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rativrepubliken, gleich denen der Schweiz und Nordamerikas vor.
Die Anhänger des Alten wollten gleichfalls nur ihren Particu-
larismus verewigen und die Fürsten überschütteten ihre Länder
und Ländchen mit Freiheiten, um über der Freiheit die Einheit
in Vergessenheit zu bringen. Unterdeß war auch das tief zer-
rüttete Oesterreich durch russische Hülfe wieder zu Kräften ge-
kommen und der König von Preußen somit außer Stand gesetzt,
die ihm von den National-Liberalen angebotene Kaiserkrone an-
zunehmen. Diese National-Liberalen in der Paulskirche, die
bald darauf sog. Gothaer, hatten die Einheit über der Freiheit
nicht so blind vergessen, wie die Demokraten, aber Fehler über
Fehler begangen, indem sie sich zu tief mit den Demokraten
eingelassen, zu sehr um Popularität gebuhlt, den König von
Preußen zu wenig moralisch unterstützt und den Mißgriff mit
dem Erzherzog Johann begangen hatten.
Während dieser Verwirrung in Deutschland sah Rußland
ruhig und lauernd zu und ergriff den günstigen Anlaß, ge-
bieterisch in die deutsche Machtsphäre einzugreifen. Von dem
bedrängten Oesterreich um Hülfe angerufen, leistete es dieselbe
aber nur, um Oesterreich dadurch tief zu demüthigen und es
seine ganze Ueberlegenheit fühlen zu lassen. „Ungarn liegt Ew.
Majestät zu Füßen“, meldete der russische Feldherr seinem Koaiser.
Oesterreich aber suchte den einzigen Ersatz für seine Demüthigung
darin, daß es sich mit demselben Rußland vereinigte, um auch
Preußen zu demüthigen. Rußland hatte schon längst nach dem
Schlüssel der Ostsee, d. h. nach dem Besitz Dänemarks getrachtet.
Diesen Schlüssel an sich zu bringen, bot sich ihm jetzt die gün-
stigste Gelegenheit, denn das dänische Königshaus war am Aus-
sterben und durch eine Heirath dachte Rußland sich des dänischen
Erbes zu versichern. Diese erste Intrigue wurde durch einen
Todesfall vereitelt, doch war Rußland gleich mit einer zweiten
bei der Hand, um Dänemark wenigstens in einer späteren Zeit