23 ableben — Ableiter.
augenblicke wurde der zug abgelsutet Rosegger Wald-
beim. 1, 233.
Ableden, lebend verbringen, seine zeit; durch Leben
sich abnützen, das hat sich abgelebt; namentlich im
adj. Part. ein abgelebter greis; abgelebte redensarten;
scherzhast eine abgelebte peruexe Rabener; vom Leben
scheiden: ich möchte ihn nicht gern getödtet, aber ab-
gelebt Schiller Ränb. 2, 1; auf ihrem siechbette be-
gruszten wir die ablebende nDichte Gleims Goethe;
subst. Inf. nach seinem ableben. — ablecken, leckend
entfernen oder säubern, das salz, den teller; du fungst.
schon an die lippen abzulecken (verlangend) Goethe
Faust; denen beisze mittagsstrahlen abgeleckt den
wehmuthsthau Uhland Ged. XIV. — ablegen, 1) von
sich legen, weglegen, rock, hut; legen Sie ab! Ein-
ladung an einen Gast. 2) mit dem Beisinne der völligen
Trennung, trauerkleider, trauer; die waffen abzulegen
(Micrälins 3, 306), nicht mehr zu kricgen; im Part.
abgelegte röcke, kleider, alte, nicht mehr getragene;
ferner die maske ablegen, auch bildlich: die weisheit
wurde uns die maske nicht ablegen heiszen, wenn wir
unsere rolle nicht geendigt hätten Leffing 11, 28.
Unsinalich: fehler, sunde, gewohnheiten, kummer, sorge
u. ähnl.: lasset uns ablegen die werk der finsternis
Nöm. 13, 12; warum ich dies leben nicht ablegen sollte
wie ein schmutziges hemde Bismarck Brief 1851;
meinen namen hatte ich abgelegt Heyse Par. 2, 298.
3) niederlegen, eine last; bei Seite legen, aufbewahrend:
ging zu meinem wirtbshause und fand einen trefflichen
tisch, den der herzog mir hatte von seinen speisen ab-
legen lassen Goethe B. Cellini 2,9. 4) gebären, von
Tieren; in derber Sprache von außerehelicher Geburt,
sie hat irgendwo abgelegt, sie hat ein kind abgelegt.
5) auserlegtes, eine Schuld, Pflicht abtragen, im 17. Jh.
solche schuldigkeit abzulegen Simpl. 2, 140; dank vor
die muhwaltung ablegen Chr Weife Cemöd. 123; neuer
gewöhnlich rechenschaft, rechnung, zeugnis, (id u. a.;
in der nachbarschaft besuch abzulegen Goethe Wahl-
verw. 0) in der Gewerksprache, bei Bergleuten ablegen,
ein Bergwerk außer Betrieb setzen; arbciter ablegen, ent-
lassen; 10rmen ablegen, bei gnistsetzim, das Gesetzte
auseinander nehmen; reben, reiser, bei Gärtuern, Ab-
leger bilden; bienen ablegen, von alten Stöcken neue
bilden. 7) intranf. versagen, schwach werden: der fleiszige
theolog, dem seine augen leider immer mehr ablegten.
Goethe DuW. 8; da Ihnen Ihr gedächtnis ohnehin
so schr ablegt Lessing Schlaftrunk. — Ableger, m. bei
Gärtnern, neues Reis einer Rebe, eines Strauches, das
sich durch Legen in die Erde gebildet hat; bei Bienenzüch-
tern neuer Stamm von einem alten Stocke. — ablehnen,
von sich fern halten: alle rücksichten, die man ciner ge-
bildeten welt schuldig ist, ablehnen Goethe 46, 332;
dasz wir alles misewollende..durchaus ablehnten und
entlernten 31,147; von sich weisen, amt, einladung, be-
rufung u. a.; einen richtcr, ein gericht, im gerichtlichen
Verfahren, als Recht des Beklagten; ablehnen etwas zu
thun; ohne Obj. venn sie ablehnen Freytag Jonrn. 2;
art. ablehnende haltung, miene; ablehnend ward auch
ie französische kritir Goethe DuW. 11; ablehnende
stimmen Preußen i. B. 1, 50. — ableiten, 1) weg, anders
wohin, wasser, flusse, blitze; vom abgeleiteten oder ver-
dämmcten see trinken Herder Theol. 13, 208; einen
vom richtigen wege, vom guten; seinen zorn abzuleiten
Isfland Thurn. 2, 8; in älterer Spr. auch wie abwen-
dig machen fursten die er auch ableitet D. Städtechr.
2, 125. 2) herleiten, ein wort aus dem lateinischen;
sein geschlecht leitet sich von einem alten furstenstamme
ab; abgeleitete formen, wörter. — Ableiter, m. was
weg, anders wohin leitet, blitzableiter; seine bestialitüt
ist mir ein ewiger ableiter schlechter laune Freytag
Waldemar 1; bei Winzern (ableiten 2) bewurzelte Tricbe
von Weinslöcken, die für sich gezogen werden. — Ab-
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leitung, k. in beiden Bedeutungen des Verbs; gramma-
tisch nach 2, Verdentschung von derivatio Schottel 25.
