156 XIX. Statuta Raimundi 1501.
XIX.
Statuta Raimundi de anno 1501 und ihre Vorgeschichte
(der Statutenentwurf vom Jahr 1490).
Noch gegen Ende der Regierung des Propsts Albrecht (I.) von
Kechberg, am 2. September 1501, erhielt das Stift Ellwangen neue -
konfirmierte Statuten seitens des päpstlichen Legaten für Deutschland,
des Kardinals Raimund Peraudi, Bischofs von Gurk.')
Über die Vorgeschichte der neuen Satzungen erfahren wir
aus dem Eingang kurz folgendes: Propst, Dekan und Kapitel liessen
im August 1501 durch eigene Abgesandte dem damals auf dem
Reichstag zu Nürnberg weilenden kardinallegaten?) die bei der
lurektion des Stifts von Kardinal Peter von Augsburg festgesetzten Statuten
und einige Zusätze (bezw. Abänderungen) zu diesen überreichen,
die sie „in gemeinsamer Beratschlagung zur Ehre Gottes und zum
Besten des Stifts‘‘ gemacht hatten, und baten den Legaten, diese neuen
Satzungen kraft der ihm vom Papst verliehenen Vollmacht zu
bestätigen. Peraudi liess letztere zuerst einer genauen Prüfung per
viros probos et peritos unterziehen, welche eryab, dass die Zusätze
und Abänderungen nicht unbillig seien und den Statuten und Gebräuchen
anderer deutscher Stifter entsprechen; nachdem er sich hierauf auch
noch persönlich von der Richtigkeit dieses Gutachtens überzeugt hatte,
liess er die alten Statuten (vom Jahr 1460) und die neuen Satzungen
in einem Libell zusammenstellen und erteilte dem Ganzen am 2.September
ddie Destätigung.
u 1) Über Raimund Peraudi vgl. Joh. Schneider, Die kirchliche und pnlitische
Wirksamkeit des Legaten R. P. (1466—1505), Halle 1882: wichtige
Ergänzungen hiezu bieten Gottloh im Historischen Jahrbuch VI (1886), 438
bis 461, und Nik. Paulus ebd. XXI (1900), 645—682 ; Joh. Ev. Weis-Liebersdorf,
Das Jubeljahr 1500 in der Augsburger Kunst, 1901 $8. 226 ff. Pastor,
Geschichte der Päpste III, 468 f. 513 f.: Hergenröther-Hefele, Coneiliengeschichte
VIII, 361f.; Grube in KL. IX, 1799 f.: KHL.II, 1401f. Das
Itinerar des J.egaten 1501/02 gibt Schneider a. a. (). $. 117.
?) Peraudi trat während seiner 2. deutschen Legation mehrfach in
Beziehungen zum Stift Ellwangen. Am selben Tag, da er die Statuten bestätigte,
inkorporierte er die Pfarrei Oberfischach zwecks Ierrichtung einer Prädikatur
dem Stifiskapitel (WYVjh. 1908 S. 295 f.); fast gleichzeitig (Nürnberg, 31. Auqust
1501) legitimierte er die natürlichen Söhne des Propsts Albrecht I., Albrecht
und Stephan Lechberger (WVijh. 1908 $S. 196 f.), Kurze Zeit hernach, am
17. Januar 1502, bestätigte er in Schwäbisch Hall, wo er den Ablass verkündete
(vgl. Herolts Chronik in WGQu. I, 169*'), die St. Veitsbruderschaft und verlieh
für dieselbe einen Ablass (Anhang Nr. III). Am 27. Juli 1502 befahl
er von Ulm aus, das Stifiskapitel im Genuss der kinkünfte der Pfarrei Oberfischach
zu schützen (WYVjh. 1908 S. 297).
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