwischen den beiden Haffs an beherrschender Stelle der Grund zu einer 
Burg gelegt, welche dem Könige zu Ehren Königsberg genannt 
wurde. Dann drang man den Pregel aufwärts in das Innere des 
Landes ein, doch verzog sich die vollständige Eroberung noch lange 
Zeit; denn nachdem die Lithauer 1261 dem Orden eine große Nieder- 
lage beigebracht hatten, verbreitete sich aufs neue ein allgemeiner Auf- 
stand über das gesammte Land, und vergeblich eilten neue Kreuzheere 
herbei, denselben zu dämpfen, unter ihnen nochmals Ottocar 1268, 
doch gleichfalls ohne Erfolg. Die meisten Burgen und Städte fielen 
in Trümmer, der Kampf im offenen Felde blieb meistens nachtheilig 
für den Orden, das Unglück schien ihm einen grausenvollen Untergang 
zu bereiten. Erst 1272, als der Markgraf Dietrich der Weise von 
Meißen ein starkes Heer nach Preußen führte, ging für den Orden 
ein neuer Glücksstern auf. Ein schrecklicher Vernichtungskampf wurde 
geführt, in welchem die Häuptlinge der Preußen mit Unzähligen der 
Ihrigen den Tod fanden. Darauf wurde 1275 im Norden des Pre- 
gel Nadrauen erobert; doch das Land war dabei eine Wüfte ge- 
worden, ein großer Theil der Bevölkerung war erschlagen oder gefan- 
gen fortgeführt, viele andere suchten im benachbarten Lithauen eine 
Freistätte. Zugleich wurde der Angriff gegen Schal auen begonnen, 
das 1276 durch große Heeresmacht unterworfen wurde; einen Theil 
der Bevölkerung siedelte man in das verödete Samland über. Poge- 
sanien, das noch immer in Aufsässigkeit verharrte, wurde 1277 er- 
drückt, das Land durch Raub und Brand verwüstet, die Einwohner