— ableuken, weg, fortlenken, tranf. den wagen von der
hauptstrasze; abgelenkt zum zweiten male, ward der
lusz herbeigezogen Platen Busento; einen von etwas,
blicke; das gespräch, hier auch ohne Obj.: sagte Anti-
nous ablenkend Taylor Antin. 27; intranf. er lenkte
vom wege ab; die strasze lenkt hier ab. — üblesen,
von etwas lesen, raupen von den bläüttern, stäubchen
vom rocke, trauben vom weinstocke; lasen ab jre wein-
berge Richt. 9, 27; die schnecken abzulesen Taylor
Antin. 57; Gedrucktes, Geschriebenes: eine erklärung
von einem blatte, einen vers ablesen. — ableugnen,
sortleugnen, Behauptetes in Abrede stellen, etwas, einem
etwas; nachdem gestern aufregung abgcleugnet wurde
Bismarck Reden 1, 51; sie (Arzte) können wissen, wie
es in manchen meuschen ist, das leugne ich nicht ab
reytag Soll 2, 369.
Abliefern, von sich liefern, übergeben, ein schreiben,
geld, bucher. — abliegen, weg, entfernt liegen, der ort.
liegt nicht weit ab; im Part. abgelegene dörfer, Lnder;
im abgelegnen thal Geibel 8, 37; unsinnlich: erwä-
gungen die hier ganz abliegen; in zeitlicher Wendung,
wein, bier musz abliegen, durch Liegen reif werden. —
ablisten, listig abgewinnen, einem geldsummen; weil.
er Ihro Excellenz eine ungerechtigkeit abgelistet hat
Iffland Spiel.ö,6.
Ablocken, weg, fort locken, einem fragen, lächeln,
geld. — ablohnen, lohnend wegschicken, älter einem,
seit 18. Ih. einen; für die gehabte muh mich abzu-
lohnen Schiller Piccol. 2, 4. In der Volksspr. viel-
sach ablöhnen, gesellen, gesinde, soldaten. — ablöfen,
lösend trennen, rinde vom baum, kahn vom ufer; über-
trieben betenernd: englische madam, wenn Sie mit mir
Parliren könnten, ich wollte mir ein glied vom finger
ablösen lassen Gellert 3, 281; refl. die rinde löst sich
vom baume ab, gestein vom felsen; lösend aufhören
machen, abgaben, eine gerechtigkeit, lasten, auch mit
unterdrücktem Obji.: die mit dem 18 füchen betrage bar
ablösten Bismarck Reden 1, 147; eines Stelle ersetzen:
einen posten, eine schildwache; übertragen: widerspre-
echende gedanken lösten sich ab. Veraltet ein geschutz
ablösen, losbrennen. — ablöslich, was abzulöfen ist:
ranken schlingen sich unablöslich Bürger 1228; von
Lasten: ablösliche geldrenten Bismarck Reden 1, 129.
— Ablösung, f. in allen Bedeutungen von ablösen.
Abluchsen, nach Art des Luchfes abnehmen, entziehen,
einem ctwas. — abludern, gefallenes Vieh abdecken:
pferde abludern und häuten Kleist Kohlhaas. — ab-
lügen, lügend bestreiten, einem eine thatsache; alt du
wirst mir auch nicht abliegen das buch Luther.
Abmachen, durch ein Thun entfernen, den schmutz
vom kleide, den uberzug vom sofa u. a.; unsinnlich: zu
Ende bringen, ordnen; etwas, geschafte, verträge; die
sachc ist ja abgemacht Freytag Valentine; kutg gebt
wir eurc band, abgemacht ders. Waldemar; ich thus
nicht wieder, und damit abgemacht ebd.; volksmäßig
scinc schulden abmachen, bezahlen. — Abmachung, ".
namentlich nach unsinnl, abmachen, im Sinne des Ver-
abredeten: eine abmachung ward getroffen; verschie-
dene geheime abmachungen. — abmagern, mager wer-
den: so dasz er aus kummer abmagerte Heyse Par.
3, 177.— abmähen, mäbend wegnehmen und frei machen,
getreide, das feld; ältere Form abmeien, z. B. die rau-
berin, die zeit, hat alles abgemeit Homburg Clio
(1642); die reife saat ist abgemeyt erndie zeit) Brockes
7, 332 des Neimes wegen, denn vorder gemähetes ge-
traJrde. — abmahnen, mahnend abhalten, einen von
etwas; mahnend absordern, einem etwas. — ubmalen,
malend vorstellen, einen, etwas; indessen habe ich mich
vorigen sommer in miniatur abmalen lassen Gellert
4, 218; uneigentlich z. B. erlauben Sie mir . dasz ich
Ableitung — abmalen.