Full text: Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

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die gegenstände . ins auge seiner einbildungskraft 
Goethe 46, 279. 3) auge uneigentlich, hervorbrechender 
Keim jn einem Blatte oder einer Blüte; das von einem 
Schößling abgenommene sprossende Glied zum Oculieren; 
Tropfen Fett auf einer wässerigen Flüssigkeit; augen- 
ähnliche Zeichunng im Schwanz des Pfauen; Punkt 
auf dem Würsel, die meisten augen werfen; sprichwört- 
lich: auf seinen augen bleiben, rechthaberisch bei etwas 
beharren, wobei verschiedene Zahlen genannt, bald kunk, 
bald neun, eilf; Zahl des Wertes der Kartenblätter: wer 
ein und dreiszig augen bat, ist aus dem schneider; Loch 
eines Hammerkopses, durch das der Stiel gesteckt wird; 
in den Schmelzhütten auge eines ofens, Offnung, aus der 
das glühende Metall wegfließt. Bei Diamantschleisern 
Strahl und Glanz des Steines, er hat ein unvergleich- 
liches, ein etwas schwärzliches auge. — Zusammen- 
setzungen: Augapfel, m. die in der Augenhöhle liegende 
Kugel, ahd. ouguphul, mhd. ougaptel; Bild für etwas be- 
soi. ders Wertes: ich war sein augapfel Heyse 4, 166.— 
Augapfel — Augenschein. 
Augenarzt, m. Arzt für Augen. — Augenblick, m. mhd. 
ougenblic, der Blick des Auges; Zeit zwischen dem 
Auf= und Zuschlagen der Lider; daher für den kürzesten 
Zeitteil: in einem augenblick Luc. 4, 5; nach wenigen 
augenblicken Tieck ges. Nov. 7, 97: geh den augen 
blick! (sofort) Schiller Räub. 1, 3; ein augenblick, 
gelebt im paradiese Schiller Karl. 1, 5; in den höchsten 
augendlicken (des Lebens) Goethe DuW. 7; den gun- 
stigen augen lick benutzen, verpassen; persönlich Leate D 
der leichte r. ub des mächtgen augenblicks Schiller 
Jungsr. 3, 4; gunst, wahl des augenblicks Treitschke 
1, 291.506.— augenblicklich, für den Augenblick geltend: 
er ist in augenblicklicher not, braucht augenblickliche 
hilfe; wichtigkeit des augenblicklichen (schnell vorüber- 
gcbenden gesprächs Goekhe Wanderj. 1, 10; im Augen- 
lic:: musz augenblicklich seine nächtlichen labyrinthe 
durchwandern Schiller 2, 10; ich komme augenblick 
lich (sosort); augendlieklich (in demselben Augenblick) 
frisch und tod Simpl. 1, 62.— Angen= Augbraue, i. der 
Bogen Haare über den Augen, mhd. ougebra, buschige, 
im Zorne gerunzelte, fiostere; in der Form aug-, augen- 
braune (val. bei braue), bei Luther an den augbrunen 
3. Mos. 14, 9; die augenbrun Hiob 3, 9; bei Schiller 
Neutr. sein finsteres überhangendes buschichtes augen 
draun Ränb. 4, 2. — Augendiener, m. der nur für Je- 
mandes Augen dient, heuchelnder Schmeichler ladulator 
in einem Voc. des 15. Jh.). — augenfällig, in die Augen 
fallend: die gröszten und augeufilligsten verdienste 
Goekhe 24, 72. — Augenglas, v. Glas vor die Augen, 
Brille, Fernrohr. — Augenhöhle, k. Höhle, in der das 
Auge ruht. — augenkrant, krank an den Augen; Augen- 
krankheit, k. — Augenleder, n. Scheuchleder vor den 
Augen der Pferde. — Augeulicht, n. Licht der Augen, 
Sehkraft. — Augeulid, u. bewegliche Decke zum Schließen 
lust, v. Lust, Vergnügen durch Sehen; was solches ver- 
ursacht: die als mimentänzerin die augenlust.. der 
halben welt gewesen war Wieland Peregr. 3. — 
Augenmaß, n. mit den Augen genommenes Maß, nach 
dem a. schätzen; schosz. nach dem augenmasz Garg. 
350; Fähigkeit solches Maß zu nmen er hat ein 
Rutes, schlechtes augenmasz. — Augenmerl, n. das 
worauf die Augen sich richten; eigentlich und übertragen: 
Tope war, wo hicht sein muster, doch sein uugenmerk 
Goerhe DuW. 7; bältst du natur getreu im augenmerk 
Geibel 2, 122 (als Masc. der hauptaugenmerk Goelhe 
Tagh. 1805). — Augenpulver, n. Pulver als Heilmittel 
für Augen: in spöttischer Ubertragung kleine, die Augen 
augreisende Schrist. — Augenpunlt, m. Gesichtspunkt: 
der kenner der sie (Statuen) aus mehreren augen- 
unkten beobachten will Schiller 3, 577. — Augen- 
Hhein „m. was den Augen scheint, gesehen wird; ge- 
wöhnlich in Formeln: der augenschein lehrt, zeigt es, 
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thut es dar; beweis durch augenschein; den augen- 
schein nehmen, etwas in augenschein nehmen (Goethe 
W. Meister 3, 4); im 15. Ih. beschouwunge durch ougen- 
schin, in den ougenschin komen. — angenscheinlich, 
wie es den Augen scheint, bei Keisersberg Trostsp. 87, 
ongen scheinlich; sichtbar: der weier und der brunn, 
so doch von einander, wie augenscheinlich, abgesondert. 
