Full text: Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

26 Erstes Buch. Die Erhebung zur Großmacht. 
Oesterreich der Hilfe Sachsens versicherte, sobald Friedrich den 
Breslauer Frieden irgendwie verletzte. Im Februar 1744 er— 
fuhr der König, daß ebendort bereits im September ein Ver- 
trag geschlossen war, durch den Oesterreich und Sardinien ein- 
ander ihren Besitzstand garantierten, ohne daß dabei der durch 
den Breslauer Frieden für Oesterreich bewirkten Aenderung 
gedacht war: man ignorierte die Abtretung Schlesiens einsach. 
Ließ sich unter den obwaltenden Umständen noch zweifeln, was 
das bedeutete? 
In den Gutachten aber, die er von den Ministern v. Pode- 
wils und v. Borcke einforderte, fand der König nicht seine 
„Konvenienz“. Wenn ein Privatmann, meinte er, in seinen 
Angelegenheiten so urteilte, würde er bald bankerott sein. 
Klar erkannte er den wachsenden Ernst der Lage. Sah er 
doch, wie Oesterreich und England planmäßig gegen ihn ar- 
beiteten, und täuschte sich nicht über die Wertlosigkeit der 
Momente, die ihre friedlichen Absichten zu erweisen schienen. 
Wurde Franz von Lothringen Kaiser, so hatte Preußen drei 
Vierteile Europas gegen sich! Denn auch Holland war in dem 
Wormser Komplott. Dieses unschädlich zu machen, hätte Fried- 
rich ein Schutz= und Trutzbündnis mit Rußland und Schweden 
gewünscht, Böhmen mit französischer Hilfe erobern und mit 
Karl VII. und Sachsen teilen mögen. Aber auch dazu bedurfte 
es schnellen Losschlagens, ehe der Friede Oesterreich den An- 
griff auf ihn ermöglichte. Das aber machte die Lage der Dinge 
in Rußland unmöglich. Der von England erkaufte Günstling 
Elisabeths, Bestuschej-Rjumin, behauptete sich und die im In- 
teresse Preußens betriebene Verlobung der Prinzessin von An- 
halt-Zerbst mit dem Thronfolger Peter war noch nicht ab- 
geschlossen. Auch Schweden galt es erst durch die Vermählung 
des Kronprinzen mit Friedrichs Schwester Ulrike zu gewinnen. 
Den widerstrebenden Verhältnissen Sicherheit für die junge 
preußische Macht abzuringen, entfaltete Friedrich diplomatisch 
und militärisch fieberhafte Thätigkeit. Am 22. Mai 1744 unter- 
zeichnete er in Frankfurt mit Kurpfalz, Hessen-Kassel und Würt- 
temberg die Union als Basis der geplanten Reichsfürstenasso- 
ciation. Sie sollte Ruhe und Frieden im deutschen Vaterlande