Full text : Das Erzgebirge in Vorzeit, Vergangenheit und Gegenwart.

—  488  —

eine  ansehnliche  Bergstadt  gewesen,  deren  Hauptzeche  „der  Bretschneider“
  im  Hussitenkriege  1430  zerstört  worden  sei.  1507  wurde
Hohenstein  als  Stadt  neu  aufgebaut,  da  die  Bergwerke  um  diese  Zeit
die  ansehnlichste  Ausbeute  gaben;  aber  gleichzeitig  mit  dem  Beginn
des  Bergbaues  am  Zechenberge  ließen  sich  1517  die  ersten  Weber  in
Hohenstein  nieder.  Im  16.  Jahrhundert  trieb  man  Bergbau  auf
Kupfer  und  auf  Arsenik;  eine  Schmelzhütte,  sowie  eine  Arsenik=  und
Gisthütte  stand  vor  der  Stadt,  der  Zechenteich  sammelte  die  Aufschlagwasser
  für  die  Gruben.  Aber  schon  im  dreißigjährigen  Kriege  kam
der  Bergbau  in  Verfall  und  seit  Ende  des  18.  Jahrhunderts  ganz
zum  Erliegen.  Umgeben  von  dem  Glimmerschiefer  findet  man  Serpentin,
  sowie  in  einzelnen  Nestern  Achat,  Tobas,  Karneol  u.  s.  w.
Die  Schnabelgasse  trennt  Hohenstein  von  Ernstthal,  welches  der  in
Hohenstein  herrschenden  Pest  seinen  Ursprung  verdankt.  Denn  um
dem  Pestheerde  zu  entfliehen  wurde  1679  das  erste,  1680  das  zweite
Haus  der  Stadt  erbaut,  welche  schnell  an  Häuser=  und  Einwohnerzahl
  zunahm  und  1689  schon  eine  eigene  Kirche  erhielt.  Beide
Städte  treiben  Strumpfwirkerei  und  Weberei.  Auf  der  oberen  Seite
des  terrassenförmig  ansteigenden  Marktes  von  Hohenstein  hat  man
einen  sehr  guten  Ausblick  gebirgsaufwärts,  bis  zum  Keil-,  Fichtelund
  Auersberge,  Greifenstein  und  Schatzenstein.  Schon  1805  schrieb
K.  Ruheim:  „Da  lagen  die  blauen  Berge  des  Erzgebirges;  immer
erhob  sich  einer  über  den  anderen,  die  höchsten  derselben  schienen  den
Himmel  zu  küssen.  Der  Fichtelberg,  Auersberg  und  Riesenberg  erhoben
  sich  über  alle  und  neben  ihnen  sah  man  in  weiterer  Entfernung
  auch  noch  einige  böhmische  sich  in  den  Wolken  verlieren.“  Eine
halbe  Stunde  nordwestlich  von  der  Stadt  liegt  im  waldigen  Thale
des  Hüttenbaches,  dicht  an  der  Waldenburger  Chaussee,  das  Bad,  ein
vielbesuchter  Vergnügungsort,  wo  eine  Stahlquelle  zur  Errichtung  einer
Badeanstalt  Veranlassung  gab.

Hohenstein  ist  Geburtsort  des  Naturforschers  G.  H.  v.  Schubert,
  1780,  1  1860;  Ernstthal  des  Historikers  und  Professors
der  Politik  und  der  Staatswissenschaften  K.  H.  L.  Pölitz,  1772,
1838.

Im  Norden  der  Stadt  erhebt  sich  der  langgestreckte  Glimmerschieferrücken,
  dessen  höchste  Punkte  die  bewaldete  Langenberger  Höhe,
der  Pfaffenberg  und  der  Todtenstein  bilden.  Auf  diesem  letzteren,
von  Hohenstein  6  km,  von  Grüna  ca.  2  km,  hat  man  einen  eisernen
Aussichtsthurm  errichtet.  Nach  Norden  hat  man  eine  recht  hübsche

1045  *)  Carl  Beckert,  das  Bad  Hohenstein.  (3  Stahlstiche,  1  Plan.)  Leipzig