Metadata : Das Deutsche Reich in gesundheitlicher und demographischer Beziehung.

116  1I.  6.  Bekämpfung  der  Krankheiten.

zur  Richtschnur  bei  dem  Vorgehen  der  Polizei-  und  Verwaltungsbehörden  in  den
Einzelstaaten  dienen  können.  Diese  Leitsätze  beziehen  sich  auf:  1.  Vorbeugungsmassregeln,
  2.  Anzeigepflicht  für  Typhusfälle,  3.  Ermittelung  der  Krankheit,  4.  Massregeln
  gegen  die  Weiterverbreitung  der  Krankheit  und  5.  Allgemeine  Vorschriften.

Unter  den  Vorbeugungs  massrege/n,  die  in  den  an  der  'Typhusbekämpfung
  beteiligten  Ortschaften  zur  Anwendung  kommen,  sind  die  Beaufsichtigung
des  Wohnungswesens,  die  Reinhaltung  der  Aborte,  die  Entleerung  der  Abtrittsgruben,
die  Wasserversorgung  und  Fortschaffung  der  Abfallstoffe,  die  Beschränkung  der
Wasserbenutzung,  die  Abführung  der  Schmutzwässer,  die  verschärfte  Beaufsichtigung
des  Verkehrs  mit  Nahrungs-  und  Genussmitteln,  die  Beschaffung  der  für  die  Bekämpfung
der  Krankheit  erforderlichen  Einrichtungen  zu  erwähnen.

Der  Anzeigepflicht  sollen  unterliegen  sowohl  die  zweifellos  feststehenden

als  auch  die  nur  verdächtigen  'Typhusfälle.

Bei  der  Ermittelung  der  Krankheit  soll  ausser  den  beamteten  Ärzten
auch  der  Leiter  der  bakteriologischen  Untersuchungsanstalt  behilflich  sein.  Ihm  wie
den  beamteten  Ärzten  soll  zu  diesem  Zwecke,  soweit  der  behandelnde  Arzt  es
ohne  Schädigung  des  Kranken  für  zulässig  hält,  der  Zutritt  zum  Krankenbette  ermöglicht

  werden.

Unter  den  Massregeln  gegen  die  Weiterverbreitung  der
Krankheit  ist  zunächst  die  Absonderung  kranker  und  krankheitsverdächtiger
Personen  vorgesehen.  Personen,  welche  nach  Ausweis  der  bakteriologischen  Untersuchung
  Typhusbazillen  mit  ihren  Ausleerungen  ausscheiden,  jedoch  gar  keine  oder  nur
geringe  Krankheitserscheinungen  darbieten  (sogenannte  Typhusbazillenträger),  ferner
Genesende,  in  deren  Ausleerungen  bei  der  bakteriologischen  Untersuchung  noch
Typhuserreger  gefunden  werden,  sollen,  soweit  es  sich  erreichen  lässt,  wie  Kranke
behandelt  werden.  Wo  die  gesetzliche  Unterlage  zu  solchem  Vorgehen  gegen
Bazillenträger  und  Dauerausscheider  fehlt  oder  aus  wirtschaftlichen  Rücksichten  das
gedachte  Verfahren  sich  als  unausführbar  erweist,  soll  durch  Belehrung  und  Zureden
versucht  werden,  die  Bazillenträger  wenigstens  zur  regelmässigen  Desinfektion  ihrer
Abgänge  und  der  Wäsche  zu  bewegen  und  ihnen  die  Überzeugung  beizubringen,  dass
sie  bei  Unterlassung  dieser  Vorsichtsmassregel  nicht  nur  sich  selbst  von  neuem  anstecken
  können,  sondern  auch  ihre  Umgebung  ununterbrochen  schwer  gefährden.  Die
Überführung  Typhuskranker  in  ein  Krankenhaus  ist  als  die  beste  Massnahme
anempfohlen.  Die  Absonderung  von  Typhuskranken  soll  so  lange  dauern,  bis  die
Ausleerungen  bei  mindestens  zwei  in  einwöchigem  Zwischenraume  vorgenommenen
bakteriologischen  Untersuchungen  sich  als  frei  von  'Typhuserregern  erwiesen  haben.
Wo  es  sich  ermöglichen  lässt,  soll  mit  der  Aufhebung  der  Absonderung  noch
gewartet  werden,  bis  auch  eine  dritte,  nach  Ablauf  einer  Woche  vorgenommene
Untersuchung  ergeben  hat,  dass  Typhuserreger  nicht  mehr  ausgeschieden  werden,
Ansteckungsverdächtige  Personen  sollen  einer  dreiwöchigen  Beobachtung,
  unter  Umständen  verbunden  mit  bakteriologischen  Untersuchungen,  unterworfen
  werden,  Ausserdem  sind  Bestimmungen  aufgestellt,  die  sich  beziehen  auf  die
Führung  eines  Krankenverzeichnisses,  die  Räumung  von  Wohnungen  oder  Häusern
und  ihre  Kennzeichnung,  auf  die  Krankenbeförderung,  auf  Verkehrsbeschränkungen
für  das  Pflegepersonal,  auf  die  Behandlung  von  Leichen,  die  Desinfektion,  das  Verbot
grösserer  Menschenansammlungen,  das  Verhalten  schulpflichtiger  Personen,  die
Schliessung  der  Schulen  und  die  Beschränkung  von  Gewerbebetrieben,

Der  letzte  Abschnitt  „Allgemeine  Vorschriften“  enthält  Bestimmungen
  über  die  wechselartige  Benachrichtigung  der  Militär-  und  Polizeibehörden,  sowie
  den  Nachrichtenaustausch  der  Verwaltungsbehörden  benachbarter  Bezirke.

Den  Allgemeinen  Leitsätzen  für  die  Verwaltungsbehörden  bei  der  Bekämpfung
des  Unterleibstyphus  sind  beigegeben  5  Anlagen,  nämlich  Ratschläge  für
Arzte  bei  Typhus  und  Ruhr,  das  Typhus-Merkblatt,  Muster  für  die