Full text: Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Dritter Band. (3)

Der Überfall von Scarborough und Lustangrifse 27 
Das asiatische Kreuzergeschwader, das Tsingtau verlassen und die Südsee 
durchquert hatte, traf an der chilenischen Küste auf ein britisches Ge.- 
schwader, stellte es zum Kampf und erfocht am 1. November vor 
Coronel den ersten Seesieg, den der Weltkrieg dem deutschen Volle auf. 
gespart hatte. Wenige Tage später, am 8. Dezember, wurde das siegreiche 
Geschwader bei den Falklandsinseln von den Briten vernichtet. 
Inzwischen wuchs der Landkrieg in neue Gestalt. Hindenburg stellte sich 
plölich dem durch Polen und Galizien vorrückenden Feinde entgegen 
und stieß ihm nach dem kühnen Flankenmarsch von Kreuzburg nach Thorn 
das Wergeleungsschwert tief in die rechte Weiche. Bei Wlozlawec, Kuino 
und Lodz geschlagen, bei Limanowa von den Osterreichern umfaßt, trar 
Nikolai Nikolojewitsch den Rückzug auf Warschau an und richtete sich auf 
dem Weichselglacis und am Dunajee zur Werteidigung ein. 
Im Westen rüstete Joffre zum ersten Angriff auf den deutschen Kordon. 
Der überfall von Scarborough und die Luftangriffe auf 
Cuxhaven und Barmouth 
Am 16. Dezember, dem Tage, da die Franzosen zum ersten Angriff 
auf die deutsche Wehrstellung antraten und die Russen hinter die Rawka 
und den Dunajec zurückgingen, lief das deutsche Kreuzergeschwader zu 
einem neuen Dberfall auf die englische Küste aus. Gestlcht auf die Hochsee. 
flotte, die Admiral v. Ingenohl in Bewegung sethzte, erschien das Kreuzer. 
geschwader bei Tagesgrauen vor den Küstenplägen Scarborough und Hartle- 
pol. Hipper machte sich durch die Minensperre Bahn, verjagte die britischen 
Wachtboote und zerstörte die Küstenbatterien, die Wasser- und Gaswerle 
und die Signalstation Widby. Diesmal forderte die Beschießung unter der 
friedlichen Bevölkerung größere Opfer. Oie britische Flotte war nicht zu 
sehen. Gegen Mittag traten die Deutschen den Rückmarsch an und erreichten, 
von aufkommendem Wetter mit Sturzseen überschüttet, noch einmal un- 
gefährdet die heimischen Gewässer. In England rief man ungeduldig nach 
Vergeltung. 
Auch dieser zweite Vorstoß gegen englisches Land blieb ohne Be- 
deutung. In welchem Amfange er zur Deckung deutscher Minendampfer 
diente, entzieht sich der Beurkeilung. Jedenfalls wurde der von beiden Seiten 
entfesselte Minenkrieg der Handelsschiffahrt gefährlicher als den Kriegs. 
schiffen und riß manches Fahrzeug der britischen und nordischen Handels, 
flotten in die Tiefe. 
Die Entwicklung des Minenkrieges hatte schon bei Eröffnung der 
Feindseligkeiten zu heftigen Erörterungen Anlaß gegeben. Als die „Königin 
Luise“ am 6. August vor Sherneß die ersten Minen legte, erhob die englische