fullscreen: Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

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523 büßen — Butte. 
Büßen, Aufhilse, Wiederherstellung, Genugthuung 
bringen, ahd. puozzau, puozzen, mhd. buezen, altengl. 
betan, Ableitung vom vorigen, aber in weiterer und 
sinnlicherer Bed. geblieben als jenes; 1) als Handwerks- 
wort, z. T. bis heute, Zerbrochenes, Zerrissenes wieder 
herstellen, kessel, pfannen, kleider, schuhe; netze buszen 
Stieler; das die muuren zu Jerusalem zugemacht 
waren, und das sie die lucken angefangen hutten zu 
buszen Neh. 4,7; auch bildlich lucken buszen, substitui, 
erplere alicujus Jocum Stieler, vgl. luckenbus2er. 
2) in weiterer Anwendung, bessernd von etwas befreien, 
Abhilfe bringen: sine sware er im niht buogte Helmbr. 
1711; die die unfruchtbarkait des ertrichs mit menig 
des viechs pueszen Aventin 1, 677; das er von seinem 
uberflusz dem durftigen den kummer busz BWaldis 
Ef. 1, 41; in neuer Spr. noch, hier mit dem Beisinn, 
des Ersatzes als Strase (3): wer buszt uns die er 
littne todesangst? Wildenbruch Harold 2, 2; von 
Krankheiten: so musz man dir die krankheit büszen 
Bwaldis Es. 4, 19; von Verlangen, Begierde, stillen: 
lescht und puest den hunger Aventin 1, 81; pueszet 
also das volk den durst 151; er lies sie jren lust huszen. 
Ps. 78, 29; nur stundenlang geflugell, buszt die larre 
der epbemer ein mondenlang geluste Platen Gaf. 51; 
auch: das die Philister sich gerochen haben, und den 
alten hasz gebuszet Hef. 25, 15; recht ihren zorn zu 
buszen Hölty 34. 3) Strafe leiden oder geben, Strase 
leidend sühnen, mhd. sunde buegen; buszen und genäüg 
thün, durch pein oder bösz ablegen Maalerz ein irr- 
thum buszen oder tbeur bezalen, ein loster buszen ebd.; 
leg ihn, den raub zu buszen, mit armen in arrest 
Spee Trutzn. 51; weil er den fehler selbst zu buszen 
hat Goethe Tasso 2, 3; wenn ich mit meinem fell die 
sache buszen will Immermann Müdchh. 4, 30; in 
kirchlichem Sinne: sunde, die du noch nicht gebeichtet 
und gebuszt Schiller M. Stnart 5, 7; 2w#r stchst du 
buszend bald im kirchengang zur schanun Voß 6, 175; 
in milderem Sinne, Qual leiden wovon: die armen 
seelen buszen der liebe suszcs gilt Wieland Ob. 7, 11. 
4) einen buszen, mit Buße belegen: mit gleicher straf 
gepuest werden Aventin 2, 503; den man .. umb 
bundert sckel silbers buszen 5. Mos. 22, 19; den er 
kurz zuvor um kleiner ursach willen schwer gebüszt 
Schiller Tell 3,1; heute nur noch etwa von der Geldbuße 
verstanden, sonst gewöhnlich durch strafen vertreten. — 
Atzeer, m. nach verschiedenen Bed. des Verbums, Flicker, 
Ausbesserer, namentlich als aliduszer, schuhbuszer, noch 
in Oberdeutschland; luckenbuszer allgemeiner (vgl. unter 
buszen 1); gewöhnlich im kirchlichen Sinne, der Buße 
thut; auch Mitglied geistlicher Brüderschaften, welche 
Liebesdienste gleichsam als Bußübungen verrichten. — 
Büßerin, k. büßendes Weib, im kirchlichen Sinne. — 
büßerisch, einem Büßer gemäß: mit einem duszerischen 
"pruch verneige dein geüschert baupt Lenau 3#81. 
Butt, m., Bütte, k. eine Gattung Seefische mit 
stumpfem Kopf, seebutt, heilbutt; von niederd. dutt, 
stumpf, kurz, dick; vgl. unter butz. 4 
Butte, Bütte, k. 1) oben offenes hölzernes Gefäß, 
mhd. bute, dütte und buten, ahd. putinna, Lehnwort 
aus dem griech. brtins Gefäß (bei Hesychins als taren- 
tinisch für gemeingriech. bytine) durch mittellat. butina. 
bindurch; für Trauben: der weinleser wird cins nach 
dem andern in die butten werfen Jer. 6, 9; butto 
in der weinlese zum traubeneintragen odec. Lex. 407; 
sprichwörtlich: die band von der butte! es sind wein- 
becren drin Simrock 226; gekürzt hand von der butte! 
nicht angerührt!; für andere Flüssigkeiten, Milch, Wasser, 
auch für Früchte u. a.: ein buttin si har vür dõ trucg 
vol tuochen, din si solte büchen Edelst. 48, 00, vgl. 
waschbutte; butten voll geplotzter rettich Garg. 97; 
Diogenes in seim palast der butten oder fasz podagr. 
