Full text : Zur Vorgeschichte des Weltkrieges.

sein  Ansehen  im  Auslande  Schaden  erleiden  konnte.  Dabei  ist
zu  berücksichtigen,  daß  Berlin  zur  Zeit  der  englisch-deutschen  An—
näherungsversuche  und  später  der  gegen  Deutschland  gerichteten
Ententen  die  Vertreter  der  internationalen  Presse  besonders  anzog,
und  daß  diese  sich  mit  Vorliebe  der  oppositionellen  Kreise  als  In—
formationsquellen  bedienten.

Von  Anfang  an  setzte  er  für  den  Verkehr  mit  der  Presse  ein,
was  er  an  persönlicher  Anziehungskraft  ausstrahlen  konnte,  und
das  war,  nach  dem  Urteil  auch  älterer,  kühler  Zeitungsleute,  nicht
wenig.  In  seiner  Grundauffassung  von  der  Wichtigkeit  möglichst
vieler  Preßbeziehungen,  inländischen  und  ausländischen,  zur
Führnng  der  Politik  ließ  er  sich  auch  durch  die  auf  diesem  Felde
nnausbleiblichen  Enttäuschungen  in  Einzelfällen  nicht  irre  machen.
Er  wußte,  daß  nicht  sowohl  was  ein  Staatsmann  erklären  mag,
als  was  in  der  öffentlichen  Meinung  für  die  Welt  daraus  gemacht
wird,  in  der  politischen  Nachwirkung  das  Entscheidende  bleibt.
Während  eines  Ausstandes  der  parlamentarischen  Berichterstatter,
in  einer  Reichstagssitzung,  wo  die  Parteien  von  ihm  Erklärungen
über  auswärtige  Fragen  erwarteten,  blickte  Bülow  achselzuckend
zur  leeren  Journalistentribüne  hinauf,  verschränkte  die  Arme  und
blieb  schweigend  sitzen.  Denn  ohne  den  Widerhall  in  der  Presse
wäre  seine  Rede  wie  Musik  im  luftleeren  Raum  gewesen.  Dieser
den  älteren  Zeitgenossen  noch  erinnerliche  Vorfall  ist  wohl  das
stärkste  Zeugnis,  das  ein  Staatsmann  öffentlich  von  seiner
Schätzung  der  Presse  geben  konnte.

sit  Weltgewandtheit  und  Liebenswürdigkeit  hat  „der  ge—
schickte  Menschenfänger“,  wie  einer  der  besten  deutschen  Journalisten
Bülow  bezeichnete,  —  ein  anderer  sprach  später  von  „Menschenknetkunst“
  —  viele  Männer  der  Feder  für  sich  eingenommen.  Er
hatte  bald  einen  Kreis  sicherer  Anhänger,  streckte  aber  auch  Fühler
nach  Fernerstehenden  und  selbst  nach  entschiedenen  Gegnern  aus.
Bei  solchen  Gewinnungs=  und  Zähmungsversuchen  konnte  der
Eindruck  entstehen,  als  ob  er  seinen  Kahn  stets  auf  die  höchste  Welle
setzen  wollte  und  als  ob  Freunde,  die  es  schon  waren,  nicht  ganz
so  geschätzt  würden  wie  Gegner,  die  Freunde  werden  sollten.  Wie
einer  nicht  größer  wird,  wenn  er  andere  verkleinert,  so  verliert
der  Menschengewinner  auch  leicht  an  zuverlässigen  Helfern,  was  er

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