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es wurde von diesem aber in der Folge als Recht beansprucht, wodurch
es gewissermaßen der Ausgangspunkt des Kampfes zwischen Kaiser und
Papst geworden ist, der das ganze Mittelalter beherrschte.
Die Nachfolger Karls hatten es dem Papsttum gegenüber schon
schwieriger, zumal ihre Macht durch innere Kämpfe in der Regel erheblich
geschwächt war, so daß das Papsttum seinem Ziel der weltlichen
Oberhoheit über die katholische Christenheit immer näher kam. Die ganze
Tätigkeit und Entwicklung der Kirche im Mittelalter hat dann auch unverkennbar
hauptsächlich eine politische Seite. Die Fürsten und auch die
Kirche waren sich darüber einig, daß die christlichen Schafe gründlich geschoren
und diechristlichen Bauern gründlich geschunden werden mußten;:
sie waren sich nur nicht über die Verteilung der Beute einig, da der eine
dem anderen seinen Beuteanteil mißgönnte. Diese rein politische und
auch rein materialistische Seite des Christentums wurde im Mittelalter
vorherrschend. Sie hatte mit der Lehre Christi und mit dem Nachleben
der ersten Christen auch nicht mehr die entfernteste Ahnlichkeit; sie hat
dann auch bald zu jenen erbitterten Kämpfen zwischen Fürst und
Klerus geführt, die das Germanentum auszutragen hatte und wenn es
nicht daran zugrunde gegangen ist, so hat es dieses nur seiner
unverwüstlichen gesunden Natur zu verdanken.
Es läßt sich nicht verkennen, daß die Germanen durch die Bekehrung
zum Christentum einen für sie verhängnisvollen Schritt getan
haben, denn sie sind damit in eine weltbürgerliche Aussöhnungspolitik
orientalischer Herkunft geraten, in der sie mit ihrer Aufrichtigkeit und
Ehrlichkeit bis heute noch keinen Schritt weiter gekommen sind, da sonst
der Weltkrieg 1914—18 eine Unmöglichkeit sein mußte. Das Christentum
hat im Gegenteil durch seine philosophische Unsicherheit die natürlichen
nationalen und Rassegegensätze noch durch widernatürliche konfessionelle
vermehrt und dadurch die unheilvollen Bruderkriege entfacht,
von denen der 30 jährige Krieg für Deutschland so schwerwiegende Folgen
gehabt hat. In dieser Hinsicht ist das Christentum in seiner
römischen Aufmachung für das Germanentum eine orientalische Pille
gewesen, an der es fast zugrunde gegangen ist.
Anderseits hat die Kirche durch Einführung des Gottesgnadentums
für die Fürsten auch dem weltlichen Absolutismus erst die Wege
geebnet, wenn auch schließlich nur, um ihn für sich zu gebrauchen.
Während bis dahin bei den Germanen Fürst und Volk mehr oder
weniger durch Treue miteinander verbunden waren, so bildete sich
durch das Christentum das Verhältnis der Erbuntertänigkeit heraus,
nach der schließlich das Volk als geknechtete Masse nur noch als Mittel
für fürstlichen Größenwahn angesehen wurde.