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ziffern der Gesammtbevölkerung verdreifacht, um auch für 1895 die Sterbeziffern des erwähnten jüngsten
Drittels der Bevölkerung zu erhalten, wie fie damals auf der Karte für 1898 dargestellt worden sind.
Proben haben ergeben, daß man zu dem Zwecke jene Ziffer in den Landbezirken mit etwas weniger als
3, in den Stadtbezirken mit etwas mehr als 3 multipliziren muß. 1) —
Die beigefügte Karte läßt endlich ersehen, daß nur noch in drei Provinzen des äußersten Nordostens
die Mehrzahl der Kreise eine Sterbeziffer an Diphtherie von mindestens 10 auf je 10000 Einwohner
gehabt hat. In diesen drei Provinzen (Ostpreußen, Westpreußen und Posen) sind aber ärztliche
Feststellungen der Todesursache relativ selten, und die gemischten Sprachverhältnisse lassen vermuthen, daß
der in die Sterbelisten eingetragene Ausdruck „Bräune“, „Diphtherie" oder „Croup“ nicht immer dem
wahren Wesen der tödtlichen Krankheit entsprochen hat. In der Provinz Sachsen hat fast die Hälfte der
Kreise (7/15 derselben) die hohe Sterbeziffer gehabt, in Schlesien und Pommern 25 der Kreise, in Württemberg
½, in den drei westlichen Provinzen Preußens durchschnittlich ½, im Kgr. Sachsen ½, in Hessen ½,
in Elsaß-Lothringen ½/11, in Baden kaum 1/18 der gesondert dargestellten Bezirke. In den noch nicht
genannten sechs kleineren Bundesstaaten hat sich ebenso wie in Schleswig-Holstein sogar kein einziger Bezirk
mit einer Sterbeziffer von 1 00 oder mehr gefunden.
Faßt man das Ergebniß zusammen, so hat während des Jahres 1895 die Diphtherie die
geringste Bedeutung als Todesursache gehabt:
innerhalb Preußens in den Regierungsbezirken Schleswig, Lüneburg, Stade, Aurich,
Düsseldorf, Aachen,
innerhalb Bayerns in der Oberpfalz und in Mittelfranken,
sonst in Braunschweig, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Coburg-Gotha, Schaumburg-Lippe,
Bremen und Hamburg.
In Schleswig--Holstein, das früher, namentlich im Jahre 1885, sehr stark von der Diphtherie
heimgesucht war, (vergl. u. a. Veröffentl. d. K. G. A. 1887 S. 743 und die Ergebnisse der Heilanstaltsstatistik
in Bd. IV der Arbeiten a. d. K. G. A. S. 265 und 266) sind jetzt in keinem Kreise mehr als
10 auf je 10 000 Lebende aller Altersklassen gestorben, und in der ganzen Provinz sind sogar nicht einmal
10 von je 10 000 Lebenden der kindlichen Altersklasse bis zu 15 Jahren an der Diphtherie gestorben.
III. Die dritte der beigefügten Karten soll veranschaulichen, welche Verheerungen die Lungentuberkulose
unter Personen von 15 bis 60 Lebensjahren in jedem engeren Verwaltungsbezirke (Kreis,
Bezirksamt 2c.) während der vier Berichtsjahre 1892 bis 1895 angerichtet hat.
Nach den Ergebnissen der Volkszählung vom 1. Dezember 1890 lebten in denjenigen neun
Bundesstaaten, welche für alle 4 Berichtsjahre Ausweise über die Todesfälle an Lungentuberkulose eingesandt
haben, 23 192 179 Personen im Alter von 15 bis 60 Jahren; während der vier Jahre starben in denselben
Staaten an Lungentuberkulose 71.067, 78 348, 73 090, 71 640 Personen von 15 bis 60 Jahren,
also im Durchschnitt jährlich 31 auf je 10 000 damals gezählte Lebende. Nimmt man an, daß, entsprechend
der neuerdings festgestellten Zunahme der Gesammtbevölkerung im Deutschen Reiche um die Mitte der
vierjährigen Berichtszeit, also am 1. Jannar 1894, die Zahl der Lebenden in der beregten Altersklasse
sich auf 23 978 780 belausen habe, so würde als jährliche Durchschnittsziffer 30,1 sich ergeben.
Um ein möglichst vollständiges Bild über die Verbreitung der Lungenituberkulose im Deutschen
Reiche zu gewinnen, sind auf der Karte auch diejenigen Bundesstaaten berücksichtigt worden, welche nur
für 3, für 2, oder auch nur für eins der 4 Berichtsjahre Ausweise über die Zahl der Todesfälle an
Lungentuberkulose geliefert haben, also auch Bayern, Braunschweig, Sachsen-Meiningen und Schaumburg--Lippe.
In Bayern wurden am 1. Dezember 1890 in der Altersklasse von 15—60 Jahren 3 189 030
Lebende gezählt, und in den drei Berichtsjahren, für welche Ausweise vorliegen, starben 12 038, 12181,
11 917 Personen des gleichen Alters an Lungentuberkulose, mithin im Durchschnitt jährlich 39 auf je
1) Bezeichnet man mit G die Sterbeziffer der Gesammtbevölkerung an Diphtherie, — mit J
die betr. Sterbeziffer der jugendlichen Personen von 0—15 Jahren, so ist, wenn man beispielsweise
für die Stadt Berlin und den vorwiegend von einer Landbevölkerung bewohnten Reg.-Bez. Marienwerder
diese Sterbeziffern errechnet, in Berlin G- O, J — 2,¼ 0%0,
im Reg.-Bez. Marienwerder G= 1,, J — 3,w 0%, »
also J in ersterem Falle mehr als dreimal, im letzteren Falle weniger als dreimal so groß wie G.