Trostb. J 70; mulden, körb und butten Voß 5, 28; in 
Buttel — butterweich. 524 
Papierfabriken Gesäß zum Schöpsen des flüssigen Zeuges 
bei Bereitung des bütienpapiers. 2) anderes Fem. butte, 
Frucht der Hagerose: wie die kinder die butten an- 
kademen Garg. 100, vgl. hagbutte; aber vie oberdeutsche 
Form hagedutze, hagedutz lehrt, daß das Wort nicht 
hierher, sondern zu butz gehört. 
Buttel, k. Flasche, in Norddeutschland, auch bduddel. 
Aus dem Niederdeutschen, welches wieder auf engl. dottle 
zurückgeht: fugs die karaffe mit wusser gefüllt und 
die müchtige buttel Voß Luise 3, 2, 621. 
Büttel, m. Gerichtsdiener, Häscher, ahd. putil, dutil, 
mhd. butel. der die Gebote eines Nichters vollstreckende; 
in älterer Spr. zum Teil noch ohne verächtlichen Neben- 
sinn: durch einen geschwornen ausrucfer und putel 
Aventin 1, 916; bald aber von niedrigen Gesängnis- 
dienern: verllucht er wie dic bnuren den buttel Garg. 82; 
cinen zeitigen dieb erlauft ein binkender bittel Stieler; 
übertragen der buttel der sprachreinigkeit in Ober- und 
in Niedersachsen Lessing 5, 38. — Büttelei, f. öffent- 
liches Gefängnis, in dem der Büttel zugleich Wohnung 
hat: cinen in die buttelei bringen lassen Steinbach. 
Butter, k., in Oberdentschland m., aus Milchrahm 
ewonnene Fettmasse; erst im 12. Ih. für ältere ein- 
einuncche Ausdrücke (ahd. ancho, mhd. anke, noch jetzt 
alemann. anken, und ahd. chuosmer, alts. kösmer — 
Kuhschmer) als butra, dutere auftanchend, mhd. buter 
(Masc. und Feim.); früher schon besteht altengl. butere; 
Ausgang wohl von dem Latein der Klöster, wo ein 
zuerst bei Columella bezengtes, aus dem Griechischen, 
eigentlich aber aus dem Skythischen ausgenommenes bu- 
tyrum als Gewerkswort für den jedenfalls sorgfältiger 
bereiteten Stoff angenommen worden war. butirum, 
butter, milchsmalz Dies.; trug aul butter und wilch 
1. Mos. 18, 8; wenn man milch stöszt, so macht man 
butter daraus Spr. Sal. 30, 33; frische, alte, gesalzene, 
ungesalzene, susze butter; faul eyer und stinkend butter 
gehören zusamen Garg. 86; gcsalzen botter ausz Holland 
96; guten frischen butter Simpl. 4, 208; da ich die 
gelbliche butter gefertigt Voß Idyll. 5, 15; dutter zer- 
lassen, zerlassene, braunc butter; butter auf das brot, 
streichen, schmieren u. a.; in Vergleichen: weich wie 
butter; sie weint so leicht, sie hat ein herz wie butter 
Uhland 431; er bestehet, wie der butter an der sonnen, 
non potest probare suam camsam Henisch; deilger, 
lieder Luther! du schabtest die butter deinen kollegen 
vom brod Goethe kenien. Ubertragen auf Butter- 
ähnliches, kakao-, pflanzen -, zink-, zinnbutter; butter 
im auge, Eiter daselbst. — Zusammenfetzungen: Butter- 
bemme, k. Bemme (. d.) mit Butter bestrichen. — Butter= 
birne, f. weiche, saftige Birnenart, Schmelzbirne. — 
Butterblume, k. Name mehrererhochgelb blühender Wiesen- 
blumen. Butterbrot, u. Stück Brot mit Butter be- 
strichen. — Butterdose, (. Dose zum Aufbewahren der 
Tischbutter. — Butterfaß, u. Faß in welchem Butter 
gemacht, auch solches in welchem Butter verschickt wird. 
— Bntterfrau, f. Verkänferin von Butter. — Butter= 
gebackenes, v. mit viel Butter versehenes Backwerk. — 
Butterlringel, m. mit viel Butter gebackener Kringel. — 
Buttermilch, k. die nach Ausscheidung der Butter noch 
bleibende Milch. — Butterschnitte, k. Schnitte mit Butter 
bestrichen: ich wollte mir. ein paar buttorschnitten 
schmieren Eichendorff Tangen. 94.— Buttersemmel' t. 
mit Butter bestrichene Semmel. — Butterstolle, k. wie 
Butterschnitte: ich aher schnitt mir unterdesz noch eine 
dutterstolle Eichendorfs Tangen. 96.— Butterkeig, m. 
mit Butter angerührter Teig zu mürbem Backwerk. — 
Buktertops, u. Topf zur Anfbewahrung der Butter im 
Haushalt.— Buttervogel, m. ein gelber Schmetterling. — 
Zutterweck, m. großes Stück Butter in Wecksorm; ge- 
backener Weck mit Butter bestrichen; mit viel Butter 
ebackener Weck. — butterwelch, weich wic Butter; vom 
nnern eines Menschen Nosegger Waldheim. 2, 178.