Zimm. Chr. 1, 11; im Bergbau augenscheinliche gänge, 
bloß liegende; offenbar, auf der Hand liegend: augen- 
schinlich cusden Maaler; es ist augenscheinlich 
Wieland gold. Sp. 2, 6; eine augenscheinliche ver- 
legenheit zeigen; mir augenscheinlich deshalb das proto- 
koll nicht wieder zurhekgesandt hatte Preußen i. B. 
1, 334. — Angensprache, k. Sprache durch die Augen 
(Wieland Klel. 1, 150). — Augenstern, m. die Sehe 
der Augen, resen Aventin; auch für Auze selbst: das 
kitzelt unsern augenstern Schiller Näub. 4, 5; mhd. 
ougestirne Angenhöhle Anno 847. — Augentrost, m. 
Name einer kleinen schön blühenden Wiesendlume, e- 
trusfa. — Angenwasser, u. Heilwasser für Augen; 
Thränen. — Angenweide, f. mhd. ougenweide, ursprüng- 
lich Weiden, Umherschweisen der Augen, Anblick, dann, 
was zur Lust der Augen gesehen wird, schöner Anblick: 
die ougenweide schent die fursten gerne Walther 
19, 1; augenweid und herzensweiche Goetbe Scherz 
augenscheinlich — aus. 
List u. R. 2; du reiters augenweide Körner Schwert- 
lied. — Augenwimper, k. mit Haaren besetzter Rand am 
Augenlid: auf s#ine naugenwimpern liegt des schlafes 
tiete nacht Geibel 1, 91. — Augenzahn, m. Hundszahn 
im obern Kinnbacken; überhaupit Eck-, Spitzzahn; die 
augzün Maaler. — Angenzeuge, m. Zeuge auf Grund 
eigenen Sehens. — Augenzeugnis, k. Schiller 5, 135. 
Augeln, Blicke werfen, namentlich freundliche oder 
verliebte, mhd. öugeln (lät iuwer spichez öugeln sin 
BrBerthold): äugelen Schottel; meines liebchens 
äugeln Goekthe Div. 3,17; blicken, blinken, von Leuchten- 
dem: das junge licht..äugelt aus dem strauch Schiller 
der Flüchtling; bei Gärtnern Augen setzen, okulieren: 
oculiren oder äugeln oec. Lex. 1714; die obstbüume 
äugeln Auerbach Dorfgesch. 1, 233; bei Jägern, der 
bund augelt, blickt um sich nach der Spur des Wildes. 
— äugen, bei Jägern, blicken: wie ein neugieriger hirsch 
ihm uber die schulter ins buch äugte Buch vom 
Fürsten Bismarck 117. — augig und äugig, Augen 
habend, in ein-, grosz-, klein-, blau-, schwarz-, triet- 
augis, -Zuzig u. a. Nur ohne Umlaut, in Bergwerken, 
voll von Blasen und Höhlen. 
Angust, m. der achte Monat des Jahres; aus dem 
lat. Namen im ahd. in der Form der schwachen Dekli- 
nation als ägusto. augusto, herübergenommen, mhd. als 
ongest, ouwest, niederd. als owest, aust, öst, auch in 
der Bed. Ernte; die deutsche Bekonung auf der Stamm- 
silbe und davon her die Form augst bis ins 17. Ih. 
bes Auges: die augenlider öffnen. schlieszen. — Augen- 
umb den audern augst, der ze latein september haigt 
Megenberg 301, 6; der augst oder augstmonat 
Maaler:; in der bité des augstmonats Simpl. 4, 34, 
mundartlich noch jetzt oberdeutsch; die heutige Form mit 
fremder Betonung unter dem Eissuh der Humanisten- 
schulen ausgekommen und seit 17. Ih. in der Schriftspr. 
ewöhulich (selten deutsche Betonung:; august der durstige 
rnr Ged. 52); Gen. gewöhnlich des august, doch 
auch zu anfang des augusts Schiller Karl. 2, 5. Von 
der alten Form abgeleitet: Augster, m. früh tim Angutt) 
reife Traubensorte. 
Aurikel, l. Bergschlüsselblume, nach lat. auricula 
Ohrchen, wegen der Blütenform; wie angenehm gefürbt, 
wie lieblich und wic schön sind die aurikeln nicht“ 
Brockes 5, 32. ç 
Aus, Adv. und Präp. mit dem Grundbegriff der Be- 
wegung von dem Innern eines eingeschlossenen Raumes 
über seine Grenze hinweg (Gegensatz von eint; als Adv. 
alt gemeingerm., goth. altnord. sächs. ##t, ahd. mbd. ag,