Full text : Zentralblatt für das Deutsche Reich. Vierunddreißigster Jahrgang. 1906. (34)

(Juli.]

August  1.

696  1611  303  —%04.

wird  dabei  alles  dasjenige,  was  oben  bei  des  kaisers  person  angedeutet,
hiehero  in  acht  zu  nehmen  und  der  konig  anders  nit  dan  ordinaria
via  durch  wahl  der  churfursten,  wie  es  im  reich  herkommen,  zus  admittiren,
  fur  allen  dingen  aber  und  so  viel  nur  immer  möglich  es  dahin
zu  richten  sein,  dass  die  resignirung  des  kaiserthumbs  cuımn  reputatione,
gutem  willen  und  vorhergehender  abhelfungeder  reichsgravaminum
zugebe  und  der  neue  angehende  kaiser  solches  alles  festiglich  zu
halten  und  erfolgen  verspreche.

Wie  hochnötig  es  nun  sei,  dass  sich  chur-  und  fursten  im  reich
des  kaisers  und  alles  dessen,  was  eine  zeit  hero  vorgangen,  anncehmea
und  Jarunder  weder  zeit  noch  gelegenheit  mehr  verabseumen,  das  ist
aus  obigem  allen  gnugsamb  abzunehmen  und  will  damit  umb  so  viel
weniger  zu  feiren  sein,  dieweil  man  die  gewisse  nachrichtung  hat,
dass  I.  M.‘  aus  Böheimb  eilen  und  sich  förderlichst  naher  Regenspurg
begeben  wollen,  welches  dann  viel  gute  cousilia  verhindern  und  umlbstossen,
  auch  den  zustand  nur  beschwerlicher  marhen  wurde.  Nun
kömpt  obangeregter  consideration  sehr  wol  zu  statten,  der  itzo  vorstehende
unions-  wie  auch  negchstvolgende  angestellte  churfurstentag,
und  gleichwie  ohn  das  bei  der  unirten  stende  vorsamblung,  dabei  sich
zweene  churfursten  des  reichs  befinden,  von  diesem  allen  zweifelsfrei
notwendige  deliberation  gehalten  werden  wird,  als  wurde  auch  zu  sehr
grosser  und  guter  correspondeuz  dienen  und  dem  gemeinem  wesen
nit  wenig  vortreglich  sein,  wenn  I.  chfl.  Gn.  zue  Sachsen  durch  eine
abordnung,  die  ohne  das  in  den  gülichischen  sachen  von  nöten,  bei
den  unirten  stenden  wegen  I.  ksl.  M.‘  und  des  reichs  itzigen  zustands
gute  erinnerung  thuen  liessen.

Der  liebe  Gott  verleihe  uberall  sana  et  salutaria  consilia,  die
einzig  dahin  gerichtet  sein,  dass  friede  und  ruhe  im  heiligen  reich
erhalten,  desselben  authoritet  und  reputation  conserviret  und  dessen
ansehnliche  vires  vielmehr  gegen  den  erbfeind  gebraucht  werden
mögen  ;  denn  dass  wir  uns  selbst  unter  einander  enerviren,  ruinirn
und  damit  endlichen  dem  erbfeinde  und  andern  das  schwert  wiedk
uns  selbsten  in  die  hende  geben  sollen.“

Dre.,  1.  7387,  I.  Buch  Kurfürstentags,  f.  81;  Kopie.

304.  Melchior  Kblesl  an  Erzherzog  Maximilian,

Auf  das  Schreiben  vom  24.  Juli.!  Ich  freue  mich,  dass  E.  D!
sich  meinen  Einfall  gefallen  lassen  und  soll  es  seiner  Zeit  auch  darnach
gerichtet  werden,  wenn  wir  nur  Erzherzog  Albrecht  dazu  überreden,  wozu
E.  D.'  viel  tun  können.  Was  die  Mitteilung  der  Avisen  anlangt,

!  Khlesl  hatte  durch  ein  Schreiben  vom  12.  Juli  dem  Ersherzog  wegen
der  gefährlichen  Konfoederation  der  Erblande  [vgl  no.  284,  S.  658]  eine  per
sönlicbe  Zusammenkunft  aller  österreichischen  Erzherzoge  vorgeschlagen,
welchen  Vorschlag  der  Erzherzog  in  dem  Schreiben  vom  24.  Juli  (Ib,
Maximilinnische  Hofkonzepte  im  Juli  1611,  no.  37;  Kpt.)  annimmt.