Dann endlich beantwortete der Reichskanzler die amerikanische Note mit
dem Hinweis auf den erlassenen neuen Befehl. Wllson antwortete unfreundlich
und zurückhaltend. Der „Lusitanla-Fall“ war damit erledlgt — aber auch
der U-Boot-Krleg. Er schleppte sich nun noch ohne Sinn und selbstverständlich
ohne nennenswerte Ergebnisse welter. Immerhlin reichte es noch zu elnem zweiten
Zwulschenfall: am 19. August wurde der englische Dampfer „Arable“, auf dem
sich wiederum Amerikaoner befanden, von U 24 in Notwehr torpedlert, nachdem
er sich zu einem Angriff auf das U-Boot angeschlckt hatte. Ehe eine amerikanische
Kundgebung, ja nur eine amtliche Meldung vorlag, erwirkte daraufhin der
Relchskanzler beim Kalser, ohne daß weder der Chef des Admiralstabe, Bachmann,
noch der Staatesekretär des Reichemarineamte, Tirpitz, vorher gehört
worden wären, einen neuen Befehl an die Marine, durch welche das Verbot,
große Passaglerdampfer zu torpedieren, auf alle Passaglerdampfer ausgedehnt
wurde. Das bedeutete die Unmöglichkeit, größere Dampfer überhaupt zu fassen.
Daraufhin baten Bachmann, Tirpi#tz und der Flottenchef Pohl um ihre
Entlassung. Bachmann wurde durch den Admiral v. Holtzendorff ersetzt.
Tirpitz' Gesuch wurde zwar abgelehnt, aber der Kaiser eröffnete ihm, „daß ein
Zusammenarbeiten des Relchskanzlers mit ihm in den Marinefragen, welche
das Gebiet der auswärtigen Politik berührten — und das selen so ziemlich alle
Fragen der Seekriegführung — auogeschlossen sei, und daß deshalb auf selne
regelmäßige beratende Mitwirkung auf diesem Geblete verzichtet werden müsse“.
Auch das Gesuch Pohls wurde nicht bewilllgt, seine Vorstellungen gegen die
Einschränkung des U-Boot-Krieges aber wurden mit der Er##rung zurückgewiesen,
daß ihm „die volle Kenntnis der politischen Sachlage fehle“.
Mit einem Worte: unbedingter Sieg dee Reichskanzlers, Verzicht auf jede
wirksame Führung des U-Boot-Krlegee, krotzdem aber ulcht der Mut, die Folgerungen
vor Welt und Nation zu zichen und den U-Boot-Handelskrleg ganz einzustellen!
Ein wahrhaft klägliches Bild der Zerfahrenheit und Entschlußlosigkeit.
Dabel hatte sich die Erkenntnie von der Leistungefähigkeit der U-Boote
noch lmmer gesteigert. Hersing war mit U 21 schon im April 1915 ins Mittelmeer
gefahren! Hort war eine neue U-Boot-Basis elngerlchtet und den U-Booten
ein neues Wirkungsgebiet in der Betelligung am Dardanellenkrieg und später
am Kampfe gegen IStalien eröffnet worden.
Der U-Boot-Handelskrieg aber schleppte sich unter den denkbar trostlosesten
Bedingungen durch das Jahr 1915 welter fort. Und dennoch schlug er dem
britischen Handeleperkehr tiefe Munden. Im Jahre 1915 wurden im ganzen
über ein und eine plertel Million Bruttoregistertonnen feindlichen Schifferaumes
versenkt; dle englischen Frachtsätze erhöhten sich bis zum Jahresschluß
auf das Zehnfache, und schon damale trat es klar in dle Erscheinung, daß die
Hauptbedeutung des U-Boot-Krleges in der Herbeiführung einer immer empfindlicheren
Frachtraumnot lag.
Es ist nur zu begreiflich, daß angesichts solcher Leistungen bel Flotte, Dcer
und Volk elne leldenschaftliche Erörterung der Frage einsetzte, ob der Standpuntt
der Relchsregierung berechtigt sei, deren Bemühungen sich ale vornehmstes
Ziel gesteckt hatten, den Beitritt Amerikas zum Feindbunde mit allen
Mitteln und um den Prels jedes Opfers zu verhindern — oder ob nicht alles
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