114 Zweites Buch. III: König Konrads Ende.
Hauptstadt einfand'"). Nicht nur ordnete Eugen die zahlreichen lothringischen
Streitigkeiten und Kämpfe, als ob er der weltliche Oberherr der hadernden
Grafen gewesen wäre's), auch die Händel zwischen Deutschland und Polen
zog er vor sein Forum. Nach dem unglücklichen Kriegszuge Konrads nach
Polens!##ig) hatte sein verjagter und dem Kirchenbann verfallener Schwager
Wladislaw sich beständig bei ihm aufgehalten. Alle Bemühungen des Königs,
ihn wenigstens von dem Banne zu befreien, waren vergeblich geblieben. Jetzt
1148 wandte sich König Heinrich noch einmal an Eugen III. mit dem Ersuchen,
seiner Base zu ihren Rechten in Polen zu verhelfenf). Der Papst antwortete
dem Könige erst nach geraumer Zeit, und zwar durch ein in sehr kühlem und
väterlich ermahnendem Tone gehaltenes Schreiben, in dem er dem Könige
die Absendung eines Legaten nach Polen anzeigte und versprach, die Inter-
essen von Heinrichs Tante zu fördern, „so weit es mit der Stellung des hei-
ligen Stuhles verträglich seift)“.
Beisolchen teils Übergriffen, teils verstellten Feindseligkeiten des Papstes
mußte die Stimmung zwischen diesem und dem zwar jungen, aber doch schon
selbstbewußten und begabten Staufer eine immer gereiztere werdenff##); zu-
mal da Heinrich auch durch zahlreiche andere Schwierigkeiten, wie durch die
Empörung oder doch Undienstfertigkeit vieler königlichen Mmisterialen in Auf-
regung versetzt wurdes#).
Zuerst kam es über die Wahl eines Abtes in Fulda zum Streite zwischen
König und Papstss). Dann suspendierte Eugen plötzlich den Erzbischof Arnold
von Cöln, weil dieser der päpstlichen Weisung, auf dem Konzil zu Reims zu
erscheinen, nicht nachgekommen war s). Den Erzbischof Heinrich von Mainz
zitierte Eugen gleichfalls nach Reims; auch er erschien—aus welchem Grunde,
ist unbekannt — dort nicht. Lebhaft ergriff König Heinrich die Partei seines
ungerecht verklagten"t) Hauptberaters und Vormundes und schrieb selbst an
den Papst zur Entschuldigung des Erzbischofes, daß dieser nach altem Her-
°) Jaffé, Konr. III., S. 157. — Um diese Zeit #es. 1147) empfahl Heinrich der
Löwe den Abt Wibald an den Papst, 57. Epist. Wib
½#% Graf Heinrich von Namur versichert dem Papste, daß er sich allen Beschlüssen,
die dieser au auf der Trierer Synode über seine Streitigkeiten gefaßt, unterwerfen wolle.
S7. Epist. Wib., p. 160.
SE. 86.
) 44. Epist. Wib.
) Quantum pro honestate nostra poterimus. 80. Epist. Wib., p. 154. Der Schluß
dieses Briefes ist für das Verhältnis des Papstes zu Köni Heinrich höchst charakte-
ristisch: Ceterum in puerili setate constitutus ita bonis et honestis actis inrumbere
studeas, ut de tuis sucoessibus mater tua Sancta Romana Ecclesia gratuletur. L1!
ff Man sehe z. B. den Brief Wibalds an die Schwester des Kanzlers Arnold.
96. Epist. Wib.
5) Epist. Cuonradi regis ad inniorem regem Heinricum M. G. Leges II, p. 169.
44) Jasfé, Konr. III., S. 160 ff.
%%% Chr. Reg. Colon., p. 86. — 204. Epist. Wib., p. 323.
5% Christiani II. archiepiscopi Moguntini Chronicon Moguntinum ap. Bochmer.
Fontes III., p. 258 f.